12.09.2019 - 14:10 Uhr
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Regensburger Moschee öffnet im Frühjahr

Das erste Gebetshaus der Stadt mit Minarett soll viel Platz für kulturelles Leben bieten. Erbaut wird es für knapp drei Millionen Euro von der Regensburger Ditib-Gemeinde.

In einem Gewerbegebiet im Stadtosten entsteht Regensburgs erste Moschee mit einem Minarett.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Im Frühjahr nächsten Jahres soll die Moschee ihre Pforten öffnen. Das stattliche Gebäude im Stadtosten soll Platz für die 300 Mitglieder der örtlichen Ditib-Gemeinde schaffen. Aber auch Nichtmuslime sind in dem Kulturzentrum willkommen, betont der Vorstand.

Bei Levent Tekenli klingelt zurzeit oft das Handy. Tekenli ist als Vorstandsmitglied der Regensburger Ditib-Gemeinde zuständig für die Moschee-Baustelle, er muss Handwerker und Anlieferungen für die letzte Bauphase koordinieren. Seit Sommer 2018 wächst das Gemeindezentrum in der Maxhüttenstraße in einem Gewerbegebiet im Stadtosten in die Höhe. Bis Ende Oktober soll der Innenausbau fertig sein. Der Außenputz und die Außengestaltung sind dann noch Aufgaben für die ersten Monaten des neuen Jahres.

Allein über Spenden finanziert

„Gerade sind wir in der Estrichphase“, erzählt Tekenli. Viel Arbeit steht noch in den für Männer und Frauen getrennten Gebetsräumen an. Dort werden am Boden schwere Teppiche ausgelegt. Die Wände und Decken werden händisch von drei Fachleuten bemalt und verziert. „Das ist eine feine Arbeit wie in Kirchen.“ Die Zeit für die Fertigstellung drängt. „Unsere Mitglieder warten darauf“, sagt Tekenli. Das bisherige Gemeindezentrum in der Altstadt, das zu klein geworden war, wurde bereits verkauft. Für das Freitagsgebet müssen die Ditib-Gemeindemitglieder derzeit auf einen Gebetsraum im nahen Neutraubling ausweichen.

Die fertige Moschee wird den Mitgliedern viel Raum bieten. Dort wird es einen großzügigen Empfangsbereich, Sozialräume und eine große Küche geben. „Es ist ein Kulturzentrum, das jeder besuchen kann“, betont Tekenli. Er selbst arbeite seit 20 Jahren in Regensburg, habe viele christliche Freunde und setze auf ein gutes Miteinander. Das Angebot soll vielfältig werden: Jugendliche sollen sich hier zum Beispiel zum Billardspielen treffen können. Tekenli schweben Computer-, Handarbeits-, Sport- oder Malkurse vor.

Bewusst hat die Ditib-Gemeinde zwei Räume zu viel eingeplant. Sie sollen als Gewerberäume vermietet werden, um mit den Einnahmen die laufenden Kosten der Moschee zu decken. Einen Bezug zum Islam brauchen die Gewerbe nicht unbedingt zu haben, sagt Tekenli auf Nachfrage. „Das könnte auch ein Reisebüro sein.“ Die Kosten für den Neubau lagen bei der Planung bei 2,5 Millionen Euro, mittlerweile sind es Tekenli zufolge eher 3 Millionen. Finanziert werde das Projekt allein über Spenden und Mitgliedsbeiträge, betont Tekenli – und nicht etwa von der türkischen Staatsregierung. Damit richtet er sich freilich vor allem an Kritiker, die in der Ditib einen verlängerten Arm des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Deutschland sehen.

Kritik am Bau

Für Wirbel hatte anfangs gesorgt, dass die Moschee als erstes muslimisches Gebetshaus in Regensburg ein Minarett hat. Der schlichte, weiße Turm, der neben dem Gebäude in den Himmel ragt, weist unübersehbar auf die Funktion des Hauses hin. Begehbar ist das Minarett allerdings nicht, auch sollen keine Gebetsrufe von ihm ertönen. Nicht zuletzt war Kritik an dem Bau laut geworden, weil es im Stadtosten bereits mehrere Moscheen gibt. CSU-Stadträtin Bernadette Dechant hatte im vergangenen Jahr bei einer Podiumsdiskussion des Evangelischen Bildungswerks Regensburg zum Islam, bei dem der Moscheebau Thema war, Bedenken angemeldet. Im Stadtosten seien bereits sieben Moscheegemeinden ansässig. Eine solche Dichte könne Parallelgesellschaften fördern, hatte die Stadträtin, die selbst im Stadtosten lebt, erklärt.

Die Ditib-Gemeinde versucht, solchen Sorgen mit Offenheit entgegenzutreten. So lädt der Vorstand vom 3. bis 6. Oktober zu Festtagen auf die Baustelle ein. Von je 10 bis 18 Uhr ist der Neubau dann für alle Interessierten geöffnet.

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