Das Festival im Hof des Thon-Dittmer-Palais stand heuer lange auf der Kippe. Als die Corona-Bestimmungen es erlaubten, gelang sogar eine Verlängerung im Vorfeld. Zu den Bands, die zunächst gar nicht auf dem Plan standen und nun sozusagen im "Vorprogramm" auftraten, zählt die Formation um den Sänger und Philosophen Sebastian Horn: „Dreiviertelblut“ mit „folklorefreier Volksmusik“ aus Bayern, wie sie ihr Genre selbst nennen.
Die stark dezimierten Plätze sind voll an einem lauen Sommerabend, der eigentlich dazu einlädt, die schönen Zeiten des Lebens in vollen Zügen zu genießen. Erstaunlich ist es deshalb schon, dass sich das Publikum für gut zwei Stunden an den Rand einer selbst erwählten Depression begibt. Die Lieder, die es zu hören bekommt, fokussieren sich eher auf den Ernst des Lebens und persönliche Schicksale. Sie strahlen wenig Freude aus. Nicht umsonst nennt sich eine der CDs der Gruppe ja „Finsterlieder“. Bevorzugt geht es tiefgründig und manchmal auch ein bisschen entrückt um den Tod und die Vergänglichkeit in verschiedenen Facetten. Dazu nimmt sich die Sieben-Mann-Band auch eine Anleihe des österreichischen Liedermachers Ludwig Hirsch: „I lieg am Ruckn“. Mit seiner sonoren Stimme bringt Sebastian Horn das Lied so rüber, dass sicher auch der Urheber seine wahre Freude daran gehabt hätte.
Zum Programm des Palazzo-Festivals
Stichwort Freude: Die textliche Tristesse bekommt aber auch Contra. Durch ausdrucksstarken Sound von Gitarren, Bassklarinette, Kontrabass, Trompete und Percussions, dargeboten von wahren Meistern ihres Faches, wird Licht im psychisch dunklen Tunnel erzeugt. Elemente von Blues, Jazz und Rock dominieren da und erzeugen einen Hauch von Beschwingtheit, der sich zum Ende hin sogar noch verstärkt und auswächst zu einem Sound, der die Zuhörer doch vom Hocker reißt und tatsächlich aufspringen lässt. Der „Deifetanz“ führt zum Schluss ins „Paradies“ und entlässt die Zuhörerschaft mit dem gewonnenen Eindruck, ein Gefühlschaos mit perfekten musikalischen Zutaten durchlaufen zu haben.















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