05.04.2020 - 18:20 Uhr
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Schutzmasken aus dem 3D-Drucker

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Harald Schmid verkauft das Produkt, das inmitten der Corona-Pandemie immer mehr Menschen haben wollen – einen Mundschutz. Die Besonderheit: Die Maske aus Kunststoff kommt aus dem 3D-Drucker. Die Nachfrage ist groß.

Eine Schutzmaske in der 3D-Drucker-Fertigung.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Eigentlich bietet Harald Schmids Vier-Mann-Betrieb, der im Regensburger Innovationszentrum Techbase ansässig ist, additive Fertigungslösungen für unterschiedliche Produkte an. Die 2017 gegründete Gramm GmbH bekommt europaweit Aufträge aus verschiedenen Branchen und ist Schmid zufolge gut ausgelastet. Doch den normalen Betrieb hat der Geschäftsführer stillgelegt. Nun drucken die 3D-Drucker der Firma ausschließlich Atemschutzmasken. Er halte es aktuell für wichtiger, Produkte herzustellen, die in der Corona-Krise Leben retten können, sagt Schmid im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Firma erwägt auch, kontaktlose Türöffner und Teile für Beatmungsmaschinen herzustellen – doch ihr derzeit wichtigstes Produkt ist die Schutzmaske.

Gedruckt werden die Masken aus einem biegsamen Polymer-Kunststoff in 2D. So können die flachen Produkte zusammen mit anderen Bauteilen besser versandt werden. Der Käufer baut sich dann zu Hause Maske, Verbindungselemente, Filter und Gummiband selbst zusammen. Ein Anleitungsvideo findet sich auf der Homepage der Firma. „Wir können sie auf Wunsch aber auch schon zusammengebaut liefern“, erklärt Schmid. 19,95 Euro kostet die Maske inklusive Versand. Sie ist wiederverwendbar und wird mit einem speziellen Stoff geliefert, der in 14 Filter geschnitten werden kann. Der Filter soll nach acht Stunden gewechselt werden, ist aber Schmid zufolge auch wasch- und wiederverwendbar. Geeignet seien die Masken für jeden, der im Alltag sich oder andere schützen will, erklärte der Geschäftsführer. Für den Einsatz etwa im Operationssaal seien sie nicht gedacht, dafür wären aufwändige Prüfungen notwendig.

Das Produkt ist eine Gemeinschaftsleistung. Neben den Gramm-Mitarbeitern ist auch David Schäfer von der Regensburger Firma Indavidual AM Consulting mit im Boot. Er steuerte das Produktdesign bei. Bislang hat das kleine Team 100 Masken hergestellt und 50 ausgeliefert. Die Nachfrage ist aber viel größer: 500 Bestellungen sind bislang eingegangen, von Privatpersonen, aber auch von Firmen, die ihre Mitarbeiter damit ausstatten wollen. Schmid hört in diesen Tagen viele Geschichten aus Familien. Zum Beispiel kontaktieren ihn Kunden, die sich um ihre hochbetagten Eltern sorgen, die noch selbst im Supermarkt einkaufen. „Der Kompromiss ist dann, dass sie dabei wenigstens eine Schutzmaske aufsetzen.“

Es gibt auch Anfragen für Großaufträge von über 100 Masken, doch hier muss Schmid derzeit noch abwinken. Aktuell kann seine Firma 50 Masken pro Tag herstellen, sie arbeitet fieberhaft nach Lösungen, den Prozess zu beschleunigen. Angedacht ist eine Produktion per Lasercutting. „Damit könnten wir die Herstellung verzehnfachen.“ Geplant sei auch, die Masken in verschiedenen Farben und Größen anzubieten, kündigt Schmid an.

Wer den Atemschutz aus dem 3D-Drucker kauft, tut zudem noch Gutes: Für jede erworbene Maske spende die Gramm GmbH eine weitere Maske an ein Pflegeheim, Krankenhaus oder eine ähnliche Einrichtung, erklärt Schmid.

So sieht die im 3D-Drucker hergestellte Schutzmaske aus Regensburg aus.
Harald Schmid, Geschäftsführer der Gramm GmbH.
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