Continental bestätigt Aus für Werk Roding

Getrieben vom Wandel in der Automobilwirtschaft will sich Continental aus der Produktion von Komponenten für Verbrennungsmotoren zurückziehen. In Bayern soll der Standort Roding geschlossen werden.

Das Continental-Werk in Roding.
von Agentur DPAProfil

Das Werk des Autozulieferers Continental in Roding in der Oberpfalz soll definitiv 2024 geschlossen werden - mehr als 500 Mitarbeiter sind betroffen. Der Aufsichtsrat des DAX-Konzerns bestätigte am Mittwoch entsprechende Pläne des Vorstands bei einer Sitzung in Hannover. In Roding werden vor allem Hochdruckpumpen für Benzin- und Dieselmotoren produziert.

Hintergrund sei der durch verschärfte Abgasgesetze beschleunigte, Umstieg der Autoindustrie auf Elektromobilität, hieß es in einer Mitteilung. Die Hydraulik-Nachfrage sei eingebrochen. Daher werde sich das Unternehmen aus dem Geschäft mit Hydraulik-Technik für Verbrennungsmotoren zurückziehen.

Gegen diese Pläne gab es Proteste: Rund 150 Mitarbeiter aus den bayerischen Continentalwerken waren nach Hannover gereist. Zusammen mit hunderten Kollegen anderer deutscher Standorte protestierten sie am Vormittag vor der Konzernzentrale am Rande der Aufsichtsratssitzung gegen Werksschließungen und Stellenabbau.

«Die Pläne sind nicht nachvollziehbar. Wir kämpfen dennoch weiter für den Erhalt des Standorts Roding und erwarten konkrete Antworten auf unser Konzept für eine Weiterführung», kommentierte die Regensburger IG-Metall-Bevollmächtigte Olga Redda die Beschlüsse. Roding sei bestens geeignet für die Produktion von Elektromotoren und weiteren Komponenten für Hybrid- und Elektroantriebe und könnte als verlängerte Werkbank für die Continental-Werke Nürnberg oder Berlin fungieren, sagte die Gewerkschafterin. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) kündigte nach Gewerkschaftsangaben für März 2020 einen weiteren Runden Tisch an, bei dem Alternativen zur Stilllegung erörtert werden sollen.

Bisher stellt Continental Teile wie Hochdruckpumpen oder Einspritzdüsen neben Roding im sächsischen Limbach-Oberfrohna sowie in den USA (Newport News) und in Italien (Pisa) her. Auch dort soll die Produktion bis spätestens 2028 auslaufen. Der Konzern setzt angesichts des Umbruchs der Autobranche künftig vor allem auf Elektronik, Sensorik und Technologien zum automatisierten Fahren. Auch die Reifensparte und das Geschäft mit Endkunden bleiben Schwerpunkte.

Vorstandschef Elmar Degenhart hatte zugesagt, dass Kündigungen nur als «allerletztes Mittel» denkbar seien. Grundsätzlich will Continental den Umbau über möglichst viele Umschulungen, Versetzungen und über die Nicht-Nachbesetzung von Stellen abfedern. Weltweit könnten laut Conti bis 2023 rund 15 000 Jobs von «Veränderungen» betroffen sein, davon 5000 in Deutschland. Die IG Metall sieht auch Managementfehler als Ursache für den Stellenabbau.

Der Pressesprecher der IG Metall Bayern, Timo Günther, sagte, Continental dürfe die derzeitige Umbruchsituation in der Automobilwirtschaft nicht dazu nutzen, um Kosten zu sparen und Gewinne zu maximieren. Vielmehr müssten Fertigungskapazitäten im Freistaat gehalten werden mit neuen Produkten wie Wasserstoff-Technologie, autonomem Fahren, Fahrer-Assistenzsystemen und Software-Systemintegration im Auto. «Wir fordern, dass die Unternehmensleitung mit uns über Perspektiven an den bestehenden Produktionsstandorten spricht statt diese in Billiglohnländer zu verlagern», forderte Günther. An allen bayerischen Standorten arbeiten laut IG Metall rund 16 000 Menschen für Continental, davon 9000 in Regensburg.

Continental-Pressemitteilung zu Aufsichtsratsitzung vom 20. November 2019

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