08.06.2018 - 20:37 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Landwirt kann aufatmen

Brand unter Brücke: Abstellen der Anhänger nicht zu beanstanden

Zwei Heuwagen brannten unter einer Brücke der B 85 bei Schwandorf vollig aus. Die Brücke ist so schwer beschädigt, dass sie gesperrt werden musste. Während des Feuerwehreinsatzes am Dienstagabend brauste noch ein Lkw drüber.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

(ch) Das Feuer von zwei Heuwagen unter der Nordumgehungs-Brücke bei Krondorf (Stadt Schwandorf) dürfte gelegt worden sein. Davon geht die Polizei laut dem Präsidiums-Pressesprecher Albert Brück aus. Die Brücke wurde so schwer beschädigt, dass die B 85 zwischen Kreith und der A 93 monatelang gesperrt bleiben muss. Trotz des großen Schadens dürfte der Landwirt aufatmen, der die Anhänger mit seiner Heuernte hier zum Schutz geparkt hatte.

Die Polizei hat überprüft, ob dies untersagt sein könnte. Der Sachverhalt wurde nach Straßenverkehrsordnung und Naturschutzgesetz abgeklopft, mit dem Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach Rücksprache gehalten. Ergebnis laut Brück: Das Abstellen war zulässig und nicht zu beanstanden. Zumindest für den Schaden an der Brücke müsste der Bauer dann wohl nicht haften. Seine Anhänger sind freilich ebenfalls kaputt.

Zu dem aktuellen Brandfall in Krondorf gibt es beinahe eine Blaupause: Im Juli 2013 zündeten zwei Kinder in Weiden während eines Fests einen mit Heu beladenen Anhänger an, der unter der Autobahnbrücke bei Frauenricht stand. Die Buben wurden erwischt, kamen strafrechtlich aber ungeschoren davon - da unter 14 Jahre. Der Freistaat Bayern als Eigentümer der Brücke verklagte den Landwirt auf Schadenersatz. Das Landgericht Weiden hatte den Bauern daraufhin im Frühjahr 2017 zur Zahlung von 235 000 Euro verurteilt. Es hatte den Landwirt in der Pflicht gesehen. Der Bauer hätte sich dann das Geld von den Kindern holen müssen. Das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg als nächste Instanz sah das anders. Der Landwirt ist aus dem Schneider. Das Oberlandesgericht urteilte, dass der Landwirt nicht pflichtwidrig gehandelt habe. Obwohl ihn die Autobahndirektion schon 2011 aufgefordert hatte, wegen Brandgefahr nicht immer seine Hänger unter der Brücke zu parken.

Entscheidend für das OLG: Musste der Landwirt damit rechnen, dass Dritte das Heu anzünden? Das Landgericht Weiden sah diese Gefahr, gerade wegen des Fests und der "damit typischerweise einhergehenden durch Alkoholabusus bedingten Enthemmung der Besucher". Für das OLG ergab sich dadurch allenfalls eine "abstrakte Gefahr", nicht die rechtlich geforderte "konkrete Gefahr." Dem Freistaat blieb damit nur der Schritt, die Kinder zu verklagen. Darauf wurde offenbar verzichtet, darüber schwebt immer das Prozessrisiko der mangelnden Einsichtsfähigkeit.

Wer in Schwandorf die beiden Heuwagen angezündet hat, ist noch offen. Einen technischen Defekt wie eine heiße Bremse, eine Selbstentzündung des Heus oder eine fahrlässige Brandstiftung etwa durch eine weggeworfene Zigarette schließen die Brandermittler als Ursache aus. Sie waren am Donnerstag mit Spezialisten des Bayerischen Kriminalamts erneut vor Ort. Bleibt die Möglichkeit der vorsätzlichen Brandstiftung. Die Kriminalpolizei ermittelt und hofft auf Hinweise (09621/890-0), auch zu den Personen, die sich üblicherweise abends unter der Brücke aufhalten.

In Weiden brannte im Juli 2013 ein Heuwagen unter einer Brücke. Zwei Buben hatten das Feuer gelegt. Der Bericht zum Gerichtsverfahren: www.onetz.de/-d1794204.html

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