21.05.2019 - 16:35 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Vom Zivilbunker ins erste Obergeschoss

"Eine imposante Sache", sagt Georg J. Haber über die aktuelle Schau im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg. Damit meint der Vorsitzende nicht nur die gezeigten Arbeiten sondern auch deren eigentlichen Ausstellungsort.

Künstler aus der Sammlung der Plattform „The View“ auf der Schweizer Seite des Bodensees sind derzeit zu Gast im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg. Einige davon waren bei der Eröffnung persönlich anwesend: von links Marc Peschke, Eckhard Besuden, Initiator Stefan Bircheneder, Sabine Becker, „The-View“-Kuratorin Antoinette d'Airoldi, Dierk Maass und Waltraud Späth.
von Susanne WolkeProfil

"Über den Tellerrand hinausblicken": Was die Schau von "The View - Contemporary Art Space" im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg betrifft, gilt dies in mehrerlei Hinsicht. Wenn auch wirklich nur im übertragenen Sinn. Denn die vor allem unterirdisch angelegten Ausstellungsräume der Schweizer Kunstplattform erschweren zwar den rein visuellen Blick ins Freie, sind aber umso freigeistiger:

Ein mehr als 100 Jahre altes Wasserreservoir, ein in Fels geschlagener Militärunterstand aus dem Kalten Krieg sowie ein ehemaliger Zivilschutzbunker werden hier neu genutzt. "Oberhalb des Schweizer Bodenseeufers bespielt "The View" mehrere Ausstellungsorte", lautet der lapidare Kommentar der Macher über diese wahrhaft ungewöhnlichen Schauräume.

Nun allerdings geht es für einige Künstler, die "The View" in die eigene Sammlung aufgenommen hat, mindestens zwei Stockwerke weiter nach oben: Eine Gruppe der in der Schweizer Plattform dauerhaft vertretenen Maler, Bildhauer, Fotografen und Videokünstler ist derzeit zu Gast in Regensburg. Der Kunst- und Gewerbeverein zeigt die Kollegen in einer Schau und verfolgt dabei das Konzept: "Über den regionalen Tellerrand hinausblicken." Die Schweizer Garde ist dort eine erfrischende Abwechslung im vorwiegend für Künstler aus der Umgebung reservierten Programm. Gleichsam bringen die ausstellenden Künstler eine gewisse Großzügigkeit in die Räume.

Denn egal ob großformatige Fotografien einer großartigen Berglandschaft im Himalaja von Dierk Maass. Oder die hoch über die Köpfe der Ausstellungsbesucher ragende menschlich-abstrahierte Holzfigur von Christofer Kochs. Oder die augenzwinkernde Darstellung des in der Bodenseeregion legendären Seehas als Langohr mit Taucherbrille von Eckhard Besuden: Die Arbeiten strahlen gleichermaßen Souveränität und Gelassenheit aus.

Mit dem kulturellen Erbe gehen die Künstler aus der Sammlung von "The View" dabei ebenso virtuos um wie mit Symbolen des Fortschritts: Werner Schlotter scheut in seinen Bildhauerarbeiten nicht die Verarbeitung der antiken Nike von Samothrake. Biörn Schülke vereint Elemente aus Maschinenbau und Industriedesign zu kinetischen Objekten.

Nicht alle Künstler der "View"-Sammlung stammen wirklich aus der Schweiz. Etliche davon leben in Deutschland. So weit reicht der Blick aus dem Schweizer Bunker über den Tellerrand hinaus allemal. Für den Kunst- und Gewerbeverein Regensburg ist die Schau ein bereichernder Punkt im Ausstellungsprogramm. "The View": Ein Blick lohnt sich hier allemal.

Info:

Service

Die Ausstellung „The View Collection“ läuft bis zum 16. Juni im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstraße 6. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Am 25. Mai und am 8. Juni um jeweils 11 Uhr bietet die Volkshochschule Führungen an. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941 58160 oder unter www.kunst-und-gewerbeverein.de. (wsu)

Den am Bodensee sagenumwobenen Seehas hat Eckhard Besuden in eine angemessene Aufmachung gesteckt.
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