14.11.2018 - 14:24 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Ohrwürmer gegen schwarze Lady

Als Anheizer für Uriah Heep spielen The Zombies. Wenn sich Altrocker zur europaweiten Tour Freunde einladen, um im Vorprogramm aufzutreten, müssen sie aufpassen, dass ihnen nicht die Show geklaut wird.

Uriah-Heep-Gründungsmitglied Mick Box (links) und Sänger Bernie Shaw: „Lady In Black“ von zwei Männern, die ihre Rocknummern dröhnend über die Rampe bringen. Keiner fragt da nach dem Lebensalter.
von Autor HOUProfil

Da stehen sie also und sollen die erste Stunde eines in der nüchternen Betonburg des Audimax dröhnend daherkommenden Abends bestreiten. Sind The Zombies tatsächlich nur eine Vorgruppe? Eine knappe Stunde bleibt den fünf Herren, um das zu machen, was sie schon vor über fünf Jahrzehnten auszeichnete: Rockmusik vom Allerfeinsten, von Großbritannien aus bis in die US-Billboardcharts gespült.

The Zombies (warum nur gaben sie sich diesen seltsamen Namen?) sind keine Ungeheuer des Rock 'n' Roll. Mit Sänger Colin Blunstone haben sie noch immer einen, der seine Zuhörer von der ersten Sekunde an in den Bann zieht. Neben ihm der 73-jährige Keyboarder Rod Argent, der sein Handwerk meisterhaft ausführt.

Einen Tick besser

Wenn Blunstone und Argent samt ihren Kumpels Musik machen, dann ist der Zeiger auf einer Uhr der musikalischen Vergänglichkeit um keinen Millimeter vorgerückt. "Time Of The Season", "From The Edge Of A Rainbow" und schließlich "You're Not There": Das allein wäre das Eintrittsgeld wert gewesen. So wie damals. Und ja: Heute sogar noch um einen Tick besser. Längstens nach diesem Vorprogramm weiß man, warum es sich lohnt, auch jetzt noch in Shows von Giganten der Rockmusik zu gehen.

Dröhnend und furios

Umbaupause und Zeit, darüber zu diskutieren, welche Rolle The Zombies im Einfluss auf die Rockmusik nahmen. Danach eine Art Stahlgewitter, das über diesen steinernen Stadel hereinbricht: Dröhnend, furios, wie ein Tsunami. Uriah Heep tritt auf. Mit Veteran Mick Box an der Gitarre, dem Sänger Bernie Shaw und einem Trommler, der gewillt scheint, alles nieder zu hauen, was sich ihm in den Weg stellt. Nichts für Ohren, die nach Feinheiten in der Musik vergangener Tage suchen.

Man muss das mögen. Stehender Applaus für schier endlose Beweise musikalischer Befindlichkeiten im Herbst der Lebensjahre. Sänger Bernie Shaw röhrt, Gitarrist Mick Box schrummt. Neuere Songs wie "Moving On" vom Album "Still Got That Hunger". Doch worauf ist man, Hand aufs Herz, wirklich hungrig bei der Kost, die diese Leute vorsetzen? Endlich: Da sind die Nummern, die man hören will. Erst "Gypsy", dann "Lady In Black", schließlich im Zugabenblock "Easy Living". Die Hits von Uriah Heep. Doch Ken Hensley ist längst eigene Wege gegangen. Der geniale Musiker tritt lieber im Vorprogramm von Status Quo bei deren Tourneen auf. Von daher nicht mehr als aufpolierte Klassiker.

Die Geschmäcker sind verschieden. Zum Schluss Standing Ovations für Uriah Heep. Manche bleiben sitzen. Ihnen hätte die Begegnung mit den Zombies und ihrem Frontmann Colin Blunstone gereicht. Denn er und Organist Rod Argent waren es, die wirklich Einfluss nahmen auf die Musik, in der sie seinerzeit neben Keith Richards, Mick Jagger, Paul McCartney und Pete Townshend zu bestehen hatten. Die "Lady In Black" ist ohrenbetäubend verklungen. Im Gedächtnis aber bleibt "Time Of The Season".

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.