Sie gehen "ganz zurück zu den Wurzeln". Und noch immer gibt es viele, die davon überrascht sind, wie besinnlich, staad und ruhig die beiden Raith-Schwestern Tanja und Susanne sowie Tanjas Ehemann Andi Blaimer miteinander Musik machen. Aktuell sind sie mit ihrem vorweihnachtlichen Programm "Altbayrischer Advent" unterwegs. "Dabei ist das gar nichts Außergewöhnliches, denn so haben wir angefangen", erzählt Tanja beim Kaffee im Bistro Heinzelmann in Weiden. Deshalb sei es schon auch immer ein Kampf gewesen und ist es zum Teil noch heute, dass die Formation eben nicht nur auf die Nische "Wirtshauslieder" reduziert und mit den Attributen "derb und ordinär" versehen wird. "Da verzweifelt man dann gelegentlich schon, wenn man nur mit einer Sache verbunden wird", pflichtet ihr Susanne bei.
___ Auf "Burgentour" ___
Auf der Bühne beweisen sie aber, dass in ihrer Musik mehr steckt. Das ist im Programm "Wisst's wou mei Hoamat is" so, mit dem sie im letzten Sommer auf "Burgentour" waren und es auch im kommenden Sommer wieder sein werden. Und das ist mit "Altbayrischer Advent" genauso. "Das schaut auf der Bühne fast so aus wie Weihnachten bei uns zuhause. Wir singen Oberpfälzer Lieder und Arien, die wir an Weihnachten schon immer im engen Familienkreis gesungen haben", erzählt Tanja. Natürlich werden auch Stubenmusikstücke mit Hackbrett und Steyrischer gespielt.
"Ich habe mir von meiner Schwiegermutter die schönsten Geschichten aufgeschrieben, die sie an Weihnachten immer erzählt, und die lese ich dann - mit Geräuschen unterlegt - auch vor", ergänzt Andi Blaimer. Da seien dann neben den besinnlichen Geschichten natürlich auch ganz lustige dabei. Zu den Liedern und Geschichten sieht man auf einer großen Leinwand Projektionen von Fotos, die allesamt in der heimatlichen Gegend gemacht wurden. "Das ist schon ein sehr persönliches Programm, da geben wir auch viel von uns selber preis", sagt Tanja.
Als Formation "D'Raith-Schwestern & da Blaimer" ist das Trio seit 2003 unterwegs, beim Mundartfestival im Regensburger Stadtbezirk Stadtamhof hatten die Musiker ihren ersten Auftritt. Die Schwestern machen aber bereits seit 1976 traditionelle Volksmusik aus der Oberpfalz. Und Tanja Raith stand schon mit vier Jahren das erste Mal hinter dem Mikrofon des Bayerischen Rundfunks und sang "I bin a kloans Binkerl", was sie bei den Zuhörern sehr beliebt machte. Ein Markenzeichen der musikalischen Schwestern sind - das wird jeder bestätigen, der sie schon einmal gehört hat - die kraftvollen Stimmen.
___ Schlimmer Autounfall ___
Untrennbar verbunden mit der Geschichte des Trios ist der 26. September 2010 - der Tag eines schlimmen Autounfalls auf der A93, den ein Betrunkener verursacht hat und in den sie geraten sind. "Der Tag hat viel ausgelöst und bewirkt", betonen alle drei Musiker. Vor allem bei Tanja ist der Unfall immer noch präsent, seitdem hat sie mit Schwindelanfällen zu kämpfen, vor zwei Jahren musste sie sich wegen der Spätfolgen für ein halbes Jahr ganz aus der Kunst ausklinken. Die Betroffenheit ist allen dreien auch heute noch anzumerken, wenn sie über das schlimme Ereignis sprechen. Knallhart spüre man da, wie vergänglich das Leben sei, sagt Andi Blaimer und ergänzt: "Das war unser zweiter Geburtstag!". Neben den persönlichen Auswirkungen hatte der Unfall aber auch Folgen für das kulturelle Schaffen. "Seitdem wissen wir auch genau, was wir künstlerisch wollen und was eben nicht mehr", erklärt Susanne.
In der politischen Diskussion steht aktuell der Heimat-Begriff ganz oben. Für das Trio aus dem Bayerischen Wald ist "Heimat" nichts, mit dem man sich gegenüber anderen abgrenzt. Deswegen lassen sich die beiden Schwestern und Andi Blaimer auch gar nicht erst von einer bestimmten politischen Seite vereinnahmen - bestes Beispiel dafür ist auch ein Titel wie "I mog's bunt". Heimat sei für sie, so Tanja Blaimer, eben da, wo sie herkomme: "Das ist für mich Familie, Sprache und auch ein Lebensgefühl!"
Essenziell gehört da natürlich auch der Wald dazu: "Das ist ein Ort, den ich brauche, damit es mir gut geht. Ich könnte keine vier Wochen ohne sein." Deswegen können die drei auch nicht nachvollziehen, dass Leute, die selber verwurzelt sind, nicht verstehen, wie sich andere Menschen fühlen, die aus ihrer Heimat weggehen müssen - beispielsweise um vor Krieg zu flüchten. "Aber das hat auch was mit Empathie und Einfühlsamkeit zu tun. Und es beweist auch eine Verrohung im Umgang miteinander", so Susanne Raith.
Die Kreativität verlässt das Trio wohl auch künftig nicht: Nach dem Adventsprogramm ist die musikalische Familie weiterhin mit dem Programm "Hart aber herzlich" unterwegs - unter anderem auch erstmals bei den "Songs an einem Sommerabend" in Würzburg - sowie ab Januar auch mit dem neuen Programm "Eine Lederhose packt aus". "Das wird sehr lustig werden", verspricht Tanja Blaimer.
Mit ihrem Programm „Altbayrischer Advent“ sind die beiden Raith-Schwestern und Andi Blaimer den ganzen Dezember unterwegs: Am 6. Dezember kommen sie in die Stadthalle Cham (gemeinsam mit Sabine Sauer), am 15. Dezember ins Rathaus Sulzbach-Rosenberg, am 18. Dezember in die Max-Reger-Halle Weiden, am 20. Dezember ins Kolpinghaus Regensburg (mit Sabine Sauer), am 21. Dezember ins VAZ Burglengenfeld sowie am 22. Dezember in die Fichtelgebirgshalle Wunsiedel.
Mit ihrem neuen Programm „Eine Lederhose packt aus“ gastieren die „D‘Raith-Schwestern & Da Blaimer“ im Jahr 2019 am 22. März in der Schwarzachtalhalle Neunburg vorm Wald, am 11. April in der Stadthalle Neustadt/WN sowie am 5. Mai im VAZ Burglengenfeld.
Die Open-Air-Reihe 2019 unter der Überschrift „Wisst‘s wou mei Hoamat is“ führt am 1. Juni auf die Freilichtbühne Schönberg in Grafenwöhr. (stg)
Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0.
Passend zum vorweihnachtlichen Programm ist aktuell das Album „Altbayrischer Advent“ erschienen. Dabei dürfte es um eine der schönsten und anrührendsten Produktionen des Trios handeln. Die Aufnahme ist ein Live-Mitschnitt vom 17. Dezember 2017 im Kolpinghaus Regensburg. Die CD kann über www.raith-schwestern.de bestellt werden. (stg)














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