Die Bewerbungen zum diesjährigen Jungautoren-Wettbewerb der Regensburger Schriftstellergruppe International (RSGI) stammen zu 85 Prozent von Frauen. Und die Teilnehmer der Endrunde, die zum Vortrag ihres Werkes am Samstag in den Neuhaussaal im Theater Regensburg geladen sind, sind sogar zu 100 Prozent weiblich. Und auch die meisten Anwesenden sind Frauen, was bezeichnend für die gesamte Veranstaltung ist.
Der weibliche Anteil an diesem Wettbewerb lag schon in den vergangenen Jahren über dem männlichen. Diese krasse Ausprägung hatte es aber bis dato noch nicht gegeben. Und dass es - trotz anonymer Auslese - kein Manuskript eines männlichen Autoren zum Vortrag geschafft hat, ist "ein absolutes Novum", wie RSGI-Präsident Stefan Rimek zur Eröffnung konstatiert.
Platz eins belegt Carolin König - mit 17 Jahren jüngste Teilnehmerin in dieser Endrunde. Die Weinheimerin verwebt in ihrer Geschichte zwei verschiedene Generationen, Geschlechter und Realitäten: Die Protagonistin, ein junges Mädchen, befreit sich von dem erdrückenden Schweigen im elterlichen Zuhause, indem sie die Blumentapete an der Wand zerfetzt und Märchenbilder eines polnischen KZ-Häftlings sprechen lässt. Der Mut, sich diesem nach wie vor politisch-traurigem Thema als so junger Mensch zu nähern, dürfte der Hauptgrund für die Erstplatzierung gewesen sein.
Viola Rosa Semper aus Dänemark gewährt Einblick in ihre Circus-Chaos-Welt, in der fantasievolle Wortreigen, einzelne Buchstaben und surrende Alliterationen umeinander säuseln, voneinander wegfegen und sich genau damit stets anpeitschen. Die wunderbare Fantasiewelt, die nicht bis in die letzte Nervenfaser verstanden werden muss, um Begeisterung auszulösen und abstrakt-skurrile Bilder im Kopf entstehen zu lassen, wird zurecht ganz weit vorn prämiert: Platz zwei.
Auf dem dritten und vierten Platz folgen zwei Regensburgerinnen. Sarah Weber beschreibt in ihrer Kurzgeschichte das zufällige Zusammentreffen zwischen einer jungen Frau und einem alten Mann, in dessen Verlauf die anfängliche Distanz einem klaren Bedürfnis nach Austausch und regelmäßiger Wiederkehr weichen durfte. Annika Grittner lässt die Zuhörer am Reinigungsakt einer Zahnbürste teilnehmen: Die Beschreibung als wildes Auf und ab - von Essensresten aus der Vorwoche und krummen Zähnen in Buttermilchextrakt eingehüllt - sorgen für Lacher, aber auch für einiges Bauchweh im Publikum. Beides spricht für eine überzeugende Sprache.
Daniela Schaefer schafft es ebenfalls zurecht auf einen der dotierten Plätze - wenn auch ein davorliegender ihrer Leistung mehr entsprochen hätte. Die Euskirchnerin lädt die Zuhörer in ihrem actiongeladenen Mini-Krimi auf eine bemerkenswert wendungsreiche Hetzjagd ein, bei der die Hauptfigur mal von einem Alptraum erwacht, dann wieder im Leben träumt; mal als Opfer, dann wieder als Täter fungiert. Eine Geschichte, bei der man den Atem anhalten konnte und sich weitere Folgen gewünscht hätte.
Nach zweieinhalb Stunden und einer Beratungspause der Jurymitglieder stehen die fünf Sieger fest, die sich jeweils über einen Geldpreis - von 800 bis 100 Euro - freuen können. 2020 steht der nächste Wettbewerb an.













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