Nur Leute, die ihre Rechnungen bezahlen, brauchen Geld", witzelte Oscar Wilde über seine Zahlungsmoral. Was sich der irische Dichter leistete, hilft Alleinerziehenden, Arbeitslosen, Mietern und Rentnern nicht weiter. Anders als in französischen Bistros kann man bei Finanzämtern, Jobcentern, Gerichtsvollziehern und Immobilien-Heuschrecken nicht anschreiben.
Schulden können sich auf Sicht nur alternde Tennisstars oder Regierungen leisten, denen die Chancen der nächsten Generation am Stiefel vorbeigehen: Was interessiert mich die Wahl meiner Nachfolger? Die italienischen Populisten kaufen die Zustimmung ihrer Wähler genauso auf Pump, wie Trump das Wohlwollen der Milliardäre. Und knapp zwei Billionen Euro deutsche Staatsverschuldung ist auch kein Pappenstiel.
Wer sich da von Friedrich Merz, dem Messias der Wirtschaftseliten, Abhilfe erhofft, liegt falsch. Der Aufsichtsratschef des deutschen "Black Rock"-Ablegers sorgte für eine geräuschlose Umverteilung von unten nach oben - nicht der Schulden, sondern des Kapitals. Im früheren Leben als Abgeordneter sprach er sich für Kürzungen von Sozialleistungen, Abschaffung des Kündigungsschutzes und gegen die Offenlegungspflicht für Nebeneinkünfte der Abgeordneten aus.
Dabei ist eine faire Verteilung von Ressourcen nicht nur eine Frage von Gerechtigkeit, sondern auch der konservativen Formel "Leistung muss sich lohnen": die Leistung von Eltern, Altenpflegern, Krankenschwestern und Hartz-IV-Empfängern, denen man die paar Kröten, die sie dazu verdienen, lassen sollte. Nur auf andere zu zeigen, greift aber zu kurz. Wir alle leben über unsere Verhältnisse: das neueste Handy, der nächste Diesel-Nepp. Das bekam auch Oscar Wilde zu spüren: Er starb verarmt mit nur 46 im Hotel.













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