11.06.2018 - 14:39 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Über Stock und Stein in künstlerischer Mission

Susanne Neumann stellt in der Regensburger Sigismundkapelle die Alpen als Grenze in Frage

Susanne Neumann wagt mit ihrer Installation in der Sigismundkapelle in Regensburg einen persönlichen Blick über die Alpen.
von Susanne WolkeProfil

Regensburg.Susanne Neumann hat zwei Lebensmittelpunkte: Waldsassen und Wien. Und sie kokettiert mit einer gewissen Rustikalität. Naturverbundenheit und archaische Relikte verbindet die Künstlerin zu Arbeiten mit philosophischem Hintergrund. Dass Susanne Neumann zudem Atelierassistentin Daniel Spoerris ist, fügt sich ganz logisch in den Stil dieser Künstlerin, deren Arbeiten mitunter den Charakter eines morbiden Wimmelwerkes haben.

"archivistin - autonautin - artistin - alpin" - das Markenzeichen Susanne Neumanns ist gleichsam Titel ihrer aktuellen Ausstellung in der Sigismundkapelle Regensburg. Dort werden gemäß dem Jahresthema derzeit "Grenzen" untersucht. Und das ist ein gefundenes Thema für eine "Artistin", die mit dem Auto unentwegt unterwegs ist über die Alpen - Italien ist ein dritter Wohnsitz Susanne Neumanns, die in Florenz Malerei studiert hat - und hier wie dort permanent Fundstücke archiviert.

"Artistin" - die ans englische angelehnte Bezeichnung für Künstlerin passt nicht nur alliterarisch in die Aufzählung der Eigenschaften Susanne Neumanns. Virtuos jongliert die Künstlerin mit allem, was ihr so in die Hände fällt, wenn sie in Waldsassen im Schuppen ihrer Großeltern stöbert oder in Florenz abgerissene Autospiegel aufsammelt.

Die Grenzthematik in der Sigismundkapelle behandelt die Künstlerin auf sehr persönliche Weise. Im Zentrum stehen bei ihr die Alpen. Dies ist wörtlich zu nehmen: Ein dominanter Paravent mit aufgemaltem Bergmassiv teilt den Ausstellungsraum in zwei Bereiche.

Die Installationen, die sich rings um die winterliche Nord- und die sommerliche Südseite des mehrteiligen Bergbildes reihen, unterstreichen die Überzeugung Susanne Neumanns: "So unähnlich sind sich die beiden Kulturen nicht." Die Künstlerin geht sogar noch einen Schritt weiter. Für sie spiegeln sich Bayern und Italien an den Alpen.

In der Tat ist auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden, aus welcher Region die Gegenstände nun stammen, die Susanne Neumann im "Ötzimobil" und anderen Objekten zusammengewürfelt hat.

Vieles hat hier einen geschichtlichen Hintergrund. "Über Stock und Stein" etwa vereint etliches, was von jeher über die Alpen transportiert wurden - Salz, Glas, Wein und Menschen. Der "Moosstuhl" hingegen ist ein Fundstück aus einem Waldstück nahe Waldsassen. Dabei korrespondiert der grün überwucherte Autositz wiederum mit Susanne Neumanns kleinformatigen Bildern von Autobahnen. Und auch mit der stolzen Sammlung von insgesamt 90 Autospiegeln, die die Künstlerin über zwölf Jahre hinweg an einem zeitsparenden, aber recht engen Schleichweg in Florenz eingesammelt hat.

Dass diese Arbeit stereotypisierende Vorstellungen italienischer Fahrgewohnheiten erwecken könnte ist vielleicht nicht im Sinne der Installation. Schließlich zielt das Thema "Grenzen" in der Sigismundkapelle wohl eher darauf ab, diese abzubauen, als im Kopfe entstehen zu lassen.

Das ist in diesem Falle aber auch gelungen. Denn wer die Ausstellung Susanne Neumanns sieht, würde sich am liebsten gleich aufmachen auf der Autobahn in Richtung Alpen und darüber hinweg. Allen anderen bietet die Schau mit bemoostem Autositz, abgezogenem Fuchspelz und grandiosem, wenn auch nur gemaltem Bergblick eine Sommerfrische der besonderen Art.

Info:

Die Ausstellung „Susanne Neumann. archivistin – autonautin – artistin – alpin“ läuft bis zum 15. Juni in der Sigismunkapelle im Thon-Dittmer-Palais in Regensburg. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag von 17 bis 19 Uhr, Samstag von 11 bis 16 Uhr.

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