19.07.2018 - 14:16 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Vorbilder mit kaum verblichenem Charme

Frauen schrieben Filmgeschichte: Eine Ausstellung in der Stadtbücherei Regensburg führt dies durch Fotos vor Augen

Frauen in den Anfangszeiten des Films: Die aktuelle Ausstellung in der Stadtbücherei Regensburg ist bildgewaltig.
von Susanne WolkeProfil

Diese Ausstellung lebt von ihren Bildern. Elegante Damen blicken mit laszivem Blick von nostalgischen Schwarz-weiß-Fotografien. "Vorbilder" lautet denn auch der Titel der Schau, die derzeit in der Stadtbücherei Regenburg zu sehen ist. Denn das waren die frühen Filmdiven aus der Zeit zwischen 1914 und 1936, die sich hier ein geballtes Stelldichein geben - gleich in mehrfacher Hinsicht. Nicht nur als Vorbild so mancher Normalsterblichen wurden die Schauspielerinnen in ihrer Zeit angehimmelt. Für die Kuratoren der Regensburger Ausstellung stehen sie gleichsam für "die Modernisierung des Frauenbildes in den Anfängen des Kinos".

Sonntag als Ruhetag

So lautet auch der Untertitel der Schau. Zwar richtet sich der Blick der Präsentation etwas eingeschränkt auf die iberische Halbinsel. Das erklärt sich durch die Verwirklichung der Ausstellung in Zusammenhang mit dem spanischen Kulturfestival "CinEScultura", das derzeit in Regensburg abläuft. Texttafeln informieren also unter anderem über Parlamentswahlen in Spanien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und über die Einführung des Sonntags als Ruhetag für die Arbeiter der südeuropäischen Nation. Doch treten die eng in spanisch-deutscher Mischung beschriebenen Infotexte sowieso in den Hintergrund angesichts der ästhetischen Bilder. Von nostalgischen Film-Stills herab verschönern die Vorreiterinnen des Films derzeit den Lesesaal der Stadtbücherei Regensburg.

Das umfangreiche Textmaterial ist in dieser sinnlichen Schau wohlweislich in eine Ecke verbannt. Wer sich aber damit auseinandersetzt, erfährt Interessantes, auch über das internationale Filmbusiness. Im Jahre 1900 etwa lebten im heutigen Hollywood nur 500 Einwohner. Die Ansiedlung hieß damals noch Cahuenga, und es war kein Wunder, dass die meisten Filme dieser Zeit in New York gedreht wurden. 1912 noch hatte das Theater das Monopol als Unterhaltungsmedium inne. Doch bereits 1915 erhielten Kinostars weitaus höhere Gagen als ihre Kollegen vom Broadway. Auch das Interesse internationaler Modezeitschriften wandte sich alsbald gen Hollywood.

Erste Frau mit Führerschein

Nichtsdestotrotz bleibt die Ausstellung in der Stadtbücherei zumindest im Textteil ihrer spanischen Ausrichtung treu - und berichtet etwa über Catalina Garcia. Das war die erste Frau mit Führerschein in Spanien. 1929 siegte dann die spanische Tennisspielerin Lilí Álvarez beim Roland Garros Tuernier im Damendoppel. Wem derartige Ausführungen zu sehr ins Detail gehen, der kann sich auch auf die eigentlichen Sahnestückchen der Ausstellung beschränken: auf die "Vorbilder" - die schönen Frauenbilder aus den Anfängen des Kinos.

Info:

Service

Die Ausstellung „Vorbilder. Die Modernisierung des Frauenbildes in den Anfängen des Kinos“ läuft bis zum 24. August in der Stadtbücherei Regensburg, Haidplatz 8. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr, Samstag von 10 bis 16 Uhr.

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