Mit Glitzerkleid und dem Kracher "All or Nothing at All" legt die kanadische Jazz-Pianistin und -Sängerin bei den Thurn- und Taxis-Festspielen am Mittwoch einen superstar-gemäßen fulminanten Auftritt hin. Um dann aber unglaublich cool und unaufgeregt einen besonderen Jazz-Abend für ein zunehmend euphorisches Publikum abzuliefern.
So gelassen, wie Diana Krall zwischendurch mit einem Taschentuch über die Tasten ihres Steinway-Flügels wischt, so streichen sonst ihre Finger über ihr Instrument. Maximale Emotion durch ein minimalistisches Klavierspiel, bei dem kein weiterer Ton weggelassen werden kann - auf den Punkt.
Ein paar Takte "Hallelujah"
So bekommt etwa Joni Mitchells "A Case of You", jene bittersüße Ode, durch sie an einem markanten Punkt einen kleinen Leonard-Cohen-Exkurs. Bloß einige Sekunden lang klingt "Hallelujah" durch. Ein paar Takte, die schlicht begeistern. Wie kaum eine andere Sängerin kann sie in Nuancen ungeheure Spannungsbögen aufbauen. Nicht nur musikalisch macht Diana Krall in Regensburg den Unterschied zwischen einem echten Star – der sie ist – und divenhaftem Verhalten deutlich. Eine auch nur rudimentäre Bühnenshow, billige Provokationen oder das Erzählen ego-streichelnder Geschichten sind der bodenständigen Kanadierin völlig fremd. Die Pianistin verlässt den Klavierhocker, auf dem sie elegant sitzt, gerade zwei Mal. Beim anhaltenden, begeisterten Schlussapplaus und den noch lauteren Ovationen nach den Zugaben.
Als Begleitung braucht die Sängerin mit der charakteristisch lasziven After-hours-Stimme nur einen Kontrabass für die Erdung (Robert Hurst mit einem feinen Timing), Drums für den Pulsschlag (stark: Karriem Riggins) und ein Saxofon für die Sehnsucht. Eine perfekte Kombination, genial beim Standard "The Night We Called It A Day" - bei dem die wunderbar langgezogenen Saxklänge vom großartigen Joe Lovano einfach nur mitreißen. Oder beim eindringlich-rhythmisch arrangierten "Quiet Night of Quiet Stars".
Diana Krall ist nach wie vor in einem sehr eigenen Genre mit vielen Individualisten eine Brückenbauerin, die experimentierfreudig gerne Grenzen überschreitet. Ihr verbindlicher oder vielmehr verbindender Jazz, der so offen ist für Pop, lateinamerikanische Musik, Swing und andere Einflüsse, ohne zu verwässern, ist eine Einstiegsdroge. Das zweistündige Set fließt elektrisierend dahin ohne nennenswerte, störende Unterbrechungen, mit bewegenden Höhen und Tiefen, rein aus der Musik heraus.
Dabei steckt die "First Lady des Jazz" voller Anekdoten, wie sie über sich selbst sagt. Um dann uneitel am Abend nur sehr wenige zu erzählen. Nein, sie ist irgendwie immer noch das kleine Mädchen, das vor dem Orpheum die Chance hatte, all die Großen zu hören, die dann ihre Vorbilder wurden. Oscar Peterson, Ella Fitzgerald oder natürlich Nat King Cole. "Die haben mich umgehauen." Ganz der Fan, der lieber seine Musik sprechen lässt.
Jazz, der unter die Haut geht
Letzterem Idol räumt sie in Regensburg viel Raum ein. Etwa mit "L-O-V-E", das auch Michael Bublé in seinem Repertoire hat. "Gleiche Heimat, gleiche Songs", witzelt Krall, um für ihren kanadischen Landsmann aus der gleichen Gegend in British Columbia die Messlatte gleich noch ein bisschen höher zu legen.
Etwas rauchig, mit leicht kehligem Abgang gibt sie dem Klassiker so viel Schmelz mit, dass der Zwischenapplaus immer häufiger und länger wird. Um gleich darauf – mit einem schönen langen Solo-Intro auf dem Klavier versehen – Cole Porters Gänsehaut-Song "I've Got You Under My Skin" nachzulegen. Das wunderbare "Cry Me a River" beendet das kurzweiligste und wohl beste Konzert der diesjährigen Schlosskonzerte, sicher aber das lässigste.













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