09.08.2021 - 18:12 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Schlag gegen Kinderporno-Szene: "Internet kein rechtsfreier Raum"

Ermittler durchsuchten 14 Häuser und Objekte in der Region. Der Verdacht: Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie. In der Oberpfalz werden immer häufiger Delikte dieser Art aufgedeckt - und die Täter sind oftmals erschreckend jung.

Polizeihauptkommissar Florian Beck ist Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Der Oberpfälzer Polizei ist ein Schlag gegen die Kinderpornografie-Szene gelungen. In einer konzertierten Aktion durchsuchten am Donnerstag Ermittler der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg insgesamt 14 Objekte in der Oberpfalz. Unterstützt wurden sie dabei vom Einsatzzug Regensburg. Das gab die Polizei am Montag offiziell bekannt.

Die Kriminalpolizeiinspektion Regensburg ermittelt in enger Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg (Zentralstelle Cybercrime Bayern) und den Staatsanwaltschaften Regensburg und Nürnberg-Fürth in verschiedenen Verfahren gegen mehrere Personen, die unter anderem im dringenden Verdacht stehen, Kinderpornografie besessen oder verbreitet zu haben.

Bei den vorliegenden Ermittlungsverfahren stehen 14 ausschließlich männliche Personen im Alter zwischen 15 und 63 Jahren im Verdacht, inkriminiertes Material von Kindesmissbräuchen besessen oder verbreitet zu haben. Außerdem wurden zwei strafunmündige Kinder bekannt, die ebenfalls derartiges Material besessen haben sollen. Die Durchsuchungen fanden in Regensburg und Neumarkt in der Oberpfalz sowie den Landkreisen Regensburg, Neumarkt und Cham statt. "Es ist in der Früh losgegangen, und hat sich bis in die Nachmittagsstunden gezogen", bestätigt Florian Beck auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Der Sprecher des Polizeipräsidiums Regensburg erklärte, dass es vor allem auch darum gehe, ein Zeichen zu setzen. "Das Handy und das Internet sind kein rechtsfreier Raum", stellt er klar.

Es drohen harte Strafen

In der Oberpfalz werden immer mehr Fälle im Zusammenhang mit verbotener Pornografie und dem Tatmittel Internet aufgedeckt. Waren es im Jahr 2019 noch 213 Fälle, wurden 2020 schon 362 Fälle bekannt. Die Fälle dieser Art nehmen inzwischen sogar einen erheblichen Anteil aller Sexualdelikte in der Oberpfalz ein. Im Jahr 2020 gab es insgesamt 892 Fälle. Deutlich abweichend von anderen Deliktsbereichen stellt außerdem der Anteil Minderjähriger hier eine zunehmend signifikante Tätergruppe dar. Knapp 20 Prozent der Tatverdächtigen war unter 14 Jahren, weitere 30 Prozent im Alter zwischen 14 und 17 Jahren.

In diesem Durchsuchungskomplex waren zwei strafunmündige Kinder sowie drei Jugendliche involviert. Der Hauptteil dieser Verfahren bezieht sich auf Teilnehmer in Chatgruppen verschiedener Messenger-Dienste. Bei der Durchsuchung wurden 20 Asservate, insbesondere die Smartphones der Tatverdächtigen, als Beweismittel sichergestellt. Die Polizei stellte in ihrer offiziellen Mitteilung nochmals klar: "Das Verbreiten und der Besitz von kinderpornografischen Schriften ist ein folgenschweres Fehlverhalten auch von jungen Menschen, die nicht wissen, was sie tun. Mittlerweile wird diese Tathandlung als Verbrechen mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr eingestuft. Der vorsätzliche Besitz eines solchen Bildes als Chatgruppenmitglied reicht dabei aus, um den Tatbestand zu erfüllen."

Hinweise aus dem Ausland

Die Behörden betonen außerdem, dass es sich beim aktuellen Schlag gegen die Kinderpornografie in der Oberpfalz nicht um ein Sammelverfahren, sondern mehrere einzelne Ermittlungsverfahren handelt, die nun gebündelt in der Durchsuchungsaktion mündeten. Bei einem Teil der Verfahren erhielten deutsche Ermittlungsbehörden Hinweise von ausländischen Organisationen gegen Kindesmissbrauch, denen entsprechend nachgegangen wurde und die aufgrund örtlicher Zuständigkeit von der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg übernommen wurden. "In Amerika gibt es viele Verbände und Organisationen, die sich dieser Themen verschrieben haben", erklärt Beck. Auch bei diesen Ermittlungen hätte es Hinweise aus dieser Richtung gegeben, bestätigt er. Bei einem weiteren Teil der Fälle lagen wiederum Erkenntnisse aus anderen Ermittlungsverfahren zugrunde, die nun zu den aktuellen Ermittlungsverfahren führten.

Doch warum fand die Aktion überhaupt gebündelt statt? "Zum einen aus organisatorischen Gründen", erklärt Beck. Bei Aktionen wie diesen müssten viele verschiedene Einheiten zusammenarbeiten. Die Kriminalpolizei Regensburg führte die Ermittlungen. Aber: Es seien auch verschiedene Teams gegründet worden. Jedes Team kümmere sich um ein bestimmtes Haus oder mehrere Objekte, die durchsucht werden sollen.

"Mit solchen Durchsuchungsaktionen wollen wir einerseits Kindesmissbrauch und die Verbreitung von dabei hergestelltem Material bekämpfen und andererseits auch die Öffentlichkeit gezielt auf dieses Thema aufmerksam machen. Die Verbreitung solcher Fotos und Videos stellt eine schwerwiegende Straftat dar und beschäftigt uns ganz erheblich", sagt der Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg, Harald Wiesenberger. Gerade Eltern sollten sich dieser Thematik bewusst werden und mit ihren Kindern darüber sprechen, denn die Behörden würden vermehrt feststellen, dass vor allem junge Menschen als Tatverdächtige registriert werden. "Wir müssen uns vor Augen führen, dass jedes einzelne versandte Bild missbrauchte Kinder erneut zum Opfer macht", sagt Wiesenberger.

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Wir müssen uns vor Augen führen, dass jedes einzelne versandte Bild missbrauchte Kinder erneut zum Opfer macht.

Harald Wiesenberger, Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg

Harald Wiesenberger, Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg

Projekt:

Dein Smartphone - Deine Entscheidung

Kindern werden heutzutage immer früher Smartphones zur Verfügung gestellt - selbst unter 10-Jährige sind als Nutzerinnen und Nutzer keine Seltenheit mehr. Dabei werden auch die bekannten Messenger-Dienste als „Klassen-Chats“ genutzt. Auf diesem Weg finden inkriminierte Inhalte problemlos und ungefiltert den Zugang zu Kindern und Jugendlichen. Oft werden diese ohne Gedanken zu den Folgen weiterversendet.

Das Polizei-Projekt "Dein Smartphone - Deine Entscheidung" hat das Ziel, Schülerinnen und Schüler über die strafrechtlichen Aspekte zu informieren und die daraus resultierenden möglichen Folgen zu erläutern. Nicht nur die Kinder und Jugendlichen werden im Rahmen des Projekts informiert, sondern auch insbesondere die Eltern. Diese übernehmen einen wichtigen Erziehungsauftrag bei der Entwicklung der Medienkompetenz ihrer Kinder.

 

 

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