Es ist ein freundlicher Löwe, der die Besucher im Foyer begrüßt: Die meterhohe Löwenfigur, die früher auf dem Oktoberfest brüllte, ist sozusagen in Rente gegangen und darf in Regensburg noch einen Nebenjob ausüben, meint Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, als er Journalisten durch das neue Museum führt. Das Foyer, der vergoldete Museumsladen, das Museums-Wirtshaus und der Panorama-Raum, der in Dauerschleife ein einführendes Video in die Ausstellung zeigt, werden künftig frei zugänglich sein. So bildet das Museum einen praktischen Durchgang von der Altstadt hin zum Donauufer und umgekehrt. Im Erdgeschoß bietet außerdem der Donausaal Platz für Veranstaltungen oder zeitlich begrenzte Ausstellungen.
Auf 40 Bühnen
Eintritt gezahlt werden muss erst, wenn es nach oben geht. Ganz gemächlich fährt die Rolltreppe in den ersten Stock. Dort beginnt die Dauerausstellung chronologisch mit der Gründung des Königreichs Bayern 1806. "100 Prozent der Exponate sind da", erklärt Loibl erleichtert. In den letzten Wochen vor der Museumseröffnung wurde die Zeit teils knapp. Loibl mahnt die Medienvertreter, vorsichtig durch die Ausstellung zu laufen. Es könnten noch Werkzeugkästen herumstehen. An der einen oder anderen Stelle wird gehämmert.
Bayern neige ja etwas zur Theatralik, meint Loibl. Das habe man in dem Museum aufgenommen, indem Exponat-Ensembles auf 40 Bühnen prägende Ereignisse und Erscheinungen in der bayerischen Geschichte erzählen. Da steht etwa ein verschnörkelter, goldener Prunkschlitten von Märchenkönig Ludwig II., der die Kunst mehr liebte als das Regieren. Die Überraschung: Eine Glühbirne sorgt in dem Schlitten für elektrisches Licht.
Alle Bayern-Klischees kommen in der Ausstellung vor: Bier, Oktoberfest, Schloss Neuschwanstein, Traktoren und Tracht. Dem Erfolg des FC Bayern ist ein eigener grasgrüner Fußball-Raum gewidmet. Die Sitzschalen darin kommen aus dem alten Regensburger Jahnstadion. Das Wirtschaftswunder wird symbolisiert durch eine Autoparade - vom Goggomobil bis zum Messerschmitt-Kabinenroller. Die Olympischen Spiele 1972 bekommen genauso eine Bühne wie die vielfältige Pflanzen- und Tierwelt Bayerns - ein Wolpertinger darf hier nicht fehlen.
Das Museum schafft aber auch die Balance zwischen den manchmal fast überzeichneten Errungenschaften Bayerns und den dunklen Kapiteln, allen voran der NS-Zeit. Hier sprechen die Exponate für sich. Zu sehen ist die Häftlingsjacke des französischen Kommunisten Auguste Pineau, der das KZ Dachau überlebte. Dessen Familie stellte die Jacke, auf der bis heute Blutspuren zu erkennen sind, zur Verfügung.
Bewegend ist auch die Geschichte des Niederbayern Simon Gammel, der im Ersten Weltkrieg überlebte, obwohl seine lederne Pickelhaube durchschossen wurde. Die Haube ist nun ein Ausstellungsstück. Loibl ist stolz auf die vielen "Bürgerobjekte", die den Weg ins Museum gefunden haben. Dazu gehören die Original-Transparente, die Oberpfälzer Bürger in den 80er Jahren im Kampf gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf beschrieben hatten. Auch das berühmte "Brett vorm Kopf", mit dem Rudolf Forster gegen die WAA demonstrierte, ist zu sehen.
Die WAA-Exponate stehen einem Ausstellungsteil gegenüber, den Loibl als "wohl umstrittensten Bereich" bezeichnet: Einer Bühne mit einer riesigen CSU-Aufschrift, einem Franz-Josef-Strauß-Video und einer Strauß-Büste. Die jahrzehntelange Alleinherrschaft der Partei, die sich am liebsten mit Bayern gleichsetze, werde hier thematisiert.
Bewusste Zurückhaltung
Als Besonderheit hebt der Museumsplaner hervor, dass alle Ausstellungsstücke auf einer 2500 Quadratmeter großen Ebene aufgebaut sind. Überhaupt handle es sich bei dem 88 Millionen Euro teuren Bau um eines der modernsten Museumshäuser Europas. Nicht ganz verstummt ist in Regensburg die Kritik an der äußeren Gestaltung des Museums.
Architekt Stefan Traxler nimmt bei dem Pressetermin dazu Stellung. Den einen sei das Haus nicht spektakulär genug, sagt er. Doch die Zurückhaltung sei gewollt. Man habe dem wichtigsten Gebäude der Stadt, dem Dom, nichts entgegenzusetzen. Andere Kritiker würden das Haus wiederum als Fremdkörper im Stadtbild empfinden: "Komplett wegducken wollen wir uns auch nicht". Letztlich folge die Form der Funktion - und die sei im Museum genau vorgegeben gewesen. Auch die Fassade aus grauen Keramikstäben verteidigt der Architekt. Sie solle durchlässig wirken und das Grau der gegenüberliegenden römischen Legionslagermauer aufgreifen.
Fest steht: Mit dem Museum ist eine neue Atmosphäre am Donaumarkt eingezogen. Wo früher Autos parkten, ist ein Ort zum Flanieren am Fluss entstanden. Das Museums-Wirtshaus hat auf dem Vorplatz Tische und Stühle aufgebaut, frisch gepflanzte Bäumchen sorgen fürs erste Grün. Und die anlegenden Donauschiffe bringen potenzielle Besucher auch auf dem Wasserweg in die Stadt.
Service
Das Museum der Bayerischen Geschichte (Donaumarkt 1) ist ab Mittwoch, 5. Juni, täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt vier Euro. Den kompletten Juni ist der Eintritt frei.

















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