29.01.2019 - 17:55 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Zwischen Senfladen und Bummelbahn

Klaus Schwarzfischer und seine Kollegen rechnen mit der Stadtentwicklung Regensburgs ab. In der Ausstellung "R leuchtet" im Neuen Kunstverein hadern sie mit den Auswüchsen des Tourismus.

Klaus „schwafi“ Schwarzfischer (Zweiter von rechts) und seine Gruppe geben bei der Eröffnung der Ausstellung „R leuchtet“ im Neuen Kunstverein Regensburg musikalische Einlagen zum Besten.
von Susanne WolkeProfil

Reiner R. Schmidt hat gut lachen. Zwar befindet sich sein Neuer Kunstverein Regensburg in nächster Nähe zum "schönsten Museum Bayerns", wie er bei der jüngsten Vernissage gut gelaunt verkündete. Aber der Winzling im Schatten des monströsen Kollegen lässt sich nicht unterkriegen. Denn das "Museum der Bayerischen Geschichte" ist eben nur einen Steinwurf entfernt vom frechen Kunstverein und nicht in direkter Sichtweite. Und ohne graue Mauer vor dem Kopf lässt es sich durchaus witzeln.

Und bei der aktuellen Ausstellung des Neuen Kunstvereins gibt es viel zu witzeln. "Regensburg wird vom Tourismus heimgesucht" lautet die nüchterne Erkenntnis - und das mit all seinen zweifelhaften Auswüchsen.

Das unverdrossene Ansinnen, Regensburg um intelligente Positionen der zeitgenössischen Kunst zu bereichern, paart sich in der neuen Ausstellung mit einer Art Handlungsbedarf in puncto Stadtbild. Der unbequeme Regensburger Universalkünstler Klaus Schwarzfischer alias "schwafi" kam da gerade recht.

Gemeinsam mit seinen Kumpels "hangover", Hubert Lankes, Helmut Wolf und Tony Kobler stellt "schwafi" Schwarzfischer die aktuelle Schau im Neuen Kunstverein. Der Titel: "R leuchtet". Die Schau wird zwar nicht alle Regensburger unbedingt zur Einsicht bringen. All jenen, die einem Stadtleben zwischen Senfladen und Bummelbahn kritisch gegenüberstehen, beschert sie allerdings etliche heitere Momente.

Dass Schwarzfischer und Konsorten mehrgleisig unterwegs sind, zeigen sie bei der Ausstellungseröffnung. In einem vor Kunstwerken und Publikum aus allen Nähten platzenden Neuen Kunstverein geben sie musikalische Einlagen, etwa zum "American Way of Live" von Big Mac bis Schulmassaker, sowie eine Lesung zum Besten.

Dass das "Museum der Bayerischen Geschichte" bei der Schau eine tragende Rolle spielt, liegt auf der Hand. Einer der Beiträge der von Satire triefenden Ausstellung ist Hubert Lankes fiktiver Fassaden-Wettbewerb des Hauses. Ob man nun dem, so der Begleittext, "spitzbübischen architektonischen Kunstgriff, den Baukörper von außen wie ein provisorisches Billig-Parkhaus wirken zu lassen" den Vorzug geben, oder das ganze Ding als "Ankerzentrum für Asyltourismus" doppelnutzen soll, ist schwer zu entscheiden. Ein fiktiver Beitrag zur Fassadengestaltung des "Museums der Bayerischen Geschichte" sieht die Gestaltung als riesiges Klohaus vor. Hintergrund ist eine Erhebung, nach der deutlich mehr Touristen eine öffentliche Toilette aufsuchen als ein Museum.

Fest steht, dass der durch öffentliche Gelder errichtete Komplex dem Neuen Kunstverein eines voraus hat: den Platz. Schade, denn die vielen Kritikpunkte zum Thema Stadtentwicklung kommen hier kaum unter. Da ist die Präsentation der von den Künstlern erdachten Regensburger Partnerstadt Randsperg. Da gibt es verschiedene Formen der Bürgerbeteiligung - soll man das verschandelte Donauufer an gegenüberliegender Seite durch einen FKK-Strand ergänzen und Bürgern somit die Chance geben, aktiv zu zeigen, wo genau ihnen der Bau vorbeigeht?

Und nicht zuletzt das "Tourist-Info-Center" mit "tollen Souvenirs". Diese lohnen sich besonders. Denn allein schon der "Tourist Guide Regensburg in 3 Stunden" erfordert einiges an Zeit. Die darin enthaltenen Spitzen sollten in Ruhe genossen werden - am besten zu Hause.

Die Ausstellung "R leuchtet" läuft bis Sonntag, 24. Februar im Neuen Kunstverein Regensburg, Schwanenplatz 4. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag (16 bis 18 Uhr) sowie Samstag und Sonntag (12 bis 14 Uhr).

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