06.02.2019 - 16:59 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Die verlorenen Ideen des Kommunismus

Uraufführung des Dokumentarfilms "Finis Terrae" von Konstantin Ferstl und der Filmmusik von Christoph Zirngibl am Theater Regensburg

Es sind die skurrilen und absurden Bilder, wie hier der Massentanz von Pärchen in Nordkorea, welche Ferstls Dokumentarfilm Ausdruckskraft verleihen.
von Stefan RimekProfil

In unserer gegenwärtigen, marktkonformen Demokratie einen Film über die verlorenen Ideen des Kommunismus zu drehen, stößt nicht überall auf uneingeschränkte Gegenliebe. Zu jung sind die Erinnerungen von den mehr oder weniger diktatorisch ausgeprägten Systemen im Osteuropa des 20. Jahrhunderts. Dass so ein Projekt dennoch auf berührende Art gelingen kann, zeigt der Dokumentarfilm "Finis Terrae" von Konstantin Ferstl, der am Theater Regensburg bei einem Filmkonzert zur Uraufführung kam.

Ferstl geht das Thema nicht durch eine ideologisch gefärbte rosa Brille an, sondern widmet sich den verlorenen oder noch existierenden Spuren und Ausprägungen der Idee Kommunismus auf eine ebenso journalistisch-analytische wie unterhaltsame und persönliche Weise. Dazu trat der in Eichstätt geborene Filmemacher eine Weltreise an, die bei seiner verstorbenen Großmutter anfängt und über einen Besuch bei dem in Paris lebenden Philosophen Alain Badiou bis nach Russland, China, Nordkorea und Lateinamerika reicht.

Der mit Sätzen wie "Als meine Großmutter starb, starb mit ihr das 20. Jahrhundert" oder "Pjöngjang hat die Zeit überwunden, indem es seinen Austritt aus der Geschichte erklärt hat" ausgestattete, von Ferstl selbst geschriebene und gesprochene Kommentartext erreicht poetisch-philosophische Qualitäten. Die Bilder, die Ferstl und sein Kameramann Stephan Bookas zeigen, weisen oft eine berührende Ausdrucksstärke auf, auch gerade weil sie die skurrilsten und absurdesten Situationen - wie beispielsweise einen Massentanz von Pärchen vor den Baudenkmälern des nordkoreanischen Diktaturregimes - einfangen. Interessant ist auch Ferstls Vergleich zwischen dem Ende der Monarchien in Europa nach dem Ersten Weltkrieg und dem wahrscheinlich bevorstehenden Ende des kommunistisch geprägten Systems auf Kuba. Manchmal allerdings wirken die Bilder mit großen Gefühlen und Pathos etwas überladen. Das liegt zum Teil auch daran, dass der gebürtige Regensburger Komponist Christoph Zirngibl den Film an diesen Stellen besonders schmachtend und hollywoodartig orchestral begleitet. Ansonsten ist seine Filmmusik, die ebenfalls zur Uraufführung kam, treffend mit dem Film verwoben und unterstützt mit Elementen, die von der modernen Klassik, über revueartige Klänge bis zum Pop reichen, gestaltend die Szenerie auf der Leinwand.

Ein großes Kompliment muss man dem live agierenden Orchester unter der Leitung Tom Woods und dem von Matthias Schlier hervorragend einstudierten, aus dem Off agierenden Cantemus Chor machen. Der anhaltende Applaus im gut besetzten Theater am Bismarckplatz, war für diese ungewöhnliche Produktion durchaus gerechtfertigt. Am 10 März wird es eine Zusatzvorstellung geben.

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