09.10.2019 - 19:34 Uhr
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VBM-Tarifkongress: „So kann es nicht weitergehen“

2020 steht eine neue Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie an. Die Arbeitgeber wollen weniger Zugeständnisse machen als in den vergangenen Jahren.

Beim VBM-Tarifkongress sprachen (von links) Wirtschaftsforscher Professor Michael Grömling sowie die Arbeitgebervertreter Christof Prechtl und Stefan Klumpp.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die vergangenen zehn Jahre liefen glänzend für die bayerische Metall- und Elektroindustrie. Nun trübt sich die Stimmung ein und die Arbeitgeber mahnen: Lohnerhöhungen auf dem Niveau der vergangenen Jahre könne es bei der Tarifrunde 2020 nicht geben.„Wir können nur das verteilen, was wir erwirtschaften“, sagte Stefan Klumpp am Mittwoch beim Tarifkongress des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM) in Regensburg. Die nächste Tarifrunde müsse angesichts der sich verschlechternden konjunkturellen Lage deutlich moderater ablaufen, forderte der Vorstandsvorsitzende der VBM-Region Oberpfalz-Nord. Gerade das 2018 ausgehandelte tarifliche Zusatzgeld sei vielen Arbeitgebern übel aufgestoßen. Während Unternehmen solche Leistungen in den vergangenen Jahren durch Wachstum kompensiert hätten, sei das im jetzigen Umfeld nicht mehr möglich. Klumpp warnte davor, dass Verlagerungsprozesse angestoßen werden können, wenn den Unternehmen die Kosten hierzulande zu hoch werden.

Die Gewerkschaften sollten den Bogen nicht überspannen, sagte Klumpp, der als Geschäftsführer die Hamm AG in Tirschenreuth, einen Walzenhersteller, leitet. Nicht äußern wollte er sich zu der geplanten Schließung des Continental-Werks in Roding. Angesichts der wirtschaftlichen Eintrübung und der Probleme in der für Ostbayern so wichtigen Automobilbranche ist Klumpp sich aber sicher: „Die schlechten Nachrichten aus Roding werden kein Einzelfall bleiben.“

Christoph Prechtl, stellvertretender VBM-Hauptgeschäftsführer, rechnete vor, dass die Löhne in der Metall- und Elektronindustrie seit 2009 um insgesamt über 30 Prozent gestiegen sind. „Das kann nicht so weiter gehen.“ Wenn die Gewerkschaften wollen, dass die Unternehmen in der Tarifbindung bleiben, müssten sie mehr Flexibilität zulassen, forderte Prechtl.

Wie es zur aktuellen Eintrübung gekommen ist, versuchte Professor Michael Grömling, zu erklären. Die harten Fakten würden nämlich nicht unbedingt darauf hindeuten, sagte der Leiter der Forschungsgruppe Konjunktur am Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Der Wechselkurs für die Eurozone und die Ölpreise seien eher günstig. Grömling sprach von einer Gemengelage unterschiedlicher Faktoren. Vor allem herrsche eine große Verunsicherung.

Das habe etwa mit dem Protektionismus der USA, dem drohenden ungeordneten Brexit und Verwerfungen in für den Export wichtigen Schwellenländern zu tun. Es sei ein „geopolitisches Desaster“, dass das Verhältnis von wichtigen Weltmächten angespannt bis krisenhaft ist, sagte Grömling. Die deutschen Firmen beschäftigten aber auch Probleme vor Ort: der Fachkräftemangel, die Verteilungsfrage oder die Inlandsnachfrage. Ostbayern sei zusätzlich durch die Krise der Automobilbranche belastet.

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