Deutschland und die Welt
19.10.2018 - 12:04 Uhr

Aus Schrott wird Gold

Es herrscht dicke Luft in den Städten. VW will mit einem Prämiensystem ältere Dieselfahrzeuge von der Straße holen. Doch die Maßnahme für eine bessere Luftqualität ist nicht uneigennützig. Ein Kommentar von Tobias Schwarzmeier.

Kommentar von Tobias Schwarzmeier
VW will mit der Verschrottung alter Diesel gegen Umtauschprämien beim Kauf eines Neuwagen Fahrverbote verhindern. Bild: Julian Stratenschulte/dpa
VW will mit der Verschrottung alter Diesel gegen Umtauschprämien beim Kauf eines Neuwagen Fahrverbote verhindern.

Es soll ein weiterer Schritt sein, die Luft vor allem in Großstädten besser zu machen. In seinem Dieselumtauschprogramm kündigt VW Prämien bis zu 10 000 Euro an für diejenigen, die ihre "Dreckschleudern" der Abgasnormen 1 bis 4 beim Neukauf drangeben. Und will die Autos im Zuge dessen gleich verschrotten.

Wer gerade ohnehin einen Neukauf geplant hatte, kann die Gunst der Stunde nutzten. Doch für extrem viele, die beruflich lange Strecken zurücklegen müssen, war ihr Diesel eine Investition. Sie bauten auf die Zukunftsfähigkeit für zehn Jahre und mehr. Diese Stabilität ist nun kaum noch vorhanden. Ein rabattierter Diesel-Neukauf ist für sie nicht nur unrentabel, sondern ein erneutes Risiko. Es ist das alte Lied der Autobauer, ihre Lösung "Schema F". Angesichts drohender Milliardenbußgelder, Hardware-Nachrüstungen und Fahrverbote sollen Kaufanreize nach branchenüblicher Taktik wieder das Allheilmittel sein. Dass das Angebot für die meisten Fahrer keine Option ist oder lukrative Preisnachlässe nur in belasteten Großstädten gelten, stört VW wenig. Auch dass die Maßnahme für bessere Luft eher wie ein Verkaufsförderprogramm klingt.

Nach wie vor fehlt bei den Herstellern jegliches Schuldbewusstsein und die Bereitschaft, finanziell die Verantwortung für die Folgen der Dieselmanipulationen zu übernehmen. Die neuen Prämien sind eine Win-Win-Situation - aber leider wieder nur für die Autobauer.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.