Der Brite Kincade hat wohl nicht in jener Fabrik gearbeitet, deren Personal wie im Bergwerksstollen schuftet, um Unterhaltung zu produzieren. Schichtbeginn im Schacht der Fantasie. Die 80 Mitglieder der Traumfabrik haben ihre Karte wieder einmal so im Firmencomputer platziert, dass zwei sich im Gedächtnis eingrabende Stunden aufgezeichnet werden. Wie gewohnt, ist ihre Arbeit professionell und lenkt die Gedanken der 1800 Zuschauer im ausverkauften Regensburger Audimax in Bahnen, bei denen die Seele baumeln kann. Das will etwas heißen in diesem nüchternen Bunker, den Otto Waalkes schon mal treffend als "tollstes Betonbauwerk der Nation" bezeichnet hat.
Der Ausflug in eine Welt des Imaginären wird geführt von Männern und Frauen, die sich der Gaukelei und der Ästhetik gleichermaßen verschrieben haben. Keine Billigtour. Von der ersten Minute an so zusammengefügt, dass nach all den 35 Jahren noch immer die Frage auftaucht: Wie macht die Traumfabrik-Belegschaft das? Genau dies ist es, was Firmenchef Rainer Pawelke und sein Sohn Ingo als Aufgabe für Gäste der Company vorgegeben haben. Nämlich: Schaut hin und formt euch selbst einen Reim darauf, wenn unsere Bediensteten die Träume wie mit einem Schmetterlingsnetz einfangen.
Da ist dieser unglaublich vielseitige Vorarbeiter Georg Sosani. Er tritt als Dompteur einer von steilen alpinen Matterhorn-Gletschern zu Straußenvögeln mutierenden Silberfolien-Truppe auf. Er nähert sich in manchen Nummern dem Pantomimen Marcel Marceau und hängt mit klappernden Holzpantinen Wäsche auf, die sich zur Geisterstunde in den roten Kussmund der Zarah Leander verwandelt. Mit Menschen, die in der Dunkelheit nicht sichtbar werden und Strippen der Fantasie ziehen. Zum Finale tauchen sie mit weißen Flatterbändern in die Moldau ein. Im Einklang mit Smetanas furioser Kompositon.
Mag sein, dass mancher Traumfabrik-Besucher einzelne Nummern schon kennt. Nicht nachvollziehbar aber bleibt es allemal. Feuerfackeln wirbeln, zwei Männer und eine Frau schleudern scheinbar schwerelos vom Trampolin meterhoch hinauf in die Fenster eines stilisierten Gebäudes. Es bleibt spannend bis zum orkanartigen Schlussapplaus. Atemlos durch die Nacht.
Die Russin Eva Aibaz tritt auf und formt farbigen Sand zu Gemälden: Venedig und seine Rialtobrücke, der Pariser Eiffelturm und die New Yorker Freiheitsstatue. Ein Windhauch weht die farbigen Körnchen weg und macht "Lebe deinen Traum" daraus. Aber ja, wir sind gerade dabei, das zu tun. Weckt uns bitte nicht auf.
Träume sind erlaubt in einer Zeit, die sich draußen vor dem Haus mit der nüchternen Frage beschäftigt: Gibt es hier Parkplätze? Sie sind auch hoffend gestattet angesichts noch immer in dieser Fabrik wabernden Trockeneisnebels, der mitunter Sichtperspektiven zu einem Problem macht. Er trübt Blicke auf den sich furios im beleuchteten Rad drehenden Kanadier Hugo Noel. Doch weil er so wie Weihnachten heißt und nichts dafür kann, bleibt es bei der Anmerkung: Nebel hat Träume noch immer beeinflusst. Sie könnten die Erinnerung trüben.
Gelungener Tourstart in Regensburg. Mit einer neunmal dort von der Pawelke-Truppe gegebenen Show. In den nächsten Tagen und Wochen wird sie unterwegs sein in Bayern. Am Samstag, 5. Januar, um 20 Uhr, und am Sonntag, 6. Januar, um 14 und 18 Uhr im Amberger Congress-Centrum (ACC) sowie am Freitag, 8. Februar, um 20 Uhr und am Samstag, 9. Februar, um 16 und 20 Uhr in der Weidener Max-Reger-Halle. Karten dazu gibt es an den AZ- und NT-Ticketschaltern.















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