„Die meisten Unternehmen gehen davon aus, dass wir dieses Jahr noch wachsen, aber die Zukunftsperspektiven werden schlechter eingeschätzt“, fasste Stefan Klumpp am Dienstag bei einer Pressekonferenz eine aktuelle Konjunkturumfrage unter Oberpfälzer Metall- und Elektrobetrieben zusammen. Klumpp ist Vorstandsvorsitzender der Arbeitgeberverbände Bayme und VBM in der Oberpfalz und Vorstand der Tirschenreuther Hamm AG.
Die vergangenen zwei Jahre seien von einer Hochkonjunktur geprägt gewesen, die die Unternehmen teils an ihre Grenzen gebracht habe, sagte Klumpp. Ein Viertel der bayerischen Betriebe hätte Probleme gehabt, das Wachstum zu realisieren, weil ihnen schlicht die Fachkräfte fehlten. Der Höhepunkt dieser Entwicklung sei knapp überschritten, meinte Klumpp. Die weitere Einschätzung der Lage sei weniger optimistisch.
Zwar seien die Voraussetzungen für gute Geschäfte weiterhin gegeben: „Wir haben in der Welt einen Wohlstand, der noch nie zuvor da war.“ Dennoch sei die Stimmung gedämpft. Das liege zum einen daran, dass mit der Automobilbranche eine bayerische Leitindustrie angeschlagen sei. Die Dieseldebatte ziehe eine ganze Industrie nach unten, da Kunden nicht wüssten, für welchen Preis sie ihr Fahrzeug später wiederverkaufen könnten. Die Automobilbranche mitsamt der Zuliefererfirmen leide hier unter dem „Fehlverhalten einzelner Personen“, sagte Klumpp mit Blick auf den Abgasbetrug.
Noch viel größeren Einfluss auf die exportorientierte Oberpfälzer Industrie habe aber die Entwicklung der Weltkonjunktur, stellte Klumpp fest. „Wir haben hier Unternehmen, die so global aufgestellt sind, dass sie 90 Prozent ihres Umsatzes im Ausland machen.“ Sie seien von weltpolitischen Entwicklungen weit mehr betroffen als von deutschen. Vor allem der Kurs von US-Präsident Donald Trump macht Klumpp Sorgen. „Was Trump betreibt, kann man nur als Isolationismus bezeichnen.“
Zudem belaste der Handelskrieg zwischen den USA und China die Weltkonjunktur im Ganzen. Durch den Konflikt würden in nichtentwickelten Ländern Investitionen aus China fehlen. Das mache sich in einer nachlassenden Nachfrage nach Produkten aus diesen Ländern bemerkbar. „Das Geschäft fokussiert sich auf die USA und Europa, weil der Rest der Welt schwächelt“, sagte Klumpp. Nach den Jahren der Hochkonjunktur sei das Gefahrenpotenzial für einen Abschwung ohnehin sehr groß.
Das mögliche Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ohne Austrittsabkommen hingegen hält Klumpp für verkraftbar. „Ich glaube nicht, dass die Oberpfälzer Industrie vom Brexit maßgeblich beeinträchtigt wird.“ An der Wettbewerbssituation werde sich nichts ändern, weil alle die gleichen Hürden zu meistern hätten. Das industriearme Großbritannien werde von den Betrieben vor allem als Absatzmarkt gesehen. Dieses Geschäft könnte sicher ins Straucheln geraten, weil sich die Konjunktur in Großbritannien verlangsamen würde, meinte Klumpp. Das werde aber nur einzelne Oberpfälzer Betriebe verstärkt treffen. Robust scheint jedenfalls die Personalpolitik der Unternehmen zu sein: Trotz aller Herausforderungen wird in der Oberpfälzer Metall- und Elektrobranche 2019 ein Zuwachs um 1500 Stellen erwartet.













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