14.02.2020 - 14:13 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Regensburg steht ein großer Knall bevor

Nicht unbedingt schön, aber markant ist er: Der Wirsing-Turm im Stadtzentrum wird am 23. Februar gesprengt. 200 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen.

Nicht mehr lange stehen wird der Wirsing-Turm zwischen Hauptbahnhof und Altstadt. Der Abgang des ehemaligen Studentenwohnheims wird dramatisch.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Seit 1969 prägt der betongraue Wirsing-Turm den Ernst-Reuter-Platz zwischen dem Hauptbahnhof und der Altstadt. Am 23. Februar wird das ehemalige Studentenwohnheim innerhalb von Minuten in die Geschichte eingehen. Um 11 Uhr soll das Hochhaus gesprengt werden. Anwohner müssen evakuiert werden.

Eigentlich hätte die Evangelische Pfründestiftung, die das Areal an die Stadt verpachtet, das freigeräumte Grundstück bereits im September 2019 übergeben sollen. Doch es gab Verzögerungen. Die Stadt will auf dem Gelände übergangsweise einen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) errichten. Was dort danach entsteht, ist offen, nachdem das geplante Regensburger Kultur- und Kongresszentrum per Bürgerentscheid abgelehnt wurde. Nun wird das Wirsing-Hochhaus doch sehr schnell fallen. Ausschlaggebend für die Entscheidung, das Gebäude zu sprengen, sei aber nicht der Zeitaspekt gewesen, sondern die geringere Belastung für die Anwohner, sagt Friederike Günzel, zuständige Sprecherin des Evangelischen Siedlungswerks, gegenüber unserer Zeitung.

Der Abbruch des Gebäudes durch sogenannte Longfrontbagger hätte Günzel zufolge etwa sechs Wochen gedauert. „Das hätte viel mehr Staubemission, Lastwagen-Abgase und Lärm bedeutet.“ Die Belastung durch die Sprengung an einem einzigen Tag sei deutlich geringer. Innerhalb weniger Minuten soll eine Spezial-Abbruchfirma das Gebäude in einen Haufen Schutt verwandeln. Erst soll der äußere Turm in sich zusammensacken, dann das Gebäudeinnere nach Süden in Richtung Bahnhof umkippen. Günzel geht davon aus, dass die erzeugte Staubwolke sich nach zehn Minuten wieder legt. Keine Sorgen machen müsse man sich, dass Schadstoffe wie Asbest austreten, betont die Sprecherin. „Das ist alles entfernt worden.“

Unerlässlich sei es allerdings, dass die Anwohner in den umliegenden Häusern für die Sprengung ihre Wohnungen verlassen. Etwa 200 Menschen sind betroffen, sie müssen zwei bis drei Stunden raus aus ihren Häusern. „Die Anwohner sind seit Wochen informiert“, sagt Günzel. Im Parkhotel Maximilian werde eine Anlaufstelle für sie eingerichtet. Damit auch keine Passanten Gefahr laufen, der Sprengung zu nahe zu kommen, werde der Bereich rechtzeitig großräumig abgesperrt, erklärt Günzel. Die Sprecherin ist sich bewusst, dass die Sprengung in Regensburg für viel Aufmerksamkeit sorgt. „Ich hatte schon Anfragen, wo sich Zuschauer am besten positionieren sollen“, erzählt sie. Dem Evangelischen Siedlungswerke gehe es aber nicht darum, Menschen zu ermutigen, sich die Sprengung anzusehen. Vielmehr stünden Sicherheitsaspekte im Vordergrund.

Der Abriss des von Architekt Werner Wirsing entworfenen Hochhauses war bis zuletzt umstritten. Das „Bündnis Zukunft Kepler-Areal“ hatte sich gegen einen Gebäudeabbruch ausgesprochen. Die Initiative, die sich stattdessen eine Sanierung und eine Nutzung etwa als Bürgerhaus gewünscht hätte, klagte sogar gegen den Abriss vor dem Regensburger Verwaltungsgericht – hatte dabei aber keinen Erfolg.

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