26.10.2018 - 19:07 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Kein Verständnis für Abmahnung

"Wieso jetzt?", fragen die Länderbahn-Verantwortlichen, nachdem sich das Unternehmen für den schwachen "Alex"-Service eine Abmahnung eingefangen hat. Dieselbe Frage stellen aber auch Experten, die bisher zu den Kritikern der Länderbahn gehörten.

Der "Alex" am Bahnhof in Weiden
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Jörg Puchmüller sind Ärger und Unverständnis auch durchs Telefon anzuhören. Am Donnerstagabend hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) mitgeteilt, dass sie die Länderbahn schriftlich abgemahnt hat. Dies ist alles andere als ein alltäglicher Vorgang. Der Länderbahn-Sprecher sagt, er kann sich nicht erklären, wieso sich die BEG hierzu entschieden hat.

Ähnlich dem Arbeitsrecht ist auch diese Abmahnung theoretisch ein erster Schritt hin zur Auflösung der bis 2022 laufenden Verträge für die Zugverbindungen auf den Strecken zwischen Hof und München sowie zwischen München und Lindau am Bodensee. Sollte sich die Situation nicht verbessern, wäre eine zweite Abmahnung möglich, im Anschluss dann das vorzeitige Ende des Vertragsverhältnisses. Puchmüller sagt, er könne sich nicht vorstellen, dass die BEG dies will. Die Länderbahn GmbH wolle eine vorzeitige Vertragsauflösung auf keinen Fall.

Aus diesem Grund habe die GmbH mit Sitz in Viechtach zuletzt einiges unternommen, um der unbestrittenen Probleme Herr zu werden. Puchmüller verweist dabei auch auf Erfolge. Seit im Sommer auf der Strecke zwischen Marktredwitz und Regensburg täglich mehrere Züge ausfallen mussten, weil der Länderbahn Lokführer und Loks fehlten, habe sich die Situation spürbar entspannt. "Unsere Pünktlichkeitswerte sind inzwischen deutlich besser." Andere Problemursachen würden nicht in der Hand des Unternehmens liegen. Puchmüller verweist auf die vielen Baustellen gerade auf der Verbindung zwischen Schwandorf und Prag. Deren Bedeutung räumt auch die BEG in ihrer Pressemitteilung ein, in der sie den "Infrastrukturbetreibern auf deutscher und tschechischer Seite" und deren "Bautätigkeiten einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Pünktlichkeit der Züge" zuspricht.

Andere Probleme lägen zwar in der Verantwortung der Länderbahn, ließen sich aber nicht kurzfristig abstellen. Puchmüller nennt den Fachkräftemangel, der die gesamte Bahnbranche betrifft. "Lokführer und auch Zugbegleiter sind auf dem Arbeitsmarkt schwer zu bekommen, daher setzen wir verstärkt auf eigene Ausbildung", sagt der Sprecher des Tochter-Unternehmens der italienischen Staatsbahn. Aus Italien soll die Länderbahn zudem gebrauchte Waggons bezogen haben, die nicht den Erwartungen an die Qualität entsprachen. Dies soll ebenfalls zu den Schwierigkeiten beigetragen haben.

Zustimmung erhält die Länderbahn ausgerechnet von einem ihrer schärfsten Kritiker. Denn auch der Fahrgastverband Pro-Bahn wundert sich über die Abmahnung der BEG. "Ein solcher Schritt wäre vielleicht im September nachvollziehbar gewesen", sagt der stellvertretende Pro-Bahn-Sprecher Lukas Iffländer. Tatsächlich habe sich die Situation in den vergangenen Wochen aber verbessert, "auch weil die Länderbahn Pro-Bahn-Vorschläge umgesetzt hat, von denen sie zuvor nichts wissen wollte", sagt der aus Weiden stammende Iffländer. Er spielt damit auf die Anmietung eins zusätzlichen Triebwagens an, der aktuell für den "Alex" zwischen Hof und Regensburg unterwegs ist.

Überhaupt sei die BEG bisher eher zurückhaltend gewesen, wenn es um den Umgang mit den Bahnbetreibern ging. Laut Iffländer habe es in der Vergangenheit bayernweit mehrfach Anbieter gegeben, die deutlich schlechtere Leistungen erbracht hätten - ohne dafür eine Abmahnung zu erhalten. "Man kann hier schon von einer 180-Grad-Wende der BEG sprechen." Über die Hintergründe dieser Wende lasse sich nur spekulieren.

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