30.07.2020 - 18:05 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Platz für einen Menschen in Not

Michael und Hanni Buschheuer sitzen an ihrem Küchentisch, eine weiße Pappfigur zwischen ihnen: Die Figur steht für den Platz, den die Regensburger Familie noch frei hat für einen Menschen in Not.

Es ist noch Platz am Küchentisch: Hanni und Michael Buschheuer wollen einem Geflüchteten ein Zuhause geben.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Es ist die dritte große Aktion der 2018 von Michael Buschheuer gegründeten Hilfsorganisation Space-Eye: Nach einem Hilfsgüter-Konvoi und einer Masken-Nähaktion für Menschen in den griechischen Flüchtlingslagern geht es diesmal darum, Geflüchtete nach Deutschland zu holen. Konkret sollen 50 Menschen aus den Camps der Inseln Lesbos, Kos und Samos in Regensburg eine neue Heimat finden. Gesucht werden dafür Privatleute, die einen Geflüchteten bei sich aufnehmen oder anderweitig weiterhelfen können, etwa mit einem Jobangebot oder Deutschunterricht.

Vereinsgründer Michael Buschheuer geht mit seiner Familie beispielhaft voran. „Wir können einen Schlafplatz, einen Arbeitsplatz und Integrationsleistungen bieten“, sagt er. Seine Frau Hanni betont, am Küchentisch sei neben den drei Kindern noch genug Platz für einen Mitbewohner. Sie freue sich, wenn sie ihren Kindern ein gutes Vorbild sein und einem Menschen Unterstützung anbieten könne.

Gut ein Dutzend Paten – darunter auch bekannte Persönlichkeiten – hat das Projekt „Second Life. Zweite Heimat Regensburg“ bereits gefunden. Auf der Homepage des Vereins geben sie in kurzen Video-Statements an, warum sie sich für das Projekt engagieren. Kabarettist Hannes Ringlstetter bedauert, dass in Corona-Zeiten die Wahrnehmung für andere Probleme zurückgegangen sei. Das gelte insbesondere für die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln. „Jeder kann helfen“, betont er. „Wir haben Raum, wir haben Essen, wir leben eigentlich im Überfluss“, sagt Elektrotechnik-Professor Georg Scharfenberg von der OTH Regensburg. Er wolle davon ein Stück abgeben. Die verantwortlichen Politiker wolle er davon überzeugen, „Menschen aus der Unmenschlichkeit zu holen“. Neli Färber, Chef in Kultlokal „Orphée“, bietet eine Arbeitsstelle in seinem Betrieb an. „Niemand flieht freiwillig“, sagt er. Auch Domkapitular Thomas Pinzer und Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge, gehören zu den Paten.

Der Aufruf, sich an der Aktion zu beteiligen, sei erfolgreich gestartet, sagt Space-Eye-Sprecher Hans-Peter Buschheuer auf Nachfrage unserer Zeitung. „Es kommen täglich Leute dazu, die mitmachen wollen.“ Zunächst sei es das Ziel, Unterkünfte für 50 Geflüchtete zu finden. Daneben gehe es darum, dass die Menschen auch nach Deutschland einreisen dürfen. Das sei die Entscheidung des bayerischen Innenministeriums, das wiederum das Bundesinnenministerium darum bitten müsse, ein Kontingent freizugeben, sagt Buschheuer. „Dafür wollen wir Druck erzeugen.“ Der Regensburger Stadtrat beschäftige sich aktuell mit dem Thema. Buschheuer zeigte sich zuversichtlich, dass die Mandatsträger eine Empfehlung für das Projekt aussprechen werden.

Welche Menschen im Zuge der Aktion nach Deutschland einreisen könnten, entscheide nicht Space-Eye, sondern das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), das Dringlichkeitslisten führt, erklärt der Sprecher. Zunächst müsse aber abgewartet werden, ob das Innenministerium die Erlaubnis für das Projekt gibt. Sobald das der Fall ist, seien auch die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben, dass die 50 Geflüchteten Zugang zur deutschen Sozialversicherung haben. Die Paten wiederum müssten einen Vertrag über bestimmte Leistungen unterschreiben, etwa über die Übernahme von Miete oder die Vergabe eines Ausbildungsplatzes.

Space-Eye ist die kleine Schwester der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye, die auf dem Mittelmeer in den vergangenen vier Jahren nach eigenen Angaben 14 000 Geflüchtete vor dem Ertrinken gerettet hat. Gegründet hat beide Vereine der Regensburger Unternehmer Michael Buschheuer, der die Probleme als Segler vor Ort kannte – und es nicht mehr aushielt, dass auf dem Meer zwischen Afrika und Europa Menschen auf der Flucht ertrinken.

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