12.10.2018 - 15:16 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Nah am Wasser gebaut

Die Arbeiten von Ruth le Gear und Anton Kirchmair haben so manche Ähnlichkeit. Klar und harmonisch wirkt die Ausstellung, die die beiden nun im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf gemeinsam präsentiert.

Ruth le Gear stellt derzeit zusammen mit Anton Kirchmair im Oberpfälzer Künstlerhaus Schwandorf aus.
von Susanne WolkeProfil

Wasser ist das Element von Ruth le Gear. Die Künstlerin sammelt es auf der ganzen Welt zusammen, bereist für ihre Passion die entlegensten Orte. Mit Mikroskop, Kamera und pharmazeutischen Instrumenten hat sie eine Technik entwickelt, die an der Schnittstelle liegt zwischen Wissenschaft und Kunst. Einem Aufenthalt der aus Irland stammenden Künstlerin im Künstlerhaus ist es zu verdanken, dass nun arktisches Wasser in der Naab schwimmt - ein logistischer Kraftakt, allein schon wegen des Flüssigkeitsverbots in heutigen Flugzeugen.

In der aktuellen Ausstellung der Kebbelvilla gibt Ruth le Gear zudem Einblicke in ihren flüssigen Kosmos, der idealerweise geprägt ist von Stille und Meditation und weniger von Diskussionen mit verständnislosem Flughafenpersonal. Videos und Filme zeigen die Künstlerin beim Einsammeln und Erforschen von Wasser - sie folgt dabei mitunter homöopathischen Lehren.

Mikroskopische Aufnahmen führen abstrakte Muster vor Augen, der sanfte Wellenschlag ruhiger Videoaufnahmen leitet zu beeindruckenden Landschaftsbildern oberhalb und unterhalb der Wasseroberfläche. "Ich möchte den Betrachter mit auf eine fantastische Reise durch das Wasser nehmen", erklärt Ruth le Gear. Für die Ausstellung in Schwandorf hat sie dafür etliche Arbeiten ausgewählt, die durch die Naab, den Steinberger See und den Murnersee entstanden sind.

Verbunden mit der Natur und geprägt von Nachhaltigkeit zeigt sich auch Anton Kirchmair. Das Oeuvre des zweiten Künstlers der aktuellen Ausstellung im Oberpfälzer Künstlerhaus umfasst zwar auch Malerei, Grafik und Collagen. Am einprägsamsten sind allerdings Kirchmairs Arbeiten aus Holzstäben sowie mit Gegenständen, die im Alltag normalerweise wenig Beachtung finden.

Die Wiederverwendbarkeit ist eine Lebenseinstellung Kirchmairs, der vor seiner künstlerischen Laufbahn Werkzeugbauer, Seemann und Kunstlehrer war. Auf vielfältige Weise praktiziert er dies mit den für ihn fast schon zum Markenzeichen gewordenen Holzstäben.

Diese hat er aus seiner Wahlheimat, dem Bayerischen Wald geholt und rot angestrichen. Seitdem verwendet er sie als Bausatz. Ob als fragiles raumgreifendes Geflecht oder grafisch am Boden angeordnet: Die "Auslegung" dieser Holzstäbe ist schier unerschöpflich.

"Entstandenes wird bei Anton Kirchmair immer wieder verworfen", erklärt Andrea Lamest, Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses bei der Eröffnung der Schau. Teils verleihe der Künstler seinen Werken noch im Ausstellungsraum den letzten Schliff. So etwa mit Hilfe des Verpackungsmaterials: Dieses habe seine Daseinsberechtigung, findet Anton Kirchmair - und platziert durchsichtige Kunststoffhüllen gleich neben den Arbeiten, die beim Transport damit umhüllt waren.

Ein waghalsiges Unterfangen, wie man spätestens seit dem Regensburger "Nest"-Skandal um Inken Töpffer weiß. Schließlich ist das Kunstverständnis von Raumpflegepersonal manchmal ebenso ausbaufähig wie das von Flughafenangestellten. Anton Kirchmair pfeift auf solche Bedenken und streut gleich noch den Staub lokaler Eisenwerke um eine Skulptur. Eine weitere Gemeinsamkeit also von Ruth le Gear und Anton Kirchmair: Unverdrossen gehen sie ihren ganz eigenen Weg. Und gemeinsam bescheren sie dem Publikum in Schwandorf eine erfrischende Herbstausstellung.

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