Regensburg
05.06.2022 - 23:01 Uhr

Bei Traumwetter, aber anders als zuvor: Die Wallfahrer pilgerten wieder nach Altötting

Nach zwei Jahren Corona-Pause fand die Wallfahrt von Regensburg nach Altötting wieder statt - und das bei Top-Wetter. Doch es gab auch Anlaufschwierigkeiten, denn Pilgerführer Bernhard Meiler gingen fast die Herbergen aus.

Mit guter Laune und bei bestem Wetter: Die Pilgerinnen und Pilger gingen heuer wieder nach Altötting. Bild: Sebastian Böhm
Mit guter Laune und bei bestem Wetter: Die Pilgerinnen und Pilger gingen heuer wieder nach Altötting.

Tausende Pilgerinnen und Pilger sitzen normalerweise auf den Stufen, pressen sich in die Seitenflügel oder lehnen an der Wand. Vom heiligen Kirchenboden ist sowieso nichts mehr zu erkennen. Auch der kleinste Fleckchen Platz in der Altöttinger Basilika St. Anna ist an einem Pfingstsamstag kostbar. So war es auch bei der letzten Fußwallfahrt von Regensburg nach Altötting im Jahr 2019. Doch dann kam Corona und jetzt ist vieles anders.

Rund 1200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer pilgerten heuer nach zwei Jahren der Corona-Zwangspause am Donnerstag vor Pfingsten wieder in Regensburg los. Normalerweise sind es hier schon über 3000. An der St.-Albertus-Magnus-Kirche war die Vorfreude deutlich zu spüren - und auch zu hören: Sätze wie "Endlich geht es wieder los" und "Oh, du bist auch wieder dabei, schön" schnappte ein aufmerksamer Zuhörer quasi sekündlich auf. Der Pilgerzug machte sich auf den Weg - bei bestem Wetter. Wie immer lagen 111 Kilometer zwischen den Gläubigen und der schwarzen Madonna von Altötting. Auch die Rastorte waren die gleichen wie die Jahre zuvor.

Was hingegen neu war: Eine Anmeldung mit der Angabe der Herbergen war an den ersten beiden Tagen für alle Pflicht - denn nur so konnten die Verantwortlichen sicher gehen, dass eine Nachverfolgung bei einem möglichen Corona-Ausbruch garantiert werden kann.

"Hunderte Telefonate geführt"

Lange nicht garantieren konnte hingegen Pilgerführer Bernhard Meiler, ob auch wirklich jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer überhaupt ein Quartier für die Übernachtung bekommt. "Ich habe in den letzten Wochen und Monaten Hunderte Telefonate geführt", erklärt der Pilgerführer aus Oberwildenau (Landkreis Neustadt an der Waldnaab).

Er habe es in diesem Jahr zwar noch geschafft. "Aber wären wir 3000 Pilger gewesen, wäre es schon knapp geworden. Und wir waren in diesem Jahr für unsere Verhältnisse ja eine sehr kleine Pilgergruppe", erklärt er. Zur Erinnerung: Normalerweise nehmen am Ende rund 8000 Menschen an der Regensburger Diözesanwallfahrt teil.

Die erste Rast ist in Mangolding eingeplant. Die Pilgerinnen und Pilger haben zu diesem Zeitpunkt schon 14 Kilometer in den Beinen. Normalerweise wird der Weg zu den Getränken und Speisen für längere Zeit von den Massen versperrt. Anstehen ist angesagt. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Es sind handgestoppte zwei Minuten zu den Knackern mit Semmel oder einfach nur einer Breze mit Salz.

Nach der für viele treuen Wallfahrer überraschend schnellen Stärkung geht es weiter. Über Sünching, Geiselhöring und Martinsbuch führt der Pilgerweg nach Mengkofen, dem Zielort des ersten Tages. Die Pilgerinnen und Pilger suchen nun ihre Quartiere auf. Nur die wenigsten nutzen hierfür Hotels oder Pensionen. Nein, die meisten kommen privat unter. Rund um die zwei Tageszielorte Mengkofen und Massing ist es Tradition, dass Familien die Türen zu ihren Wohnungen und Häusern öffnen. Jeder nimmt so viele Menschen auf, wie er will oder eben kann. Es gibt Herbergsfamilien, die gut und gerne 20 Menschen eine Bleibe geben. In diesem Jahr war es anders.

Der zweite Tag beginnt für viele Pilger schon um 3 Uhr, der Rest kommt dann in der Früh in Dingolfing dazu. Die erste gemeinsame Rast gibt es dann in Frontenhausen. Die Feuerwehrwache ist hier üblicherweise Anlaufstelle Nummer eins der Durstigen und Hungrigen. Doch einen Sitzplatz suchen die Teilnehmer hier meist vergeblich. In diesem Jahr waren 20 Minuten vor Abmarsch noch exakt 12 Biertische frei.

Mit Badeschlappen nach Altötting

Nach Frontenhausen geht es durch ein längeres Tal. Die Gläubigen schützen sich mit Regenschirmen gegen die Sonnenstrahlen. Es hat bis zu 30 Grad, es weht aber ein leichter Wind - perfekte Bedingungen. Die ersten Teilnehmer sind auch schon mit Badeschlappen unterwegs, wohl aber nicht durch das Sommerwetter motiviert. Es machen sich im Zug nämlich die ersten Blasen und Blessuren bemerkbar. Über Seemannshausen und Gangkofen ziehen inzwischen rund 1600 Pilgerinnen und Pilger in Massing ein - dem zweiten Tagesziel.

Es heißt also wieder: Ab in die Quartiere. Für viele Anwohner ist es immer noch eine Selbstverständlichkeit die Wallfahrer aufzunehmen. Doch es werden weniger. Gründe dafür gibt es viele. "In den letzten zwei Jahren sind zum einen natürlich auch Menschen verstorben, die Pilger aufgenommen haben", sagt Bernhard Meiler. Zum anderen hätten viele sicher noch Bedenken, in der Pandemie Menschen zu sich einzuladen. Außerdem: Es kommen nicht mehr genügend neue Quartiergeber aus den jüngeren Generationen nach.

"Ich hoffe, dass im nächsten Jahr wieder mehr Menschen bereit dazu sind, ein Quartier zu stellen. Wir wären ihnen sehr dankbar", sagt Meiler. Und dennoch überlegt er als Pilgerchef schon einmal sicherheitshalber, die Anmeldungen auch im nächsten Jahr beizubehalten - um bei den Herbergen besser planen zu können.

Besondere Ausgabe der Wallfahrt

Tag drei beginnt mit einer Lichterprozession mitten in der Nacht. Es sind nun noch 23 Kilometer bis nach Altötting. Der Badeschlappen-Anteil im Pilgerzug wird höher. Doch jetzt will keiner mehr aufgeben. Die Stimmung unter den Teilnehmern ist entspannt. Die Menschen genießen diese besondere Ausgabe der größten Fußwallfahrt Deutschlands.

In Altötting ziehen schließlich statt der sonst über 8000 Menschen heuer nur rund 2000 ein. Den großen Gottesdienst in der St-Anna-Basilika leitet eigentlich traditionell der Bischof. Doch Rudolf Voderholzer sagt in diesem Jahr ab. Nach einer Corona-Erkrankung muss er sich noch schonen. Nicht nur dieses Beispiel zeigt: Das Virus hat bei der Wallfahrt seine Spuren hinterlassen. Es war alles anders.

Bildergalerie
Weiden in der Oberpfalz04.06.2022

Die Strecke von Regensburg nach Altötting

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