16.01.2020 - 16:44 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Zwischen Finden und Erfinden

Gisela Griem, Johanna Obermüller und Wolfram Schmidt stellen im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg aus

Gefunden oder erfunden? Das ist in der aktuellen Ausstellung im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg nicht immer leicht zu beurteilen.
von Susanne WolkeProfil

"Sehen lernen", so heißt es zu Beginn einer jeden klassischen Künstlerausbildung. "Bild-Findung", nennt es derzeit die aktuelle Ausstellung im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg. Dass die alleinige Abbildung der Wirklichkeit in der Kunst längst der Vergangenheit angehört, dessen ist man sich dabei bewusst. "Bild-Erfindung", das zweite Stichwort der Schau, ist daher Reminiszenz an eine längst vollzogene Erweiterung des Horizonts.

"Bild-Findung / Bild-Erfindung": Die drei Künstler, die momentan im Regensburger Kunst- und Gewerbeverein ausstellen, sind dafür geradezu ein Paradebeispiel. Gisela Griem, Johanna Obermüller und Wolfram Schmidt bewegen sich in ihren Bildern zwischen wuchernden Pflanzen und farblichem Gewirr, zwischen Natur und Abstraktion. Die Gratwanderung dazwischen ist oft schmal.

"Der suchende Blick von Gisela Griem bleibt hängen an Bäumen, Pflanzenformen oder Wasseroberflächen, die sich im Licht verändern", heißt es quasi einleitend zu dieser Schau, die die Entwicklung vom Finden bis zum Erfinden exemplarisch aufarbeitet. Gleichen nun schon die bildnerischen Ergebnisse Gisela Griems oftmals eher abstrakten Farb- und Formkompositionen, so bleiben diese dennoch dem rein visuellen Eindruck verpflichtet.

Einen Schritt weiter geht Wolfram Schmidt. Der Künstler, der als Fotograf mit seinen "Spurenbildern" von sich Rede macht, nimmt sich nicht das Motiv an sich vor, sondern dessen Werdegang. Wachstum und Vergehen sind die Themen Wolfram Schmidts. Ausgangspunkt für seine nun schon sehr gegenstandslosen Bilder ist ebenfalls die Natur, allerdings mit einem gehörigen Maß an Wissen hinter der reinen Optik.

In diese vegetative Harmonie verpflanzt Johanna Obermüller nun plötzlich menschliche Figuren. Die Arbeiten dieser dritten Künstlerin der Ausstellung fallen aus dem Rahmen. Grund dafür: Johanna Obermüller praktiziert weniger die "Bild-Findung", sondern vielmehr die "Bild-Erfindung".

Durch Experimentieren mit dem Gesehenen und verschiedenen Techniken kommt die Künstlerin zu Ergebnissen, über die sie selbst sagt: "Der schmale Grat, auf dem das Kunst- Machen balanciert, liegt zwischen Zufall und Berechnung."

Ebenso wie zwischen dem Finden und dem Erfinden eines Kunstwerkes. Die aktuelle Ausstellung im Kunst- und Gewebeverein führt dies einleuchtend vor Augen.

Info:

Service

Die Ausstellung läuft bis zum 9. Februar im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstraße 6. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Am 18. Januar und 1. Februar (jeweils 15 Uhr) führen die drei Künstler durch die Schau.

www.kunst-und-gewerbeverein.de

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