Eigentlich hätte die Vernissage zum 6. Kunst.Preis in den Räumen des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg stattfinden sollen. Diese einzigartige Ausstellung, die einem zweijährig stattfindenden Wettbewerb für Menschen mit geistiger Behinderung in Niederbayern und der Oberpfalz zu verdanken ist, hat sich ihren Platz in der etablierten Kunstszene erobert. Die Katholische Jugendfürsorge Regensburg der Diözese Regensburg und der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg luden als Veranstalter trotzdem zur Eröffnung der Ausstellung ein - online!
Alleine die Titel mancher Werke wie "Mein Traum vom fliegenden Spiegelei" deuten an, dass der Preis in ganz besondere Welten entführt: "Der Lichtschrankenkartenautomat" stellt sich als dreidimensionales Konstrukt vor. Angela Merkel oder Manuel Neuer dürfen sich glücklich schätzen, wurden sie doch mit je einem eigenen Kunstwerk bedacht. Über "Die fliegende Werkzeugmaschine mit Versteck" oder die "Hochzeit mit Manitou Esma Jesus Bernhard und Sonnenuntergang" sei hier nicht mehr verraten, will es doch selbst entdeckt werden.
Insgesamt haben dieses Mal 165 Künstler 575 Arbeiten eingereicht. 86 von ihnen sind mit 133 Werken aus Malerei, Skulptur, Grafik, Plastik, Objekt und Fotografie in der Ausstellung vertreten. Die Jury hatte keine leichte Aufgabe, aus all diesen beeindruckenden Arbeiten die drei Preisträger zu ermitteln. Über den 1. Preis darf sich Ardijan Gash freuen. Der Künstler, der kaum spricht, malt für sein Leben gerne. "Stunde um Stunde arbeitet er an seinen Bildern, nur durch die Pausen und das Arbeitsende am Abend unterbrochen."
Mit dem 2. Preis wurde Christina Kerscher ausgezeichnet. Die Künstlerin besucht regelmäßig das Atelier Kunst inklusiv in Regensburg und experimentiert künstlerisch in alle Richtungen - mit großem Erfolg. Niels Raith, der am liebsten malt, was ihm gerade in den Sinn kommt, darf sich über den 3. Preis freuen. Seine Bilder strahlen und zeugen von seiner positiven Welteinstellung und seinem Humor.
Dass die Auszeichnung nicht wie gewohnt mit einer Vernissage gemeinsam gefeiert werden kann, ist schwer genug. Was jedoch dieses Mal am meisten schmerzt, betonte Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge, ist der Verlust von Alfred Böschl: "Wenige Tage nach unserer gemeinsamen Arbeit in der Jury haben wir einen ganz besonderen Menschen, eine Persönlichkeit verloren. Was für ein Bildhauer, einfühlsamer Künstler und Organisator er war! Alfred Böschl wollte die Outsider-Kunst mit uns in die Mitte der Gesellschaft bringen, sie öffentlich zugänglich machen. Der Kunst- und Gewerbeverein sowie die Katholische Jugendfürsorge haben deshalb den Kunst.Preis 2020 ausdrücklich Alfred Böschl, der ihn noch mit auf den Weg bringen konnte, gewidmet.














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