Was die Deprag in Amberg macht, geschieht in der Oberpfalz offenbar immer seltener. Das Amberger Unternehmen investiert fünf Millionen Euro in den Heimatstandort. Vor einer Woche war Spatenstich für das neue Logistik-Zentrum. Dass Firmen ihren Oberpfälzer Standort stärken, wird immer mehr zu einer Ausnahme – das sagen zumindest die Arbeitgeberverbände Bayme und VBM.
Die Verbände, die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Bayern vertreten, befürchten eine Deindustrialisierung der Oberpfalz. Das sagt Alexandra Bornemann, Vorsitzende des Bayme-VBM-Vorstands der Region Regensburg, bei einem Pressegespräch über die aktuelle konjunkturelle Lage in der Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie. Die Tendenz sei auf jeden Fall da. "Die Standortbedingungen haben sich verschlechtert", sagt Bornemann, die Werks- und Standortleiterin bei Continental in Regensburg ist. Mehr als die Hälfte der Oberpfälzer Unternehmen sehen das laut Umfrage so.
Echtes Risiko für die Oberpfalz
Das lässt sich auch anhand der Investitionspläne der Unternehmen erkennen, sagt Bornemann. Im Inland werde das meiste Geld für Ersatzbeschaffungen ausgeben. Es werde allgemein nicht mehr so in der Oberpfalz investiert, sondern tendenziell eher im Ausland. Viele Unternehmen hätten Teile ihrer Wertschöpfung schon verlegt, weitere würden das planen. "Wir haben da eine Abwanderung. Und diese Arbeitsplätze kommen nicht mehr zurück." Das alles würden die Arbeitgeber verstärkt wahrnehmen. "Das gefährdet die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts." Es sei ein "echtes Risiko für die Oberpfalz".
Ganz allgemein lässt sich aus der aktuellen Umfrage erkennen, dass sich die konjunkturelle Lage in der Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie eintrübt, sagt Bornemann. Zwar seien – wie es in einer begleitenden Pressemitteilung heißt – Produktionspläne sowie die Mitarbeiterzahl leicht gestiegen und die Ertragslage "derzeit noch insgesamt gut". Aber die mangelnde Dynamik führe zu negativen Erwartungen der Unternehmen, was die Zukunft angeht. Aktuell bewerten der Umfrage nach die meisten Firmen sowohl Inlands- als Auslandsgeschäft noch als positiv, aber für die kommenden Monate überwiegt der Pessimismus.
Dass die Unternehmen immer weniger in Inland investieren, liegt laut Bornemann vor allem an vier Faktoren: Fachkräftemangel, Arbeits- und Energiekosten sowie der ausufernden Bürokratie.
Vom Fachkräftemangel sind 75 Prozent der befragten Unternehmen beeinträchtigt, sagt Bornemann. Weil sie hierzulande die Leute nicht mehr bekämen, würden viele Firmen eben ins Ausland abziehen. Dorthin wo es noch Fachkräfte gibt. Derzeit sind das vor allem Süd- und Lateinamerika, Länder wie Mexiko oder Brasilien, und Südostasien, mit Ausnahme von China, sagt Hermann Brandl, Geschäftsführer der Bayme-VBM-Geschäftsstelle Oberpfalz.
Forderungen an Politik
"Das ist ein völlig neuer Faktor", meint Bornemann, dass die Unternehmen nun ihre Investitionsentscheidungen davon abhängig machen, ob sie an einem Standort überhaupt genügend Mitarbeiter bekommen. Das nehme immer mehr zu. "Das ist eine sehr, sehr gefährliche Entwicklung." Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz der Bundesregierung könne zwar helfen, es brauche da, sagt Bornemann, aber mehr Pragmatismus.
Auch die Bürokratie nehme immer mehr zu, das sei ein "Dschungel". Auch da müsse die Politik mehr machen. "Da fehlt uns komplett die Unterstützung der Gesamtpolitik", sagt Bornemann. Nicht nur in Bayern, sondern auch in Berlin. Die Bundesregierung müsse sich darauf fokussieren, den Produktionsstandort Deutschland zu sichern. "Sie muss ein Vertrauen schaffen, dass Unternehmen hier wieder investieren."
Denn das habe ja vor allem die Corona-Pandemie gezeigt: Wer da in Deutschland produzierte, der hatte Vorteile. Und überhaupt die Oberpfalz: Der Standort habe viele Vorteile. Nur "schade, dass das sukzessive stirbt", sagt Bornemann.
Bayme und VBM
- Bayme: Bayerischer Unternehmensverband Metall und Elektro
- VBM: Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie
- Mitgliedsbetriebe: 3490 in Bayern; 321 in der Oberpfalz
- Beschäftigte in den Mitgliedsbetrieben: etwa 812.000 in Bayern; rund 97.000 in der Oberpfalz













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