Regensburg
04.12.2018 - 16:47 Uhr

Die Straße kommt in die Galerie

Richard Ashcroft wird der "Urban Art" zugeschrieben. Aber der gebürtige Engländer mit Wohnsitz in Barcelona hat für sich eine geradezu salonfähige Auslegung dieser Gattung entdeckt

Bei Isabelle Lesmeister in Regensburg sind derzeit Arbeiten von Richard Ashcroft aus Barcelona zu sehen. Bild: Susanne Wolke
Bei Isabelle Lesmeister in Regensburg sind derzeit Arbeiten von Richard Ashcroft aus Barcelona zu sehen.

Was zur Folge hat, dass seine Arbeiten nicht an der Grenze zur Illegalität im städtischen Bereich prangen, sondern in schicken Galerien zum Verkauf ausgestellt sind. Derzeit ist dies die "Galerie Isabelle Lesmeister" in Regensburg. Die dortige Schau "I like the way you talk // Ashwan" hat Ashcroft mit Arbeiten ausgestattet, die nicht nur den hippen Titel "Urban Art" tragen dürfen, sondern auch, ganz im Geist der Zeit, ein "Upcycling" erfahren haben. Die Erhebung achtlos weggelegter Dinge zu schillernden Kunstwerken ist ein Hauptmerkmal des Künstlers.

Als Vorbild nennt er die Berliner Mauer: Menschen brachen Steine heraus und bewahrten sie als Schätze auf. Ashcroft selbst braucht gar nicht so weit zu gehen. Für seine von Graffiti gezeichneten Arbeiten hat er sich vom steinernen Bildträger verabschiedet. Er verwendet als Grundlage auf der Straße liegen gelassene Kartons. Die Details mit denen er diese versieht sind so vielschichtig wie die Substanz der Werke selbst.

Denn zunächst sind bei Richard Ashcroft alle Elemente in mehrere Schichten Kunstharz eingelegt. Auf dieses Weise konserviert er Kartonplatten, die einerseits mit Blattsilber, oxidiertem Kupfer und Gold veredelt sind. Hinzu kommen Wörter - Fragmente aus HipHop-Texten, Sprayer-Sprüche und auch die Graffiti-Signatur des Künstlers selbst. "Viele arbeiten momentan mit Kunstharz", verweist die Isabelle Lesmeister auf die aktuelle Kunstszene. "Aber die Werke Richard Ashcrofts haben ihren ganz eigenen Charme." Die Galeristin verweist auf den morbiden aber gleichzeitig edlen Charakter der herausgeputzten Kartonagen, der allerdings nicht von der glatten Künstlichkeit des Kunstharzes herrührt.

Zum bunten Pop gehört Richard Ashcroft keinesfalls. Die Wurzeln des 1971 in Liverpool Geborenen lassen sich nicht verleugnen. Und auch nicht, dass der vom HipHop geprägte Sohn dieser Industriestadt zudem eine jahrelange Karriere als DJ hinter sich hat. Als Künstler mit dem Pseudonym Ashwan vereint er materielle und geistige Fundstücke von der Straße und aus der Musik wie Fragmente seines eigenen Lebens. "Ashwan feiert die vergangene Ära des sogenannten Golden Age Hip-Hop mit Aufrichtigkeit und Nostalgie", heißt es zur Regensburger Ausstellung. "Ich gebe Dingen ein neues Leben", sagt Richard Ashcroft. Als Vertreter der "Urban Art" sieht er sich selbst nicht unbedingt. Schließlich gibt es hier einen Unterschied: Richard Ashcroft bringt die Kunst nicht auf die Straße, sondern die Straße in die Kunst. Und das ist eine salonfähige Lösung.

Info:

Die Ausstellung „I like the way you talk // Ashwan“ läuft bis zum 2. Februar 2019 in der Galerie Isabelle Lesmeister, Obermünsterstraße 6 in Regensburg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr sowie Samstag von 12 bis 16 Uhr. Infos unter Telefon 0163/6988682. (wsu)

 
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