04.10.2019 - 12:06 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Schon als Backfisch in den Jungbrunnen gefallen

Lederstiefel, Strapse und Tanga: Die 73-jährige Pop-Diva Cher begeistert 10.500 Fans in der Münchener Olympiahalle.

Cher umringt von griechischen Kriegerinnen und Kriegern.
von Helmut KunzProfil

Tja, das Thema Alter beschäftigt auch Cher. „Was macht Eure Oma heute Abend?“ Also bestimmt nicht dasselbe wie die Durchtrainierte, die figurbetont in kniehohen Lederstiefeln, Strapsen und Tanga als heißer Vamp lasziv über die Riesenbühne in der ausverkauften Münchner Olympiahalle stolziert. Und die unter dem Jubel von 10500 Fans mit voller Stimme „If I could turn back Time“ singt. Eineinhalb Stunden lang liefert die 73-jährige US-Amerikanerin den Münchnern eine perfekt durchgestylte Show.

Die Nacht der Cher beginnt mit einer temporeichen Videoeinführung. Minutenlang wird die Pop-Diva in allen erdenklichen Bildern und Positionen gezeigt. Dann fällt der Riesenvorhang. Das Publikum springt von den Sitzen und tobt. In der Folgezeit werden die Stühle nur noch in den manchmal doch längeren Pausen zwischen den einzelnen Songs genutzt. Immer dann, wenn die Sängerin hinter der Bühne ihre Klamotten wechselt. Und das tut sie fast nach jeder Nummer. Die Zeit wird gerne von Akrobaten oder Band ausgefüllt.

Eigentlich beginnt das Entzücken ja schon wenige Augenblicke vor Konzertbeginn, als Cher mal links mal rechts mit der Hand hinterm Vorhang hervor winkt. Die Pop-Queen gilt als modische Stil-Ikone, was sie mit ihrer umfangreichen Garderobe beweist. Ihre Kostümauswahl reicht vom madonnenhaften Glitzerkleid mit Heiligenschein bis hin zur Hippie-Braut. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters setzt Cher auf eine tolle Choreographie und viel Erotik. Diese Dame muss schon als Backfisch in den Jungbrunnen gefallen sein.

Cher umringt von griechischen Kriegerinnen und Kriegern.

Zum Mitklatschen animieren braucht diese Pop-Göttin ihre Fans nicht. Vom ersten Augenblick an gewinnt sie die Macht über die Massen. Ihr „Here we go again“-Konzert startet um 21.10 Uhr mit „Woman’s World“. Cher mit blauer Mähne, eingekesselt von griechischen Kriegerinnen und Kriegern. Natürlich ist sie „Strong enough“, um sich derer zu erwehren. Nur um später auf einem riesigen Plastikelefanten einzureiten. Die Münchner sind glücklich.

Das alles erinnerte an eine riesige, disziplinierte Disney-Aufführung. Ein technisch aufwendiger Auftritt mit gleißenden Lichteffekten und zahlreichen Videoclips. Gemeinsam mit ihrem verstorbenen Ex-Ehemann Sonny, der im Hintergrund in Schwarz-Weiß-Bildern zugespielt wird, singt sie den zeitlosen 1965-er Hit „I got You Babe“. Der gilt übrigens als das erste Musikvideos. Die bisher aufgekratzte Stimmung in der Halle wird plötzlich melancholisch.

Schnell ist Schluss mit Sentimentalität. Chers Sound spiegelt Lebensgefühl wider, hat sich so über die Jahrzehnte gehalten. Die Alterslose überzeugt mit einer Lust, die einem schier den Atem nimmt. Mit voller Leichtigkeit kommt die Lollipop-Nummer „The Shoop Shoop Song“ daher. Die Coverversion von „Walking in Memphis“ ist eine Hommage an Elvis, dessen Musik ihre ganze Familie, besonders aber die Mutter, inspirierte.

Die Pop-Diva schwebt ein.

Den Fans gefallen auch drei Abba-Songs, die gastweise eingefügt werden. 2018 spielte Cher eine Rolle in „Mamma Mia! Here we go again.“ Im Laufe ihrer Karriere hat Cher 200 Millionen Tonträger verkauft. 80 Millionen weitere zusammen mit Sonny Bono. Filmausschnitte mit der Oscar-Preisträgerin zeigen Beispiele einer großen Kinolaufbahn, die sie in der 80-ern startete. Und auch das ist einmalig: Cher landete in allen Dekaden ihrer Karriere Nummer-1-Hits. Mit „I believe“ setzt sie zum Finale choreographisch noch einen drauf. Dann verschwindet sie rückwärtig durch eine Bühnentür. Keine Zugabe. Die Fans sind baff.

Cher umringt von griechischen Kriegerinnen und Kriegern.
Cher in München.
Cher in München.
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