04.01.2021 - 17:03 Uhr
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Weniger Flüchtlinge in der Oberpfalz im Jahr 2020

Vor der Pandemie war die Flüchtlings-Aufnahme eines der bestimmenden Themen in der öffentlichen Debatte. Dann geriet das Thema etwas aus dem Blickfeld. Wir haben nachgefragt, wie sich die Flüchtlingszahlen im Bezirk entwickelt haben.

Eine Frau passiert das Drehkreuz am Ankerzentrum in Regensburg. Die Zahl der in der Oberpfalz lebenden Asylbewerber ist 2020 zurückgegangen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Im Vergleich zum Vorjahr waren die Asylbewerber-Unterkünfte 2020 etwas weniger stark belegt, teilt Markus Roth, Pressesprecher der Regierung der Oberpfalz, mit. Während Ende 2019 in der Oberpfalz noch 6550 Flüchtlinge in den staatlichen Unterkünften untergebracht waren, waren es Ende 2020 etwas unter 6000. Davon entfielen auf das Ankerzentrum Oberpfalz 570 Personen, auf die Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung 3100 Menschen und auf die von den Landratsämtern betriebenen 250 dezentralen Unterkünfte knapp 2300 Personen. Dazu wurden Ende 2020 in Jugendhilfeeinrichtungen 190 (Vorjahr: 280) unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut.

Die Asylbewerber in den Oberpfälzer Unterkünften stammen überwiegend aus dem Nahen Osten und Afrika: etwa 2000 aus dem Irak, 950 aus Syrien, 225 aus dem Iran, 170 aus Afghanistan, 650 aus Äthiopien und 475 aus Nigeria. Ein Drittel der Flüchtlinge in der Oberpfalz ist weiblich, zwei Drittel männlich, darunter sind über 2000 Kinder.

Schwer fällt es vielen Asylbewerbern, nach ihrer Anerkennung eine eigene Wohnung zu finden. In den staatlichen Unterkünften in der Oberpfalz wohnten im Dezember 1000 sogenannte Fehlbeleger. Dabei handelt es sich um anerkannte Flüchtlinge, die zur Vermeidung von Obdachlosigkeit weiter in den Asylunterkünften geduldet werden, etwa weil sie keine private Wohnung finden, erklärt Sprecher Roth. Abhilfe schaffe zumindest zum Teil eine in diesem Sommer fertiggestellte staatliche Wohnanlage in Regensburg, in der 60 Prozent der Wohnungen an anerkannte Flüchtlinge vermietet werden.

Zurückgegangen ist auch die Zahl der Bewohner im Ankerzentrum Oberpfalz in Regensburg, das schnellere Entscheidung von Asylverfahren ermöglichen soll. Hier waren im Dezember 570 von 1160 Plätzen belegt, im Jahr zuvor waren es noch 750 von 1350 Plätzen. Die Anker-Dependance in Schwandorf ist derzeit nicht im Betrieb. Nach den gesetzlichen Regelungen bleiben Familien mit minderjährigen Kindern maximal sechs Monate im Ankerzentrum, Einzelpersonen je nach rechtlichem Status bis zu 24 Monaten.

„Insbesondere aufgrund der Corona-Pandemie und dem Bestreben um eine möglichst entzerrte Unterbringung werden diese Höchstfristen bei Weitem nicht ausgeschöpft“, betont Roth. „Wir versuchen derzeit alle Bewohner möglichst früh zur Verteilung in die Anschlussunterbringung freizugeben, sobald eine Beurteilung der rechtlichen Asyl-Situation möglich ist.“

Im Mai 2019 hatte es Tumulte bei einem Polizeieinsatz im Ankerzentrum in Regensburg gegeben. Seitdem sei die Situation in allen Einrichtungen überwiegend ruhig, erklärt Roth. Die Tumulte damals hätten auf einer großen Verunsicherung der Bewohner nach dem plötzlichen Tod einer jungen Mutter beruht. „Eine auch nur annähernd vergleichbare Situation hat sich nicht wieder ergeben.“

Nach dem Brand des Flüchtlingslagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos im vergangenen September hatte die Bundesregierung entschieden, bis zu rund 1500 Personen von den griechischen Inseln aufzunehmen. Dabei handele es sich um eine humanitäre Aufnahme außerhalb des Asylsystems, erklärt Roth. Vorrangig würden die Flüchtlinge auf Kommunen verteilt, die Aufnahmebereitschaft signalisiert haben - in der Oberpfalz etwa die Stadt Regensburg.

Eine Familie kehrt nach einem Einkauf ins Ankerzentrum in Regensburg zurück.
Im Ankerzentrum in Regensburg lebten Ende Dezember 570 Menschen.
Höchstzahlen 2015 und 2016:

Unterbringung in Schulturnhallen

-Auf dem Höhepunkt der Europäischen Flüchtlingskrise stieg die Zahl der registrierten Asylbewerber in Deutschland stark an. Sie lag 2015 bei 890 000.

-Nach Verschärfungen des Asylrechts in den wichtigsten EU-Zielstaaten, der Errichtung von Grenzbarrieren auf der Balkanroute und dem EU-Türkei-Abkommen nahm die Zahl der neuen Asylbewerber wieder deutlich ab. 2017 gingen rund 220 00 Asylanträge ein.

-Auch in der Oberpfalz stiegen die Flüchtlingszahlen 2015 stark an. In kürzester Zeit entstanden überall im Bezirk dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten. Notfallpläne traten in Kraft. Vorübergehend wurden Flüchtlinge in Schulturnhallen und Stadthallen untergebracht.

 

 

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