26.05.2020 - 14:40 Uhr
SchierlingDeutschland & Welt

"Schafkopf gehört zum Wirtshaus wie Essen und Trinken"

"Kurz" oder "lang" ist eine Frage der Herkunft - zumindest wenn es ums Schafkopf-Spielen geht. Erich Rohrmayer taucht in seinem neuen Lern-Buch wieder tief ins Geheimnis des Kartelns ein.

Schafkopfen ist ein Kulturgut in Bayern.
von Holger Stiegler (STG)Profil
Erich Rohrmayer: "Ein Leben ohne Kartenspielen habe also ich nie kennengelernt"

Wenn es ums Schafkopf-Spielen geht, dann kann man Erich Rohrmayer so schnell nichts vormachen. Geboren im oberpfälzisch-niederbayerischen „Grenzgebiet“, lebt er auch heute noch dort. Sein allgemeines Faible für Kartenspiele und speziell fürs Schafkopf-Spielen hat Rohrmayer bereits in verschiedenen (Lern-)Büchern zum Ausdruck gebracht, jetzt ist sein neuestes Werk „Schafkopfen mit der langen und der kurzen Karte“ (Buch- und Kunstverlag Oberpfalz in der Battenberg Gietl Verlag GmbH) erschienen. Die Kulturredaktion hat sich mit ihm unterhalten.

ONETZ: Herr Rohrmayer, Sie sind ein Freund traditioneller bayerischer Kartenspiele: Wallachen, Watten, Grasobern und natürlich Schafkopfen. Woher kommt’s?

Erich Rohrmayer: Das ist einfach: Ich bin in einem Wirtshaus aufgewachsen, in dem seit jeher viel gespielt wurde. Ein Leben ohne Kartenspielen habe also ich nie kennengelernt, es ist mir sozusagen in die Wiege gelegt worden. Schon als kleiner Bub bin ich von Tisch zu Tisch und habe überall zugeschaut. Watten konnte ich schon, bevor ich in die Schule gekommen bin. Und ich bin schon mit 5 in die Schule gekommen! Mein Vater nannte mich liebevoll den „Kartenhai“…

ONETZ: Vor einigen Jahren ist Ihr Buch „Lerne Schafkopfen – Eine Spielanleitung für Anfänger“ erschienen. Jetzt folgt „Schafkopfen mit der langen und der kurzen Karte“. Kurz erklärt für den Laien: Was ist lang, was ist kurz?

Ein Päckchen bayerischer Spielkarten besteht üblicherweise aus 32 Karten. Werden alle Karten verteilt, bekommt jeder der vier Spieler acht Karten. Diese klassische Art und Weise des Schafkopfens wird die „lange Karte“ genannt. Lässt man die Siebener und die Achter weg, bleiben 24 Karten und jeder Spieler erhält in jedem Spiel „nur“ 6 Karten. Entsprechend ist das Spiel nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich auch zeitlich kürzer.

ONETZ: Die Spielweise „lang“ und „kurz“ hat ja auch etwas mit den bayerischen Regionen zu tun. Wie muss man sich das vorstellen?

Während sich in Oberbayern und dem größten Teil von Niederbayern der traditionelle Schafkopf mit der langen Karte bewahrt hat, hat sich wohl im Lauf der Zeit in Franken und der Oberpfalz das Spiel mit der kurzen Karte weitgehend durchgesetzt. Für mich natürlich besonders interessant: Ich wohne direkt an dieser imaginären Grenze zwischen den beiden. Ich nenne sie den "Schafkopf-Äquator" und habe im Wirtshaus meiner Eltern noch die Übergangsphase vom "Langen" zum "Kurzen" selbst miterlebt.

ONETZ: Welchen Stellenwert hat Schafkopf Ihrer Ansicht nach eigentlich in der bayerischen Kultur? Für viele ist das Spiel ja eines der höchsten Kulturgüter …

Das ist es auf jeden Fall! Neben dem Essen und Trinken sowie der Musik ist das Kartenspielen, und dabei insbesondere der Schafkopf, aus der bayerischen Wirtshauskultur nicht wegzudenken. Mit meinen Büchern und Seminaren möchte ich dazu beitragen, dass das auch so bleibt! Es nicht zu können, geht eigentlich gar nicht ...

ONETZ: Welches Alter ist ideal, um mit Schafkopf zu beginnen? Mein knapp achtjähriger Sohn kann die Regeln Dank Opas und Omas schon besser als ich …

Ob es genau das ideale Alter gibt, wage ich nicht zu sagen. Aber so zwischen acht und zehn Jahren kann man sicher die Komplexität des Schafkopfens so einigermaßen überblicken. Ihr Sohn ist also schon sehr gut unterwegs, Sie können stolz auf ihn sein! Nur für seinen Vater müssen wir uns noch was überlegen ... (lacht)

ONETZ: Sie bieten verschiedene Kurse an, um das Spiel zu lernen. Wer – also welche Altersgruppe – kommt zu Ihnen und mit welcher Motivation?

Ich denke, dass viele Leute erkannt haben, dass der Spruch "entweder man kann es oder man kann es nicht" einfach Quatsch ist, sondern dass jeder es einmal lernen musste, egal in welchem Alter. Zu meinen Kursen kommen daher auch Leute von 13 bis über 80. Einmal war eine Dame in meinem Seminar, die war sogar über 90! Besonders bemerkenswert finde ich immer, dass auch viele Frauen unter den Teilnehmern sind.

ONETZ: Welchen Stellenwert nimmt denn das Schafkopf-Spiel in Ihrem Leben sein?

Oh, aktuell gar keinen großen. Ich bin berufstätig und habe Familie, beides geht absolut vor. Und im Moment hält mich auch noch dieses Home-Schooling ganz schön auf Trab! Und wenn mir dann noch langweilig ist, beantworte ich halt ein paar Interview-Fragen (lacht). Für die Rente habe ich mir aber noch gaaaaanz viel Schafkopf vorgenommen!

Zum Buch:

Das Buch „Schafkopfen mit der langen und der kurzen Karte“ ist erschienen im Buch-und Kunstverlag Oberpfalz der Battenberg Gietl Verlag GmbH (ISBN 978-3-95587-070-6) und kostet 14,90 Euro.

Oberpfalz-Medien lädt zu einem Schafkopf-Webinar mit Erich Rohrmayer am 30. Mai von 20 bis 22 Uhr ein. Weitere Infos unter www.onetz.de/oberpfalz/webinar-lerne-schafkopfen-id3028182.html

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