14.09.2018 - 17:49 Uhr
Deutschland & Welt

Auch die Schlacht um Idlib bringt Syrien keinen Frieden

In Syrien haben inzwischen alle Blut an den Händen - selbst jene, die ihre Hände in Unschuld waschen. Auch die Entscheidungsschlacht um Idlib bringt dem Land keinen Frieden, schreibt Albert Franz in seinem Kommentar.

Rauchwolken über Hobeit bei Idlib. Die syrische Regierung bläst in der Rebellenhochburg die Entscheidungsschlacht.
von Albert Franz Kontakt Profil
Kommentar

Gut sieben Jahre Krieg, mehr als 350 000 Tote, geschätzte 5,6 Millionen Menschen, die ins Ausland geflohen sind, dazu rund 6,1 Millionen Binnenflüchtlinge. Das ist Syrien im Jahr 2018. Was als Versuch einer demokratischen Revolution begann, ist zu einem Dauer-Massaker, zum endlosen Stellvertreter-Krieg verkommen. Mit dem Kampf um die Rebellenhochburg Idlib im Nordwesten des Landes droht jetzt die Entscheidungsschlacht.

Zum großen Finale auf dem Rücken von drei Millionen Menschen treten alle noch einmal an: Donald Trump und die USA rüsten sich für einen Militärschlag, sollte Machthaber Baschar al-Assad wieder mit Chemiewaffen zuschlagen. Und Washington sucht wieder einmal nach einer Koalition der Willigen, nach Bündnispartnern. Europa ist reichlich handlungsunfähig, Berlin gespalten. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen würde gern Stärke zeigen und vor der Nato glänzen, Kanzlerin Angela Merkel vielleicht auch. Doch die SPD hält aus gutem Grund jede Beteiligung an einem Vergeltungsschlag ohne UN-Mandat für einen Verstoß gegen das Völkerrecht.

Nein, ein Plan ist nicht zu erkennen und auch kein gutes Ende in Sicht. Der Kampf um Syrien wird für niemanden ein Ruhmesblatt. Nicht für Assad und seine Schergen, nicht für die zerstrittene Opposition, nicht für die Helfershelfer in Moskau und Teheran oder in Washington und Ankara.

Es ist die Tragik aller Kriege, dass alle Blut an den Händen haben, selbst die, die zuschauen und ihre Hände in Unschuld waschen. Assad sitzt fester im Sattel denn je. Freie Wahlen sind in weiter Ferne. Und an ein internationales Wiederaufbauprogramm ist kaum zu denken. Syrien bleibt ohne Hoffnung auf Frieden und Demokratie.

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