01.07.2020 - 15:09 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Viel Neues zum Einjährigen

Sportstars, Dialekttest und eine überarbeitete Wackersdorf-Bühne: Das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg lockt die Besucher ein Jahr nach der Eröffnung mit frischen Ideen.

Neuigkeiten im Bayern-Museum stellten (von rechts) Direktor Richard Loibl, Minister Bernd Sibler und Ex-Eishockeyspieler Alois Schloder vor.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil
Die Wackersdorf-Bühne im Museum wurde um eine großformatige Fotografie von Demonstranten erweitert.

Zum einjährigen Bestehen des Museums der Bayerischen Geschichte löst Direktor Richard Loibl ein Versprechen ein: Bei der Museumseröffnung hatte er erklärt, dass sich die Dauerausstellung jedes Jahr weiterentwickelt wird. Nun kommt unter anderem ein Film mit bayerischen Wintersportstars dazu.

Die ehemaligen Skirennläufer Rosi Mittermaier und Christian Neureuther sowie Eishockey-Legende Alois Schloder erzählen in dem Film die Geschichte des Wintersports in Bayern. Schloder kam am Dienstagnachmittag selbst ins Museum und schwärmte von den Olympischen Spielen 1976: Völlig unerwartet wurde sein Team Dritter – „in der Kabine herrschte völliges Tohuwabohu“, erinnert er sich. Schloder brachte gleich noch eine Reihe von Medaillen von bayerischen Wintersport-Größen mit – als Geschenk für das Museum. Der Wintersport-Film läuft ab sofort im Wechsel mit einem Film über den Aufstieg des FC Bayern in Dauerschleife im Sportkabinett des Museums.

Neu ist auch die überarbeitete Museumsbühne zu den Protesten gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf in den 80er-Jahren. Loibl erklärte, hier sei man auf die Kritik von Besuchern eingegangen, dass die Protestierenden zu wenig im Fokus standen. Nun ist neben Original-Protestbannern auch ein großformatiges Foto von Demonstranten zu sehen. Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) frotzelte bei einem Rundgang durchs Museum, es handle sich um eine kleine Ekelhaftigkeit von Loibl, dass er die Wackersdorf-Bühne erweitert, nicht aber die CSU-Bühne gegenüber.

Ganz besonders interessierte sich Sibler für den neuen „preußentauglichen“ Dialekttest, der für Besucher zur Verfügung steht. Die Mitmach-Station, bei der die Besucher ihren eigenen Dialekt testen lassen können, umfasst nun den gesamten deutschen Sprachraum. Die Maschine sei zwar immer noch fehlbar, die Trefferquote habe sich aber erhöht, sagte Loibl schmunzelnd.

Im Fokus stehen im Museum ab sofort auch verfolgte Künstler in der NS-Zeit. Eine Projektion mit historischen Filmausschnitten würdigt die Kunstwerke und Künstler, darunter die Gruppe „Blaue Reiter“, die die Nationalsozialisten als „entartet“ verspotteten und dauerhaft aus der öffentlichen Wahrnehmung verbannen wollten. Unübersehbar ist eine Neuheit am Ende des Rundgangs: Der selbstgebaute Heißluftballon, mit dem zwei Familien 1979 aus der DDR über die innerdeutsche Grenze nach Bayern geflohen sind, ist nun Teil der Ausstellung. Eine Ballon-Rekonstruktion hängt von der acht Meter hohen Decke, die Original-Ballonhülle wird in einer Vitrine gezeigt.

Sibler und Loibl blickten trotz der zweimonatigen Schließung wegen der Corona-Pandemie auf ein erfolgreiches erstes Museums-Jahr zurück. 460 000 Besucher verzeichnete das Haus bis Mitte März und rangiert damit auf dem Niveau der bayerischen Königsschlösser. Seit dem 19. Mai ist das Museum unter Hygieneauflagen und der Beschränkung der Besucherzahlen wieder geöffnet. Seitdem kamen 12 000 Menschen ins Haus.

Den Museumsmachern gehen die Ideen nicht aus: Im Herbst startet die Sonderausstellung „Tempo, Tempo“ zu den 1920er-Jahren. 2021 ist ein Film zur Wirtshauskultur geplant. 2022 soll der Schwerpunkt auf den 60er-Jahren liegen und 2023 findet die große Europa-Ausstellung zum Thema Barock in Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum Prag statt. 2025 wird das gesamte letzte Drittel der Dauerausstellung erneuert – denn dann sind die Geschehnisse der jüngsten Zeit bereits Teil der Geschichte und damit museumsreif.

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