19.06.2018 - 11:27 Uhr
Deutschland & Welt

Schädliches Zusammenspiel

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Allgemeinmedizin und Zahnmedizin zeigt die enge Verbindung zwischen Erkrankungen im Körper und Mund. Insbesondere Diabetiker leiden drei Mal so oft an einer Parodontitis wie Menschen, deren Blutzuckerwerte normal sind – auch verlieren Diabetiker durchschnittlich doppelt so viele Zähne wie gesunde Menschen. Woran liegt das? Und was können Betroffene tun?

von Gesund & VitalProfil

Die Bundeszahnärztekammer fordert, dass Kinder so früh wie möglich an richtige Mundhygiene herangeführt werden, aus gutem Grund: „Mundgesundheit ist essentiell für die Gesamtgesundheit und die Lebensqualität. Es gibt klare Hinweise auf die Zusammenhänge zwischen der Mundgesundheit und Allgemeingesundheit sowie Auswirkungen auf die Lebensqualität.“ Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen mit erhöhten Blutzuckerwerten drei Mal so oft an einer Parodontitis erkranken wie nicht-Diabetiker. Mediziner erklären dies einerseits mit der Beeinträchtigung des Immunsystems, andererseits mit der Begünstigung von Entzündungen durch erhöhte Blutzuckerwerte. Parodontitis nimmt bei Diabetikern zudem einen schwereren Verlauf als bei nicht-Diabetikern, dies gilt für den Diabetiker Typ-1 gleichermaßen wie für den Typ-2.

So stark der negative Einfluss von erhöhten Blutzuckerwerten auf Zähne ist, so negativ wirkt sich umgekehrt die Parodontitis auf den Diabetes aus. Denn kämpft der Körper mit einer ständigen Entzündung, und nichts anderes ist eine Parodontitis, verliert das Insulin an Effektivität. Die Bundeszahnärztekammer: „Bei Menschen, die gleichzeitig an Diabetes und Parodontitis leiden, können sich die Entzündungsherde im Mund auch negativ auf den Diabetes auswirken. Eine nicht behandelte schwere Parodontitis erhöht die Insulinresistenz der Gewebe und erschwert somit die Blutzuckereinstellung.“

Die Gefahr einer Parodontitis ist allgegenwärtig, stellt der Mund doch das Tor zum Körper dar. Ständig mit einer Vielzahl von Fremdkörpern konfrontiert, muss die Mundhöhle über ein gutes Abwehrsystem verfügen. Überlisten Bakterien oder Viren das System, können unterschiedliche Erkrankungen ausgelöst werden, verursacht durch eine Parodontitis: Bakterien aus dem Mund können das Herz entzünden und Verschlüsse der Blutgefäße bewirken; orale Keime können in das Atemorgan eindringen und eine Lungenentzündung auslösen; auf künstlichen Gelenken lassen sich die Keime mit Vorliebe nieder; und für Schwangere kann eine Parodontitis verhängnisvoll werden, nämlich dann, wenn die Erreger die Produktion von wehenauslösenden Hormonen fördern und es zu Frühgeburten kommt.

Ein mikroskopischer Blick in die Mundhöhle zeigt, warum die orale Hygiene von entscheidender Bedeutung ist. unabhängig von der letzten Mahlzeit, tummeln sich bereits unter natürlichen Bedingungen rund fünf Billionen Bakterien aus 300 Arten. Die meisten von ihnen verrichten nützliche Arbeit, einige davon sind jedoch maßgeblich an der Entstehung von Karies und Parodontitis beteiligt. Deshalb ist die tägliche Mundhygiene für die Gesunderhaltung der Zähne und des Zahnfleisches unerlässlich.

Diabetikern rät die Bundeszahnärztekammer zu besonderer Prophylaxe, da diese Patienten eine „Hochrisikogruppe für eine Parodontitis“ darstellen. Demnach sollen Diabetiker auch dann zur regelmäßigen Kontrolluntersuchung gehen, wenn diese keine Beschwerden haben. Ergänzend wird eine professionelle Zahnreinigung (pZr) in regelmäßigen Abständen empfohlen, um sämtliche Zahnflächen von harten sowie weichen bakteriellen Belägen auch an schwer erreichbaren stellen zuverlässig zu befreien. Eine gründliche, zwei Mal tägliche Zahnpflege mit Zahnbürste und fluoridhaltiger Zahnpaste ist Grundvoraussetzung für eine optimale Mundhygiene. Bei der Entfernung des bakteriellen Zahnbelags zwischen den Zähnen helfen Zahnseide und sogenannte Interdentalbürsten – einmal täglich. Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt zudem Fluorid-Zahnpaste zu verwenden, die einen antibakteriellen Langzeitschutz besitzt und zusätzlich auch antientzündlich wirkt.

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