27.07.2020 - 18:22 Uhr
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Prozess Maria Baumer: Die drei Brüder des Verlobten verweigern Aussage

Mit Spannung erwartet worden waren die Zeugenaussagen der drei Brüder des angeklagten früheren Verlobten der getöteten Maria Baumer. Doch die Männer nutzten ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Stattdessen spielte der Richter abgehörte Telefonate vor.

'Der Angeklagte Christian F. alleine auf der Anklagebank.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Der bisherige Prozess hatte Fragen aufgeworfen, insbesondere was die Rolle des ältesten Bruders von Christian F., Psychiater Dr. K. F., angeht. So hatte Maria Baumers Zwillingsschwester Barbara ausgesagt, dass sie sich gefreut habe, dass der Bruder Christian F. in den Tagen nach Maria Baumers plötzlichem Verschwinden am 26. Mai 2012 zur Seite gestanden war. Zwei Tage nachdem Maria weg war, habe sie Christian zusammen mit K. rauchend vor der gemeinsamen Wohnung von Christian und Maria angetroffen. Christian habe gezittert.

Geärgert habe sie sich allerdings, dass der Bruder bei der Suche nach einem Hinweis zu Marias Verbleib ein Programm über deren Laptop laufen habe lassen. Sie habe Angst gehabt, dass dabei etwas gelöscht worden sein könnte, was für die Polizei interessant wäre. Ein wenig gewundert habe sie sich darüber, dass sich K., der eine Praxis in einer über 200 Kilometer entfernten Stadt betreibt, zeitlich so um seinen jüngeren Bruder kümmern konnte. Die Schwester erwähnte auch einen Zettel, den K. gefunden haben will, der darauf hindeutete, dass Maria einen Suizid beging. Sie habe den Zettel allerdings nie selbst zu Gesicht bekommen, gab die Schwester an.

Die Sache mit dem Spaten

Und in noch einer Hinsicht war Bruder K. in Erscheinung getreten. Er hatte die Polizei im September 2013 darauf aufmerksam gemacht, dass ein von Christian F. im Mai 2012 gekaufter Spaten doch in dessen Wohnung aufgetaucht sei - kurz zuvor hatte die Polizei den Spaten bei einer Wohnungsdurchsuchung nicht finden können. Ein baugleicher Spaten war neben den sterblichen Überresten von Maria Baumer gelegen, die am 8. September 2013 in einem Waldstück bei Bernhardswald (Kreis Regensburg) gefunden worden waren. Wäre der von Christian F. gekaufte Spaten noch in seiner Wohnung gewesen, hätte ihn das entlastet. Allerdings: Kurz bevor Bruder K. den Fund der Polizei meldete, war er mit einem Rucksack in das Wohnhaus gegangen. Ein polizeiliches Überwachungsvideo hatte die Szene festgehalten.

Vorsitzender Richter Michael Hammer hätte am Montag also eine ganze Reihe von Fragen an K. F. gehabt. Doch der Zeuge schwieg, "aufgrund meines Loyalitätskonflikts", wie er angab. Auch die beiden weiteren Brüder machten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, das ihnen als nahen Angehörigen zusteht. Bruder R. F. hätte Angaben zum letzten Abend machen können, an dem Maria Baumer lebend gesehen wurde.

Angaben nicht verwerten

Maria und Christian hatten sich nach mehreren Zeugenaussagen an diesem Abend auf R.s Reiterhof in Bernhardswald aufgehalten. Bruder Dr. G. F., ein Mediziner, wiederum hatte Maria Baumer einmal wegen eines Gedächtnisaussetzers an einen befreundeten Arzt vermittelt. Richter Hammer betonte, dass die Brüder Christian F. mit ihren Aussagen auch entlasten könnten. Doch es blieb dabei: Alle drei Brüder schwiegen - und erklärten darüber hinaus, dass auch ihre Angaben aus früheren polizeilichen Vernehmungen im Verfahren nicht verwertet werden dürfen.

Zumindest die Stimmen von zwei Brüdern waren dennoch im Gerichtssaal zu hören: Richter Hammer ließ zwei von der Polizei abgehörte Telefonate vorspielen. Im ersten Gespräch erklärte der jetzige Angeklagte Christian F. seinem Bruder K. F., dass er gerne seinen Führerschein zurück hätte, den er nach einem Unfall verloren hatte. Er brauche dafür aber eine Bescheinigung, dass ihm bestimmte Medikamente, darunter Lorazepam, die er bei dem Unfall im Blut hatte, ärztlich verschrieben waren. Er hatte die Arzneimittel aus dem Bezirksklinikum Regensburg, wo er als Krankenpfleger arbeitete, mitgenommen. Die beiden Brüder beratschlagten, wie Christian F. am besten vorgehen sollte.

In einem zweiten Telefonat tauschten sich die beiden Brüder K. F. und G. F. über die Ermittlungen im Fall Maria Baumer aus. Es scheint, als ob sich die beiden während des Gesprächs im Klaren sind, dass sie abgehört werden. Einmal sagte K. F., er wolle G. F. etwas erzählen, "aber nur unter vier Augen". Zu einem anderen nicht näher bestimmten Thema forderte K. F. seinen Bruder auf, "keine weiteren Aktionen" vorzunehmen und fragte, ob G. F. damit verbundene Daten gelöscht habe, auch aus dem Papierkorb. Für Christian F. seien die Ermittlungen "die Hölle", sagte K. F. Wichtig sei, dass er entlastet werde. "Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass er unschuldig ist", erklärte K. F. in dem Telefonat.

Mittwoch Fortsetzung

Gleichzeitig stellte er Mutmaßungen an, wie Maria Baumer ums Leben gekommen ist: "Ich bin der Meinung, dass sie sich mit jemandem getroffen hat und dann die Katastrophe passiert ist und sie dann im Nachhinein dort verscharrt worden ist." Die Staatsanwaltschaft Regensburg sieht das anders: Sie geht davon aus, dass Christian F. selbst seine Verlobte mit einem Medikamentenmix heimtückisch tötete und in dem Waldstück bei Bernhardswald ablegte. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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