23.09.2020 - 15:43 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

"Goldener Oktober" in Schwandorf: Beethoven als „Schatz“ entdecken

Jede Menge Musik wird vom 26. September bis 11. Oktober im Oberpfälzer Künstlerhaus erklingen: Das Klassikfestival „Goldener Oktober“ geht zum dritten Mal über die Bühne, die künstlerische Verantwortung liegt bei Christoph Soldan.

Pianist Christoph Soldan ist beim Klassikfestival "Goldener Oktober" in Schwandorf nicht nur Künstlerischer Leiter, sondern auch ausführender Künstler.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Auch ins Schwandorfer Kulturleben kommt Bewegung. Nach der Eröffnung der Bezirksausstellung im Oberpfälzer Künstlerhaus, startet dort das Festival mit klassischer Musik. Auf die Besucher wartet eine Reihe mit fünf Konzerten. Die Kulturredaktion hat sich im Vorfeld mit Christopher Soldan über die komplizierte Organisation in Corona-Zeiten und den Stellenwert von Ludwig van Beethoven für das Festival unterhalten.

ONETZ: Herr Soldan, Schwandorf fungiert im Jahr 2020 als „Kulturstadt Bayern-Böhmen“. Wie hat sich dies im Programm für den „Goldenen Oktober“ niedergeschlagen?

Christopher Soldan: Das Programm des "Goldenen Oktobers" 2020 wurde bereits ab dem Frühjahr vergangenen Jahres ausgewählt und zusammengestellt. Damals habe ich sehr darauf geachtet, dass sowohl böhmische Künstler nach Schwandorf kommen als auch böhmische Komponisten gespielt werden. Leider hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Allein für das erste Konzert am 26. September mussten drei verschiedene Ensembles wieder ausgeladen werden. Das letzte – ein Klavierduo aus Madrid – hätte nach jetziger Corona–Lage gar nicht anreisen können, ohne eine Quarantäne zu riskieren.

ONETZ: Das klingt äußerst kompliziert…

Christopher Soldan: Also habe ich in der Folge versucht, Künstler einzuladen, die aus Deutschland anreisen, um die Aufführbarkeit der Programme zu garantieren. Es sind aber noch eine ganze Reihe von Bezügen zur böhmischen Musikkultur geblieben, beispielsweise im Konzert der Schlesischen Kammersolisten, die Dvoraks Quintett opus 77 aufführen werden und auch im Programm des Florentiner Pianisten Marco Tezza am 4. November in der Matinee. Da ich selbst alle Konzerte moderieren werde, kann ich dem Publikum diese Bezüge erläutern.

ONETZ: Ludwig van Beethoven würde in diesem Jahr bekanntlich seinen 250. Geburtstag feiern – dies wird auch im Programm gewürdigt. Welche Bezüge Beethovens gibt es zur böhmischen Musiktradition?

Christopher Soldan: Beethoven kam mithilfe des Grafen Ferdinand von Waldstein aus Bonn nach Wien und natürlich auch durch den Kurfürsten von Köln, einen Sohn Maria Theresias. Waldstein, der selbst Klavier spielte und die Musik liebte, entstammte dem böhmischen Adelsgeschlecht, aus dem auch „Wallenstein“ kam. Zeit seines Lebens hat Beethoven den freundschaftlichen Kontakt zu Waldstein gehalten, ihm seine berühmte „Waldsteinsonate“ gewidmet. Waldstein hat auch das berühmt gewordene Wort gesagt, dass „er (Beethoven) den Geist Mozarts aus den Händen Haydns und seinem eigenen Fleiß erhalten werde“. Eine geradezu prophetische Deutung der Dinge.

ONETZ: Der Komponist war aber selbst auch in Böhmen, oder?

Christopher Soldan: Ja, Beethoven hat zentrale Abschnitte seines Lebens dort verbracht. 1812 reiste er nach Teplitz. Auf dem Weg dorthin traf er in Prag unverhofft Josephine von Brunsvik, seine unsterbliche Geliebte. Aus diesem Treffen ging der berühmt gewordene Brief „Mein Engel, mein Alles, mein Ich“ hervor. Diese große Liebe hat musikalische Spuren hinterlassen in sehr vielen Werken, wie zum Beispiel dem Andante Favori und den beiden letzten Klaviersonaten opus 110 und 111. In Böhmen wurde auch Beethovens Tochter gezeugt, Minona. Der Name liest sich rückwärts: Anonym!

ONETZ: Bleiben wir im Jubiläumsjahr kurz bei Beethoven: Wie „populär“ ist der Komponist Ihrer Ansicht heutzutage? Hat er auch das „Potenzial“, ein jüngeres Publikum zu erreichen?

Christopher Soldan: Beethoven war Idealist. Er hat von sich – und von Anderen – immer ein Maximum an Selbstdisziplin gefordert, um die sich selbst gesteckten Ziele erreichen zu können. Das ist sicherlich eine Eigenschaft, die nicht für jeden primär anziehend ist, weil sie erfordert, sich zu reflektieren. Das können nicht alle. Oder um direkter zu sein: das können vermutlich nur wenige. Somit ist er ein sperriger Zeitgenosse gewesen, dessen Werke zwar faszinierten aber auch schwierig waren. Und leicht zu konsumieren ist seine Musik bis heute nicht. Beethoven, seine Musik und seine Einstellungen zu vermitteln, das bedarf Geduld und einen langen Atem. Allerdings: Wer dann entdeckt, welche Schätze dort zu finden sind, wird sich nie wieder von ihm abwenden können.

Weitere Informationen:

Info:

Das Programm

26. September, 19.30 Uhr, Eröffnungskonzert „Beethoven und seine Schüler“, Werke von Beethoven und Liszt, Christoph Soldan, Klavier

1. Oktober, 19.30 Uhr, Die Schlesischen Kammersolisten: Von Dvorak zu Smoke on the Water

4. Oktober, 11 Uhr, Chopin – Janacek - Schumann Marco Tezza (Klavier), Florenz:

7. Oktober, 19.30 Uhr, Zum 250. Geburtstag Beethovens, Dorothea von Albrecht (Violoncello) und Christoph Soldan (Klavier)

11. Oktober, 11 Uhr, Beethoven und Böhmen, Guido Heinke, Klavier. Informationen und Karten unter Telefon 09431 9716.

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