Eine "schrecklich meinungstrunkene Zeit"

Wann hat es Qualitätsjournalismus schwer? Wenn in sozialen Medien in verheerendem Maße drauflos behauptet wird.

Ein Blick auf ein Handy mit Social Media Apps, wie Facebook und Instagram. Yui Mok/PA Wire/dpa
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Um die Veränderungen in der Medienwelt ging es beim Herbstforum der Initiative Qualität (IQ) im Journalismus in Berlin. "Die ständige Verfügbarkeit einer überbordenden Menge von Informationen und die Chance eines jeden, sich vor aller Weltöffentlichkeit zu jedem Thema zu äußern, hat den Beitrag, den Journalismus zur öffentlichen Debatte leistet, hat seine Rolle verändert", stellte Hans Dieter Heimendahl fest, beim Forum-Gastgeber Deutschlandradio Programmchef Kultur.

Politisch motiviert

Aber es sei nicht nur das, sondern natürlich auch die Veränderung der politischen Landschaft. Er glaube, sagte Heimendahl, dass das eine mit dem anderen mehr zu tun hat, "als wir denken oder uns lieb sein kann". Denn ein Gutteil der Kritik an der medialen Berichterstattung sei politisch motiviert, nichts anderes. "Das sollten wir uns vor Augen führen. Das soll keine Generalabsolution sein oder ein Aufruf, sich die Frage nach dem eigenen Tun und die Frage, wie man mit dem Publikum kommuniziert, nicht zu stellen. Aber es ist eine Veränderung der Herausforderung, vor der wir stehen, und ich glaube, sie ist sogar noch größer geworden."

"Wir leben in einer schrecklich meinungstrunkenen Zeit", befand Heimendahl. In den sozialen Medien werde in einem verheerenden Maße drauflos behauptet. Dort stehe Meinungstrotz leicht für Argumente ein. Da habe es Qualitätsjournalismus schwer, obwohl er eigentlich so nötig sei wie nie. "Denn allein die präzise, differenzierte, verlässliche Berichterstattung, die transparent macht, was sie weiß und wo sie nicht weiß und wo sie geirrt hat, und die sich ihren Lesern und Hörern und Zuschauern erklärt - eine solche Berichterstattung legitimiert, was wir tun. Nichts sonst."

Heimendahls These: "Nur, wenn es uns gelingt, unsere Leser, Hörer, Zuschauer von dem, was wir machen, zu überzeugen, gibt es auf die Dauer eine Chance für eine demokratische Debatte." Die Herkunft von Informationen zu verstehen, mit Vorläufigkeiten und Teilinformationen, mit Differenzierung umgehen zu können und sich über diese in einem nüchternen Gespräch auszutauschen, seien Kompetenzen, "die wir vermitteln müssen, um deutlich zu machen, was wir tun und um glaubwürdig zu bleiben". Mehr als das: Es seien demokratische Kompetenzen.

Mit Infos kritisch umgehen

Im Zeitalter der sozialen Medien müssten wir, so habe es der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen prominent formuliert, eine redaktionelle Gesellschaft werden, in der jede und jeder den kritischen Umgang mit Informationen in Ansätzen beherrscht. Ansonsten, so die Meinung Heimendahls, habe die demokratische Öffentlichkeit keine Chance.

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