28.02.2020 - 14:09 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Klimawandel: Den Garten fit machen

Milde Winter ohne Schnee sowie heiße, trockene Sommer: Der Klimawandel ist in der Oberpfalz angekommen. Darauf müssen auch die Gartenbesitzer reagieren. Sie können schon mit kleinen Veränderungen viel bewegen.

Schotterwüsten sind nicht gut fürs Klima; Steingärten mit passender Bepflanzung (wie Hauswurz/Sempervivum) dagegen schon.
von Gertraud Portner Kontakt Profil
Naturnah Gärtnern: Fast jeder Garten hat einen Bereich, der sich für eine kleine Blumenwiese eignet.
Der Salbei kommt mit sehr wenig Wasser aus.
Lange Trockenperioden sind im Vormarsch.
Stabile Stauden, Sträucher und ein Holzstoß umrahmen diesen Sitzplatz. Der Vorteil gegenüber Kübelpflanzen: wenig Gießwasser und Pflege.
Vielfalt wird in diesem Garten groß geschrieben. Am Teich fühlen sich Vögel aber auch Amphibien, Libellen, und viele kleine Insekten wohl.

Die Sommer sind heiß und trocken und der Winter fällt quasi aus. Das stresst Pflanzen und Hobbygärtner. Die Klimaveränderung erfordert ein Umdenken im Zier- und Gemüsegarten. Die durstige Hortensie wird künftig noch mehr zu kämpfen haben, um ihren Platz im Beet zu halten.

Egal wie groß das Grundstück ist: Jeder Hobbygärtner kann mit kleinen Umstellungen einen Beitrag für mehr Klimaschutz im Garten leisten. Mit dem Verzicht von Torf oder Pflanzenschutzmitteln ist es dabei nicht getan. Das Nachdenken beginnt bereits beim Kauf von Samentüten oder Jungpflanzen. Wer auf schnellwachsende Sorten setzt, hat die Salatköpfe in der Küche, bevor die Schädlinge übernehmen. Aufpassen heißt es auch beim Düngen: Zu viel Stickstoff im Boden ist schlecht fürs Klima. Das sind auch synthetisch hergestellte Dünger (aufwendige Produktion). Besser ist da der Humus aus dem Garten.

Steinwüsten sind zwar bei vielen Architektenhäusern „hipp“, doch der Umwelt zuliebe sollte der Fokus auf „Grün und bunt“ gelegt werden. Je mehr Bäume, Sträucher, Stauden und Blumen auf dem Grundstück gepflanzt sind, desto besser fällt die CO2-Bilanz aus. Früher war es üblich, einen flachen Garten anzulegen. Jetzt muss umgedacht werden, denn ein leicht welliges Profil mit Hügeln und Senken schützt optimal vor Austrocknung (Wind) und Überschwemmung und damit vor Bodenerosion. Gut ist eine dauerhaft dichte Pflanzendecke oder gemulchte Beete (Rasenschnitt oder Erntereste). Den Boden zudem nicht tief umgegraben, sondern nur oberflächlich lockern, so passt er sich ein wenig besser an trockene Verhältnisse an.

Wer dann noch beim Pflanzen auf die „Gartenstars der Zukunft“ setzt, die Trockenperioden ohne viel Gießen überstehen, macht schon viel richtig. Dazu gehört es auch, Regenwasser in Zisternen oder Fässern zu sammeln. Die Auswahl an Überlebenskünstlern ist mittlerweile groß. Vor dem Start in die Saison 2020 bleibt aber noch genügend Zeit, sich darüber zu informieren, welche Stauden und Blumen nicht gleich bei der ersten Sommerhitze schlappmachen. Denn jeder hat sich sicher schon einmal von bunten Blütenköpfen in den Gartenmärkten becircen lassen – und Wochen später war es dann mit der Schönheit vorbei.

n Bäume pflanzen

Deutschlandweit wird zu großen Baumpflanzaktionen aufgerufen. Wer im eigenen Garten ein „kleines Wäldchen“ anlegt, kann dem Klimawandel ein wenig trotzen: Je mehr Bäume, umso mehr Schatten und desto erträglicher die Hitze. „Bäume mit Zukunft“ sind Tiefwurzler wie beispielsweise Ginkgo, Esskastanie, Kegel-Feldahorn, Ölweide, Wacholder, oder Amberbaum. In kleinen Gärten kann man auch mit Kletterpflanzen ein wenig Beschattung erreichen.

n Grün und bunt

Hecken als Sichtschutz fördern die Biodiversität im Garten. Für höhere grüne Wände bieten sich Wildobsthecken (wie Kornelkirsche oder Felsenbirne) an. Wer weniger Platz hat, kann sich mit Spalierobst vom Nachbarn abgrenzen. Statt großer Rasenflächen mit unschönen Hitze-Flecken bietet sich die Unterteilung der Fläche mit einer Wiesen-Ansaat an. Für eine dauerhafte Blumenwiese sollte aber gebietseigenes Saatgut verwendet werden. Jeder kann auf seinem Grundstück etwas gegen die Flächenversiegelung tun: Nur Wege, die oft genutzt werden, sollten befestigt sein. Ansonsten reichen Kies- oder Schotterwege. Denn hier kann das Regenwasser gut versickern.

n Sträucher und Stauden

Sträucher spielen einen wichtigen Part, denn sie bieten vielen Insekten und Kleintieren Nahrung und Schutz. Sehr anpassungsfähig ans Klima sind beispielsweise Schneespiere und Weigelie. Auch Rosenfreunde können aufatmen.: Ihre Lieblinge trotzen mit ihren widerstandsfähigen Wurzeln längeren Trockenperioden.

Bevor ein pflegeleichtes Staudenbeet angepflanzt wird, sollte man sich über die Standortansprüche informieren. Silbern behaarte Pflanzen (wie Salbei und Woll-Ziest) kommen selbst bei dauernder Sonneneinstrahlung mit wenig Wasser aus. Das gilt auch für die robusten Präriestauden (wie Echinacea und Indianernessel) sowie für Kräuter wie die lila blühende Katzenminze. Viele Stauden sind wahre Nektarquellen und lassen sich sogar im kleinsten Vorgarten integrieren.

n Neues im Gemüsegarten

Diplom-Ingenieur Thomas Jaksch hat 30 Jahre lang an der Hochschule in Weihenstephan-Triesdorf wissenschaftlich gearbeitet. Beim Gartenpflegertreffen 2020 des Landkreises Schwandorf nahm er die Zuhörer mit auf einen Spaziergang „Quer durch den Gemüsegarten“. Sein Fazit: „Mit der richtigen Wahl der Sorten, der Einhaltung der Fruchtfolge, dem Anbringen von Schutznetzen, und einer umweltgerechten Düngung kann der Hobbygärtner seine Pflanzen präventiv vor unliebsamen Schädlingen schützen.“

„Bevorzugen Sie schnellwachsende Sorten“, lautet sein Tipp. Der Kopfsalat „Lobela“ sei eine schossfeste Neuzüchtung, die große Köpfe bildet und Resistenzen gegen Mehltau und Blattläuse aufweist. Als neue Salat- und Schnittgurke für das Freiland empfiehlt Jaksch die Sorte „Swing“, die mit Spitzenerträgen und knackig-saftigen Früchten Freude macht, sowie resistent gegen Mehltau und Gurkenkrätze ist. Bei den Tomaten bieten veredelte Sorten mit einer hohen Resistenz gegenüber Krankheiten einen klaren Vorteil. Ein Tipp: Acht Tage vor der Pflanzung Senfmehl in den Boden einbringen (250 Gramm/qm). Eine schwarze Folie hält die „Tomaten-Füße“ warm. Abends sollte weder gegossen noch ausgegeizt werden. Die Düngung und Pflanzenernährung können Interessierte auf der Homepage der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf nachlesen.

www.hswt.de/weihenstephaner-gaerten/freizeitgartenbau.html

Neues Gartenbuch:

Buchvorstellung

„Robuste Schönheiten für den Garten – Wie Sie Ihren Garten für das Klima wandeln“

Das Buch von Ina Timm ist seit 4. Februar 2020 im Handel und kostet 19,99 Euro (159 Seiten). Die Autorin stellt die Stars der Gartenzukunft in Text und Bild vor: trockenresistent, windstabil und Staunässe-tolerant. Die Gartenarchitektin verbindet in ihrem neuen Buch Ästhetik mit Pflanzenintelligenz und zeigt, wie schön und entspannt Gärtnern sein kann. Sie lässt sich bei der Anlage und Pflege von Anpassungsstrategien aus der Pflanzenwelt leiten, so dass die Gärten nach wie vor prächtig und pflegeleicht erblühen. Sie achtet auch auf die Kombination nach dem Vorbild natürlicher Pflanzengemeinschaften, die sich gegenseitig unterstützen.

ISBN 978-3-96747-001-7

Aufruf des Landesverbands:

Aktion "Vielfaltsmacher"

Der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege hat für 2020 ein neues Projekt gestartet. Es heißt „Vielfaltsmacher“ und lädt Gartenbauvereine und Privatpersonen ein, eine reiche Vielfalt in Garten und Natur zu fördern. Der Landesverband hat dafür ein umfangreiches Informations- und Mitmachangebot entwickelt. Hier gibt es vieles zu entdecken, was die Gärten zu Schatzkammern der Artenvielfalt macht. Ein Beispiel: Viele Insekten schaffen nur kurze Distanzen. Ein dichtes Netz von Blühflächen ist für sie überlebensnotwendig. Der Tipp der Vielfaltsmacher: Den eigenen Balkon zu einem Teil eines grünen und blühenden Netzwerks in der Umgebung machen. Denn es zählt jede Fläche, ob auf dem Land, im Dorf, in Siedlungsgebieten oder in der Stadt.

www.vielfaltsmacher.de

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