16.11.2018 - 15:57 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Realistischer Optimist

Er hat sie vollendet, seine nostalgisch-sentimentale Trilogie, "der Kellner", wie er in der Regel genannt wird. Obwohl das Ganze so eigentlich nicht geplant war: "Tanzcafé Memory" nennt sich der finale Baustein des Triptychons.

Mathias Kellner
von Autor MFGProfil

Voraus gegangen waren die beiden Alben "Zeitmaschin'" und "Kettnkarussell". Alles drei sind wundervolle, unverwechselbare Kleinode der bajuwarischen Liedermacher-Kunst. "Während der Produktion bemerkte ich mehr und mehr", sinniert der Hüne mit dem sanften Naturell, "dass ich noch nicht ganz abgeschlossen hatte mit meiner Vergangenheit. Immer wieder kamen beim Schreiben einschneidende Erinnerungen - vor allem an meine Ära als Minderjähriger - hoch. In diese bin ich eingetaucht, obwohl das gelegentlich ziemlich lästig und schmerzhaft war."

Und weiter erzählt er: "Ich bin nun mal ein nachdenklicher Typ, ab und an packt mich die Melancholie. Glorifiziert wird bei mir allerdings nichts. Stattdessen bin ich als Kreativer froh um jede Anregung durch die Musen." Mathias Kellner, vor 34 Jahren in Straubing zur Welt gekommen und seit langem in Regensburg zu Hause, hat nie heftigen Wind um seine Person gemacht, dagegen ganz langsam, aber auch ganz zielstrebig seine Karriere als Künstler verfolgt. Seit 2007 hat er mit seiner Band Kellner vier Studio-Alben und einen Live-Mitschnitt veröffentlicht, im März 2012 gab er sein - überzeugendes - Debüt als Schauspieler in der bayerischen Komödie "Was weg is, is weg". Und noch in jenem Jahr hat er sich eine Auszeit von der Gruppe Kellner genommen, um stoisch (mittlerweile ebenfalls vier) Platten im Alleingang aufzunehmen. Alle vier Tonträger sind nicht, wie früher mit Band, auf Englisch, sondern in tiefem Bayerisch eingesungen. Jüngstes beeindruckendes Beispiel dafür, wie erwähnt, die neue Platte: "Tanzcafé Memory".

Sinnlichkeit und Feeling

Tatsächlich verrät Mathias Kellner darauf eine Menge aus seiner Innenwelt, denn: "Zwar sind mir das Englische und das Bayerische gleichermaßen vertraut, doch in meiner Heimatsprache fallen mir ein paar Redewendungen und Ausdrücke ein, die viel mit meiner Vita zu tun haben und die es in keinem anderen Idiom dieser Welt gibt. Bayerisch ist Sinnlichkeit und Feeling pur. Davon zehren die Verse auf meinen Solo-Ausflügen, die sorgen für pure Authentizität", ist der Niederbayer überzeugt.

Die musikalischen Idole sind allerdings seit Kellners Jugend die Gleichen geblieben: Neil Young, Johnny Cash, Bob Dylan, Tom Waits. "Wenn ich ein bisschen besser wäre", feixt der Mann, "würde ich glatt etwa als 'der bayerische Bob' durchgehen. Aber na ja, so ein bisschen in den Fußstapfen meiner Helden stecke ich hoffentlich. Ich würde gerne in diese reinwachsen. Die richtige Schuhgröße dafür habe ich jedenfalls", sagt er und lacht schallend.

Eindringlich und intim

Das Bajuwarische seiner Solo-Scheiben ist "dem Kellner" außerordentlich wichtig, denn "ich mag sanften Anarchismus. Dafür sind wir Bayern berühmt-berüchtigt. In dieser Tradition stehe ich gerne." Gerade deshalb erstaunt es ihn, dass "ich bei Konzerten im Norden der Republik, in irgendwelchen Käffern, sehr interessante Erfahrungen mit meinem Dialekt mache. Nach den Shows kommen immer wieder Besucher auf mich zu und bestätigen mir, dass sie so gut wie nichts von meinen Versen verstanden haben. Aber die Emotionen dahinter verstehen sie umso besser", sagt der Wahl-Oberpfälzer und freut sich.

Textlich gibt sich Kellner auf "Tanzcafé Memory" noch eindringlicher und intimer als zuvor. "Das liegt vermutlich in erster Linie daran, dass ich Papa eines fünfjährigen Sohns bin. Ich versetze mich beim Komponieren gerne mal in seine Situation hinein", verrät er. Bei anderen Titeln hingegen bezieht er auch politisch und gesellschaftlich eindeutig Stellung, etwa beim Stück "Politika", das den eindeutigen Untertitel "Trumpeltier" trägt, und dem amtierenden US-Präsidenten - nun ja - "gewidmet" ist. Und im mehr als düsteren Werk "Sturm" beschwört "der Kellner" ganz unaufgeregt die Apokalypse, das Ende der Menschheit herauf.

"Dieses Lied", meint der Singer und Songwriter nachdenklich, "ist eher anti-zyklisch zu den meisten Songs auf meiner aktuellen Platte. Viele Kompositionen setzen sich mit meiner Kindheit und Jugend auseinander. Wenn ich die so vergleiche mit den Biografien heutiger Kids - wir waren, im besten Sinne des Wortes, schrecklich naiv."

Zwei-Stunden-Egotrip

Schon seit einigen Wochen und noch bis weit hinein ins Frühjahr 2019 ist "der Kellner" erneut "on the Road" und spielt "in jedem Club der mich reinlässt" - nach eigener Aussage. "Die meisten Konzerte absolviere ich alleine, weil meine Gastmusiker oft andere Gigs mit anderen Bands spielen. Wie auch immer, die Zuschauer erwartet ein Zwei-Stunden-Egotrip. Und ich hoffe mal, damit enttäusche ich sie nicht. Also kommt rüber, Leute, zu meinen Auftritten. Ich garantiere, ihr werdet es nicht bereuen."

Matthias Kellner spielt am Samstag, 24. November (20 Uhr), im KunstKaufHaus in Hof. Karten gibt es an der Abendkasse.

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