Was den Ersten Weltkrieg betrifft, so ist das Jahr 2018 sicher ein angemesseneres Datum, dessen Jubiläum zu begehen. Das dachte sich auch Dr. Reiner Meyer. Der Leiter der Städtischen Galerie im Leeren Beutel in Regensburg schloss sich vor vier Jahren nicht der allgemeinen Ausstellungsflut zum Beginn dieser "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" an. Sein Haus wirft jetzt, 100 Jahre nach Ende des Krieges, einen Blick zurück.
Die aktuelle Ausstellung "Bilder aus dem Ersten Weltkrieg" reiht sich in ein bewährtes Format des "Leeren Beutels". Regelmäßig präsentiert die Städtische Galerie in unterschiedlichen Zusammenhängen Bestände der eigenen Sammlung. Die Bilder, auf denen sich regional verankerte Künstler, die am Ersten Weltkrieg teilgenommen haben, mit diesem befassten, wurden nun für die vierte Auflage dieses "fokus sammlung" aus dem Depot geholt.
Bilder sprechen für sich
"Bilder aus dem Ersten Weltkrieg": Der Titel der Schau ist sachlich - und das gilt auch für die Präsentation. Zwar haben Reiner Meyer und sein Team die Schau in Einzelbereiche unterteilt. Bei diesen kommt neben dem schlichten "Kriegsschauplatz" und den "Soldaten" auch "das Grauen" zur Sprache. Dass die Ausstellung allerdings auf teils unerwartet subtile Weise zum Nachdenken anregt, hängt mit den gezeigten Werken zusammen. Die Zeichnungen und Bilder sprechen oft für sich, wenn auch nicht immer ganz klar.
Unmissverständliche Anklagen der Kriegsgräuel tauchen chronologisch gesehen erst im späteren Verlauf des Ersten Weltkrieges auf. Schockierend eindringlich etwa Kurt von Unruhs Zeichnungen von skelettierten Leichen und Pferdekadavern auf dem Schlachtfeld oder seine "Vision im Zusammenhang mit der Schlacht von Verdun". Bevor er aber zu den düsteren Dokumentationen des Grauens überging, brachte eben dieser Künstler zu Beginn des Krieges adrette Soldaten in schmucker Uniform aufs Papier. Auch diese kolorierten Zeichnungen über "Anmarsch und erste Gefechte" in Frankreich aus Kurt von Unruhs Kriegstagebuch sind in der Regensburger Ausstellung zu sehen.
Schönheit der Zerstörung
Geradezu pittoresk wirken die Ölskizzen Reinhold Koeppels. Der Kriegsmaler hat zerstörte russische Städte in irritierend ansprechender Weise dargestellt. Oftmals heben sich die leuchtend blauen Kuppeln der orthodoxen Kirchen vor einem klaren Winterhimmel ab. Alles in allem aber lassen die "Bilder aus dem Ersten Weltkrieg", die der Leere Beutel in so objektiver Weises aneinandergereiht hat, den Krieg als Irrsinn erscheinen. Und das nicht nur wegen der zerschossenen Städte und der erschossenen Soldaten.
Dass etwa Josef Achmann für seine kubistischen Entwürfe des deutschen Fronttheaters eindeutig von seiner Zeit in Paris beeinflusst war, stellt die Definition "Feind" infrage. Ebenso wie Reinhold Koeppels Skizzen eines Sibiriers oder eines koreanischen Kriegsgefangenen. Das ehrliche Interesse am Fremden hätte genau so gut in Friedenszeiten ausgelebt werden können.
Die "Bilder aus dem Ersten Weltkrieg" sind im Jahr 2018 besser platziert als 2014. Auch vor 100 Jahren war die anfängliche Kriegsbegeisterung grausamer Ernüchterung gewichen. Diese Schau führt es klar vor Augen: Es ist angemessen, dem Ende dieses Krieges zu gedenken.
Die Ausstellung "focus sammlung4" - Bilder aus dem ersten Weltkrieg läuft noch bis 10. Februar 2019 in der städtischen Galerie im Leeren Beutel, Bertoldstraße 9, Regensburg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr. 24., 25. ,. 31. Dezember, 1. Januar geschlossen.



















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