13.07.2018 - 17:45 Uhr
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Viel Haut im Klassenzimmer

Wie sexy darf Schulkleidung sein? Über diese Frage wird diskutiert, seit bekannt wurde, dass an einer Mittelschule übergroße T-Shirts an zu freizügig gekleidete Schüler verteilt werden. Was sagen Schulleiter in der Oberpfalz dazu?

Hot Pants gehören zum gewohnten Bild auf Schulhöfen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Eigentlich recht ansprechend schauen die XXL-T-Shirts aus, die sich Schüler der Mittelschule Osterhofen (Kreis Deggendorf) überziehen sollen, wenn sie zu knapp bekleidet zum Unterricht erscheinen. "I love Mittelschule Osterhofen", steht darauf, mit einem großen roten Herzen in der Mitte. Doch die Schule musste jüngst heftige Kritik für ihre Kleidervorschriften einstecken.

Der Landeselternverband der Bayerischen Realschulen etwa sieht in dem Vorgehen, "den Schülerinnen einfach ein XXL-T-Shirt aufzuzwängen, einen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht". Der Elternbeirat und das Schulforum müssten bei solchen Sanktionen unbedingt mit einbezogen werden. Die Mittelschule Osterhofen wehrt sich auf ihrer Homepage gegen die Vorwürfe. Die T-Shirts seien in drei Jahren nur zwei Mal zum Einsatz gekommen. Die Betroffenen hätten sich nicht an den Pranger gestellt gefühlt - sondern die T-Shirts sogar so gut gefunden, dass sie ihnen letztlich geschenkt wurden.

"Straf-Shirts" oder ähnliches gibt es im Max-Reger-Gymnasium in Amberg nicht. "Das wäre nicht Stil unseres Hauses", sagt Schulleiter Wolfgang Wolters. Ihm seien kaum Fälle bekannt, in denen Schüler die Grenze des guten Geschmacks überschritten haben. Einmal habe eine Oberstufenkoordinatorin eine Schülerin gebeten, "ein bisschen weniger zu zeigen". Damit habe sich der Fall erledigt. Auch Sigrid Bloch, Schulleiterin des Kepler-Gymnasiums in Weiden, hat keine Shirts zum Überziehen parat liegen. Beschwerden von Lehrkräften über zu freizügige Schülerkleidung kennt sie nicht. Wenn jemand völlig unangemessen gekleidet wäre, würde sie allerdings zunächst das persönliche Gespräch mit den Eltern suchen.

Keine Verbote

An den heißen Tagen der vergangenen Zeit seien die Schüler durchaus in knappen Hosen im Unterricht erschienen, berichtet Wolfgang Pfeifer, Schulleiter der Walter-Höllerer-Realschule in Sulzbach-Rosenberg. Dabei habe es sich aber um dieselbe Kleidung gehandelt, die die Jugendlichen auch in ihrer Freizeit tragen. Konsequenzen oder Verbote habe es nicht gegeben. In der Vergangenheit habe es Erwägungen gegeben, Kleidung zum Überziehen einzuführen für Schüler, die zu freizügig gekleidet sind. Man habe sich letztlich dagegen entschieden, auch weil man die Schüler nicht zwingen wollte. Ein Fall, der schon Jahre zurückliegt, fällt Pfeifer ein, in dem die Eltern kontaktiert wurden, weil ihr Kind nicht angemessen gekleidet war. Damit sei das Problem gelöst gewesen.

Wilhelm Trisl, Rektor der Johann-Andreas-Schmeller-Mittelschule in Tirschenreuth, winkt bei dem Thema ab. "Da gibt es andere Probleme." Falls die Kleidung zu freizügig sein sollte, würden die Schüler darauf hingewiesen. Gegebenenfalls müssten sie dann eine Jacke überziehen. Grundsätzlich gelte aber: "Die Eltern sind bei uns noch dahinter, dass sie das Kind so in die Schule schicken, dass es anschaubar ist."

Lehrer als Vorbilder

Bei Ursula Schroll, Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV), schlägt das Thema immer mal wieder in kleinerem Umfang auf. Große Verbote, was die Kleidung angeht, sind ihr an Oberpfälzer Schulen nicht bekannt. "Aber natürlich hat man ein Auge drauf, was die Schüler tragen." Auch die Lehrer müssten als Vorbilder Wert auf ein gepflegtes Äußeres legen, findet Schroll. Auf ausgefranste, löchrige Hosen oder alte Schlabbershirts sollten sie verzichten.

Sie selbst habe einmal ein Mädchen, das ein bauchfreies Shirt mit tiefem Ausschnitt und extrem kurze Hotpants trug, nach Hause geschickt, damit es sich umzieht, erzählt Schroll. Das sei aber eine Ausnahme gewesen. Gerade in der Pubertät würden Modetrends eine große Rolle bei den Jugendlichen spielen. Wenn es zu offenherzig wird, reiche ein dezenter Hinweis einer Lehrkraft aber normalerweise aus.

Etwas heikel scheint die Frage nach dem Umgang mit freizügiger Schülerkleidung aber doch zu sein: Nicht alle angefragten Schulleiter wollten sich dazu äußern.

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