14.01.2019 - 18:21 Uhr
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Wolbergs-Prozess: Handwerker-Rechnungen im Fokus

Am Montag kehrt Ruhe in den Wolbergs-Prozess ein. Nach heftigen Gefechten zwischen Verteidigern und Staatsanwaltschaft rückt die Beweisaufnahme wieder in den Vordergrund. Attacken gab es außerhalb des Gerichtsaals.

Joachim Wolbergs (SPD, links), der suspendierte Oberbürgermeister von Regensburg, spricht im Gerichtssaal des Landgerichts mit seinem Verteidiger Peter Witting.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Drei Handwerker schilderten im Prozess, wie die Renovierungsarbeiten in zwei privaten Wohnobjekten des suspendierten OB Joachim Wolbergs (SPD) abliefen - und wie sie bezahlt wurden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Firma des mitangeklagten Bauträgers Volker Tretzel unentgeltlich die Organisation und Betreuung der Renovierungen übernahm. Außerdem soll das Bauteam Tretzel (BTT) Rechnungen von Drittfirmen teilweise beglichen haben. Die Arbeiten fielen 2012 und 2013 an - damals war Wolbergs noch dritter Bürgermeister.

Die Ermittler glauben, dass Wolbergs BTT 2014, als er bereits OB war, den Zuschlag für ein Filet-Grundstück im Regensburger Stadtsüden zuschusterte. Als Gegenleistung soll BTT dem SSV Jahn finanziell unter die Arme gegriffen und Wolbergs im Wahlkampf mit einer gestückelten Großspende unterstützt haben. Zudem soll BTT Wolbergs persönliche Vorteile bei Renovierungen und Wohnungskäufen eingeräumt haben. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe.

Ein Gas-Wasser-Installateur erklärte am Montag im Zeugenstand, dass sein Betrieb von BTT-Mitarbeiter Oliver S. damit beauftragt worden sei, Renovierungsarbeiten am Ferienhaus der Familie Wolbergs auszuführen. Man habe unter anderem die Dachrinnen erneuert. BTT-Mitarbeiter S. habe ihn angewiesen, die Kosten aufzuteilen. Eine Rechnung habe er an Wolbergs geschrieben, zwei weitere an BTT. Für BTT habe man ohnehin an einem Bauprojekt am Regensburger Rennplatz gearbeitet. Die Kostenpunkte für das Ferienhaus seien in den Rennplatz-Rechnungen dazugeschrieben worden. Mit Wolbergs selbst habe er nie Kontakt gehabt, sagte der Handwerker.

Zwei weitere Zeugen, ein Fachbereichsleiter und ein Fachpolier einer Innenausbaufirma, berichteten von der Renovierung von Wolbergs' angemieteter Wohnung im Kulturzentrum "Alte Mälze". BTT-Mitarbeiter S. habe ihn wegen einer "kleinen Renovierungsarbeit in Regensburg" angesprochen, schilderte der Fachbereichsleiter. "Ich war nicht begeistert", sagte der Zeuge. Seit vielen Jahren kümmere sich seine Firma bei Neubauten der Firma Tretzel um die Bodenbeläge. Einen kleinen Auftrag in einer Bestandswohnung hielt er aber personaltechnisch für schwierig umsetzbar. Eigentlich habe er ablehnen wollen, S. dann aber doch den Gefallen getan. Dass es sich um Wolbergs' Wohnung handelte, habe er damals nicht gewusst.

Erst ein Jahr später sei ihm dann aufgefallen, dass die Kosten für die Erneuerung des Fußbodens noch nicht beglichen waren, erklärte der Fachbereichsleiter. S. habe ihn dann auf Nachfrage gebeten, die Kosten über 8600 Euro über ein laufendes BTT-Bauprojekt abzurechnen. An Wolbergs sei lediglich eine Rechnung für eine Lieferung von Fertigparkett gestellt worden. Bereits in der vergangenen Woche hatte Wolbergs erklärt, von einer Aufteilung von Rechnungen nichts gewusst zu haben.

Abseits des Gerichtssaals hat Wolbergs auf den Schlagabtausch mit der Staatsanwaltschaft in der vergangenen Woche reagiert. In einer halbstündigen Videobotschaft auf Facebook attackierte er vor allem Oberstaatsanwalt Markus Pfaller scharf. Dessen Auftritt im Gerichtssaal, bei dem sich Pfaller vor die Staatsanwältinnen Christine Ernstberger und Ingrid Wein gestellt hatte, bezeichnete Wolbergs als "Showveranstaltung". Es sei Pfaller einzig und allein darum gegangen, "die volle Aufmerksamkeit der Medien für sich und die vermeintlich so armen Staatsanwältinnen zu gewinnen".

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