30.09.2020 - 18:14 Uhr
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Ute Freihart beleuchtet den Oberpfälzer Dialekt: "Bellen tun sie ja überall"

„Des konnst deim Bou veazöhln“ hat sich Ute Freihart gedacht und daraus ein Büchlein gemacht. Es trägt den Untertitel „Oberpfälzisch für Anfänger“ und nimmt die Leser mit auf eine Reise zu kernigem Dialekt.

"Des konnst deim Bou veazöhln. Oberpfälzisch für Anfänger" ist im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz (ISBN: 978-3-95587-078-2) erschienen und kostet 12,90 Euro.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Der Oberpfälzer Dialekt ist gewöhnungsbedürftig, sagen Außenstehende. Einheimische finden ihn einfach schön. Die in der Oberpfalz aufgewachsene Autorin versucht über Grammatik, Aussprache bis hin zu besonderen Redewendungen diesen herrlich herrlich wundersamen Dialekt zu erklären, veranschaulicht durch lustige Illustrationen. "Für alle Oberpfälzer ein Leseschmankerl, für alle "Zougroasten" die Rettung!", mein der Verlag. Die Kulturredaktion hat sich mit der Autorin, die Design an der TH Nürnbergstudiert, über das oberpfälzische und seine Eigenheiten unterhalten.

ONETZ: Frau Freihart, was bedeutet der Oberpfälzer Dialekt für Sie persönlich?

Ute Freihart: Ich persönlich verbinde mit dem Oberpfälzischen Heimat und meine Kindheit. Aufgewachsen bin ich in einem Dorf bei Hemau, dort wurde immer Dialekt gesprochen. Als ich für mein Studium wegzog, bin ich nur noch wenig mit Mundart in Kontakt gekommen, weil fast ausschließlich Hochdeutsch gesprochen wird. Was schade ist, weil somit auch oft der individuelle Charme einer Region verloren geht.

ONETZ: Ihr Buch ist in fünf „Lektionen“ unterteilt – von den Personalpronomen bis hin zum Fluchen und Schimpfen. Welches ist die wichtigste Lerneinheit für Anfänger?

Ute Freihart: Ich würde sagen, dass gleich die erste Lektion über die Aussprache sehr wichtig ist. Hier bekommt man erst einmal ein Gefühl für den Klang und die Laute der Oberpfälzer. Aber wenn man bei einem Besuch in der Oberpfalz nicht verhungern oder verdursten will, dann steht natürlich Kapitel „Die Getränke und das Essen“ an oberster Priorität.

ONETZ: Sie sind studierte Designerin, in ihrem Buch veranschaulichen Sie den Dialekt mit zahlreichen witzigen Illustrationen. Was war zuerst da: Die Bilder oder die Wörter?

Ute Freihart: Die allererste Illustration war die Kuh, die über der Scheune schwebt, eigentlich nur eine Kritzelei so nebenbei. Ein Freund fragte mich dann wieso das Tier „iwa“ dem Stall fliegt. Ich kannte zwar das Wort „iwa“, hatte es in meinem Sprachgebrauch aber nie verwendet. So haben wir lange diskutiert wie wir zu bestimmten Wörtern sagen. Das war dann auch der Anreiz, dass ich über den Oberpfälzer Dialekt meine Bachelorarbeit schrieb. Der Rest der Illustrationen und Wörter entstand dann Hand in Hand.

ONETZ: Wie schwierig ist es denn, „das Oberpfälzisch“ ins geschriebene Wort zu packen? Der an Oberfranken angrenzende Nordoberpfälzer spricht ja anders als der an Niederbayern angrenzende Südoberpfälzer. Vom ganz eigenen Wortschatz der Regensburger mag ich gar nicht erst reden…

Ute Freihart: Das Oberpfälzische niederzuschreiben fiel mir richtig schwer. Es gibt ja keine Rechtschreibregeln, wonach man sich richten kann, wie beispielsweise im Hochdeutschen. Deswegen musste ich mir sozusagen meine eigenen Regeln überlegen, nach denen ich mich richten konnte. Und wie Sie richtig sagen: Je nach Region und Ortschaft unterscheidet sich der Dialekt sehr, was es zusätzlich komplizierter machte. Die Oberpfälzer haben ja manchmal selbst Probleme sich untereinander zu verstehen, aber bellen tun sie ja überall.

ONETZ: Was haben Sie während der Arbeit am Buch selbst über den Oberpfälzer Dialekt dazugelernt?

Ute Freihart: Dadurch, dass ich mich ein halbes Jahr intensiv mit dem Oberpfälzer Dialekt auseinandergesetzt habe, konnte ich natürlich einiges dazu lernen, vor allem neue Wörter. Mir wurde aber auch offenbart, dass ich so manche Begriffe bislang falsch ausgesprochen habe. Eines dieser Wörter war „Gspusi“, das man hier und wahrscheinlich in ganz Bayern gerne verwendet. Es war für mich ein Ausdruck, den ich schon so oft und lange in meinem Sprachgebrauch verwendet, aber ständig falsch ausgesprochen habe und dann aus allen Wolken fiel, als ich das korrekte Wort hörte. Witziger Weise war ich nicht die Einzige in meinem Freundeskreis, die es die ganze Zeit falsch gesagt hatte. Ich dachte, dass es „Gschmusi“ heißt und sich von dem Wort „schmusen“ ableitet. Bei meiner Recherche habe ich dann herausgefunden, dass es von dem italienischen Wort „sposa/sposo“ kommt, was Braut bzw. Bräutigam heißt.

Ute Freihart hat sich in ihrem Buch mit dem Oberpfälzer Dialekt beschäftigt.
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