Die globale Corona-Krise hat die Mechanismen internationaler Politik nicht außer Kraft gesetzt: Die Staaten ringen weiterhin um Einfluss und Kontrolle. Wie sich die Pandemie geschickt zur Durchsetzung eigener nationalstaatlicher Interessen nutzen lässt, beweist Russland momentan besonders augenscheinlich.
Moskau hat in den vergangenen Wochen demonstrativ Hilfsbereitschaft gezeigt - der Kreml lieferte Schutzmasken und weitere medizinische Güter per Flugzeug oder Lkw-Konvoi in die USA, nach Italien und in andere EU-Länder. Die Flagge des Geberlandes prangte dabei für die Medien gut sichtbar auf jedem einzelnen Flieger, Lkw und Karton.
Was auf den ersten Blick als freundlicher Akt internationaler Solidarität erscheint, folgt tatsächlich einer außenpolitischen Strategie. Putin will damit sein Land aus der internationalen Isolation befreien, es als eine den USA ebenbürtige Großmacht präsentieren und - besonders gefährlich - den Zusammenhalt in der EU weiter untergraben.
Spätestens seit der gewaltsamen Krim-Annexion gilt Russland in Nato-Kreisen als neue Bedrohung und wird seit Jahren mit harten Sanktionen belegt. Putins Botschaft ist klar: Das vermeintlich feindliche Russland ist in Wirklichkeit ein hilfsbereiter Nachbar, die innereuropäische Solidarität hingegen blamabel. Müsste nicht Brüssel EU-Hilfen für Italien zentral organisieren? Müssten nicht die Europäer sich selbst schneller und uneigennützig helfen? Ausgerechnet das als bedrohlich geltende Russland springt in der Krise ein und hilft.
Genau diese Botschaft transportiert der russische Präsident unter dem Deckmantel der Solidarität mit jeder Hilfslieferung. Er will Zwietracht sähen und die EU-Mitgliedsländer gegeneinander ausspielen. Hybride Kriegsführung, Hacker-Angriffe, Desinformationskampagnen, verdeckte Einmischung in freie Wahlen - Putin nutzt das Coronavirus als willkommenes Instrument im Wettstreit mit dem Westen.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.