01.09.2021 - 17:24 Uhr
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Rick Kavanian: Panisch in Pleystein

Trotz fünfstündiger Autofahrt von Frankfurt nach München ist Rick Kavanian im Interview mit Oberpfalz-Medien bester Laune. Er bietet gleich das Du an und gesteht, dass er sein prägendstes Freibad-Erlebnis in Pleystein hatte.

Rick Kavanian hat im Hotel Bayerischer Hof in München die Fragen von Oberpfalz-Medien beantwortet.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

ONETZ: Rick, ich habe erst gegen Ende des Filmes erkannt, dass du hinter der Rolle des Dr. Rieger steckst. Ein Kompliment für deine Wandlungsfähigkeit?



Rick Kavanian: Eigentlich ein schönes Kompliment. Sowohl der Rosi (Regisseur Marcus H. Rosenmüller; Anm. d. Red.) als auch ich hatten eine Vorstellung. Wir haben uns mit Kostüm und Maske zusammengesetzt. Dann ist daraus diese Figur entstanden – und ich habe gleich Zugang dazu gehabt. Ich hatte großen Spaß an der Rolle.

ONETZ: Nicht unbedingt Wandlungsfähigkeit, aber in jedem Fall Flexibilität hast du am Anfang deiner Karriere bewiesen. Du hast Politikwissenschaften in München studiert. Michael „Bully“ Herbig war aber letztlich daran Schuld, dass du das Studium abgebrochen hast. Warum war das so?

Rick Kavanina: Ich bin im Herbst 1990 bei Radio Gong gelandet, dann haben wir (Kavanian und "Bully") zuerst Hörfunk-Kolumnen und irgendwann die Morgensendung mit anderen zusammen gemacht. Für "Bully" war klar, dass er zum Radio will. Ich habe halt das Politik-Studium in München angefangen, weil mein Numerus clausus für Medizin viel zu schlecht war. Ich wollte eigentlich Kinderarzt werden. Nach neun Semestern – sieben in München, zwei in Augsburg, zwei gescheiterte Zwischenprüfungen – saß ich irgendwann bei "Bully" im Büro und war echt fertig mit der Welt. Der "Bully" hat damals ernsthaft diesen Spruch geprägt: „Rick, mach‘ was Bodenständiges, mach‘ Comedy.“

ONETZ: Interessant. Wie ging es weiter?

Rick Kavanian: Über einen gemeinsamen Freund kam die Idee, auf die Schauspielschule in New York zu gehen. 1996 bin ich zurückgekommen und dann ging es mit der "Bullyparade" los. Und die letzten 25 Jahre, die zweite Hälfte meines Lebens, ist einfach uferlos schnell vergangen.

ONETZ: Auch wenn du das Politik-Studium abgebrochen hast, du bist doch ein politischer Mensch, hast beim Auftritt zum Soloprogramm „Egostrip“ im Musikomm in Amberg bereits 2013 die Bühne für ein politisches Statement für Gleichberechtigung und gegen Fremdenfeindlichkeit genutzt. Also noch vor der Flüchtlingswelle und dem Erstarken der AfD. „Beckenrand Sheriff“ setzt nun auch ein Statement gegen Rassismus und Ausgrenzung. Wie politisch dürfen Film oder Kunst sein?

Rick Kavanian : Ich glaube, Kunst darf grundsätzlich alles sagen, alles behaupten. Es ist die Freiheit, die wir uns bewahren müssen. Wie wir damit umgehen, ob wir das gut oder schlecht finden, das liegt dann wiederum am Rezipienten. Grundsätzlich finde ich: Auf der Bühne, im Film, in der Malerei darf man erst mal alles sagen. Man hat ein künstlerisches Anliegen und das darf man artikulieren.

ONETZ: Du bist armenischer Abstammung: Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema Anfeindungen gemacht? Und: Wird es leichter, wenn man bekannt ist oder gerät man dadurch noch mehr zur Zielscheibe? Gerade auch, wenn man die Sozialen Medien mit einbezieht.

Rick Kavanian: Ich habe mich aus den Sozialen Medien eher in den Wald verzogen. Für mich ist das einfach nichts. Wenn wir auf Augenhöhe und mit Respekt von Angesicht zu Angesicht sprechen – das meine Art der Kommunikation. Wenn ich in drei Zeilen von „Olo17“ als Vollidiot bezeichnet werde, dann kann ich damit nichts anfangen. Dann ist das zwar unangenehm, aber ich weiß nicht, wer ist „Olo17“, warum nennt der mich Vollidiot? Wenn mir jemand gegenübersteht und sagt: "Rick, du hast mich gestern mit dem Auto angefahren und bist abgehauen. Das war nicht in Ordnung." Dann muss ich dazu Stellung beziehen, wenn ich es gemacht hätte. Aber mich einfach so abzuwatschen für irgendetwas – ich kann mit dieser Form der Kommunikation nichts anfangen.

ONETZ: Die Ansprache macht‘s also aus ...

Rick Kavanian: … ich finde schon. Ich möchte auch einfach jemanden in die Augen sehen können. Ich möchte erfahren, wie sieht der aus. Wie redet der mit mir? Was gefällt dem an mir nicht? Kann ich den vielleicht vom Gegenteil überzeugen? Oder kann der mir vielleicht was sagen, was ich übersehe?

ONETZ: Jetzt hat man dich in letzter Zeit wieder öfter gesehen. Du bist bei „LOL – Last One Laughing“ – wie witzig! – leider ausgeschieden. Im Kino bist du gerade als Pförtner in „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ und eben im „Beckenrand Sheriff“ zu sehen. In ganz vielen Rollen bist du auch Synchronsprecher (Stimme von Dinausurier Rex in Toy Story, Zebra Marty in Madagascar oder Dracula in Hotel Transsilvanien). Was reizt dich am meisten? Oder brauchst du einfach diese Abwechslung?

Rick Kavanian: Ja, es ist wirklich diese Abwechslung. Ich stand vor kurzem in Hessen wieder auf der Bühne mit meinem Freund Henni Nachtsheim von Badesalz. Es war so schön, nach eineinhalb Jahren Bühnenabstinenz wieder vor Leuten zu stehen. Klar, ich könnte jetzt auch zwei, drei Jahre nur Filme machen. Wenn es sich ergibt: gerne. Aber mir macht das Spaß: Ein bisschen auf der Bühne zu sein, ein bisschen Synchron zu machen.

ONETZ: „Beckenrand Sheriff“, „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“, die ganzen Eberhofer-Verfilmungen. Es lässt sich sagen: „Heimatfilme“ funktionieren aktuell sehr, sehr gut. Woran liegt das?

Rick Kavanian: Ich glaub wir war’n einfach besser als die anderen (Interviewer, Fotograf und Rick Kavanian lachen herzlich). Schau, wir können jetzt untereinander lachen, das ist okay. Aber ich würde den selben Satz auch in Berlin sagen, das ist das Ding. Wenn du jetzt Berliner wärst, mich lachen siehst und spürst, dass das nicht ganz ernst gemeint ist, dann ist das im Kontext in Ordnung. Aber wenn ich das jetzt auf Twitter schreibe, dann werden die Leute sagen: Uh, der hat sie nicht mehr alle. Meint wohl, Bayern sind besser, als wir Berliner. Das ist genau das, was ich nicht mag. Untereinander kann man mal einen Witz machen. Man kann immer mal ein bisschen vom Gas aufs Gas. Das kannst du bei 160 Zeichen nicht.

ONETZ: Was uns noch interessiert: Gibt es ein persönliches Freibad-Erlebnis, das du mit uns teilen kannst?

Rick Kavanian : Ganz ehrlich: Das größte Erlebnis war mein Sprung in Pleystein vom Fünf-Meter-Brett. Als Kind habe ich mich nicht getraut, vom Dreier zu springen. Ich hatte das Glück, dass unser Stuntman, der Mac Steinmeier, mit mir ins Olympiabad nach München gegangen ist. Wir sind auf den Dreier, haben dort miteinander geredet, sind dann auf den Fünfer. Das war letztes Jahr im Sommer, da waren kaum Leute im Bad. Das alles war ein bisschen wie eine Höhentherapie. Und dann in Pleystein waren wir dort und der Mac hat zu mir am Ende des ersten Drehtags gesagt: Du, wollen wir nochmal schauen, wie es sich anfühlt da oben? Es waren alle weg, nur noch wir zwei da. Er hat gefragt: Magst es nicht mal probieren? Ich war panisch – und dann bin ich da runter. Als ich eingetaucht bin, war ich so erleichtert und so froh. Dann bin ich hoch und sogar noch zwei, drei Mal gesprungen. Wenn ich jetzt wieder hin müsste, wäre ich bestimmt wieder aufgeregt. Aber ich wüsste: Mir kann eigentlich nichts passieren.

ONETZ: Zum Schluss noch die Frage: Wie hat's dir in der Oberpfalz gefallen?

Rick Kavanian: Das Essen war der Hammer.

ONETZ: Was gab es denn?

Rick Kavanian: Ich erinnere mich an Sauerkraut, Rotkraut, Knödel, geiles Fleisch von irgendwelchen Tieren, die mir nicht bekannt waren. Die Küche war liebevoll, schon deftig, aber an so einem Drehtag hat man Hunger. Und es gab gutes Bier. Es war in Verbindung mit dem Essen, den netten Bedienungen, den netten Leuten einfach ein schönes Erlebnis.

"Beckenrand Sheriff" wird am 11. September im Freibad in Pleystein gezeigt

Pleystein
Info:

Rick Kavanian

  • Bekanntheit erlangte Kavanian zu Beginn seiner Karriere vor allem in der "Bullyparade"
  • Der 50-Jährige ist unter anderem in Filmen wie "Der Schuh des Manitu", "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" und "Der Boandlkramer und die ewige Liebe zu sehen
  • Als Synchronsprecher leiht er unter anderem Zebra Marty in "Madagascar", Dinosaurier Rex in "Toy Story" (dritter und vierter Teil" sowie Dracula in "Hotel Transsilvanien" seine Stimme
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