01.03.2019 - 13:02 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Natürlich Reger

Ein Kreis schließt sich: Wenn Kurt Seibert am 17. März sein Abschiedskonzert beim Schwandorfer Klavierfrühling gibt, dann steht sein Nachfolger bereits fest.

Nicht nur in Südkorea saßen Kurt Seibert (links) und Sohn Christian (rechts) an den Flügeln und begeisterten das Publikum mit Max Reger. Auch zum Abschluss des Schwandorfer Klavierfrühlings steht bei einem gemeinsamen Konzert der Oberpfälzer Komponist wieder auf dem Programm.
von Stefan Voit Kontakt Profil

Bereits zum 13. Mal gibt es jetzt den Schwandorfer Klavierfrühling (10. bis 17. März). Es ist das letzte Festival, das Kurt Seibert zusammengestellt hat und auch leitet. Doch die Fortführung im Oberpfälzer Künstlerhaus ist gesichert. Sohn Christian Seibert wird künftig die Klassikfreunde im Frühjahr mit interessanten Künstlern überraschen dürfen. Die Kulturredaktion sprach mit Kurt Seibert über Anfänge und Ausblicke.

ONETZ: Sie werden im April 75 und legen den Schwandorfer Klavierfrühling – nach 13 Jahren in neue Hände. Ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge?

Kurt Seibert: Ja, natürlich. Aber ich denke, dass es ein guter Zeitpunkt ist, ein wohlbestelltes Haus in gute Hände zu übergeben.
Warum hatten Sie sich damals für Schwandorf entschieden?
Die Zusammenarbeit mit dem Oberpfälzer Künstlerhaus reicht ja nahezu 20 Jahre zurück. Ich wollte damals als Leiter der Weidener Max-Reger-Tage das Festival zu einem nordbayerischen Festival auszubauen und war auf der Suche nach Kooperationspartnern. Meine Begegnung auf Empfehlung meines verstorbenen, unvergessenen Freundes Karl Aichinger mit dem Künstlerhaus und seinem damaligen Leiter Heiner Riepl war „Liebe auf dem ersten Blick“ und hat zu einer stabilen und freundschaftlichen Zusammenarbeit geführt, die bis heute besteht.

ONETZ: War es schwer, das Publikum vor Ort für Klassik zu begeistern?

Es gibt natürlich in Schwandorf ein Publikum, dass sich für Klassik interessiert. Schwandorf hat ja ein reichhaltiges und interessantes, von den Bürgern und der Stadt getragenes Musikleben. Meine Projekte sind aber seit jeher von thematischen Schwerpunkten geprägt – in diesem Jahr ist es die Musikmetropole Leipzig – und weniger die Präsentation berühmter Namen. Auch die Weidener Max-Reger-Tage sind einmal so entstanden. Natürlich waren und sind auch viele international hoch angesehene Künstler in Schwandorf dabei, aber eben im Dienst einer thematischen Konzeption. Das weicht erheblich vom kulturellen Mainstream ab, und es dauert schon eine Zeit, ein Publikum dafür zu gewinnen, das sich in erster Linie vorrangig an großen Namen orientiert.

ONETZ: Was hat der Klavierfrühling von den Weidener Max-Reger-Tagen, die sie viele Jahre erfolgreich geleitet haben, unterschieden?

Ursprünglich war das Künstlerhaus eine von etwa 50 Spielstätten der Reger-Tage in ganz Nordbayern. Nachdem die Stadt Weiden diese „Auswärtskonzerte“, wie man sie zu nennen pflegte, nicht mehr wollte und ich die Leitung der Regertage niederlegte, blieb das Künstlerhaus mit seinem Gästehaus ein idealer Platz für eine jährlich Studienwoche, die ich und andere Kursdozenten einmal im Jahr in Zusammenarbeit mit meiner und anderen Hochschulen durchführte. Sie bestand aus öffentlichen Meisterkursen und Konzerten.
Nach meiner Emeritierung wandelte sich die Studienwoche abermals zu einem Klavierfestival ohne die thematische Bindung, die sich zu einem Alleinstellungsmerkmal des Schwandorfer Klavierfrühlings entwickelt hatte, aufzugeben. Die Stadt Schwandorf und auch die Leitung des Künstlerhauses unterstützen mich dabei immer auch in den schwierigen Anfangszeiten.

ONETZ: Nach welchen Kriterien haben Sie Komponisten und Künstler ausgesucht?

Natürlich haben wir oft die Gedenkjahre der Komponisten zum Anlass genommen, manchmal waren es auch übergeordnete Themen, wie Tanz in der Kunstmusik oder die gemeinsamen Wurzeln europäischer Musik . Selbst Musikstudenten und vor allem dem Publikum des kommerziellen Musiklebens ist ja von jedem Komponisten, sei er auch noch so berühmt, nur ein kleiner Teil seiner Werke bekannt. Das gilt nicht nur für Max Reger, sondern auch für Ludwig van Beethoven und erschwert das Verständnis seiner Musik!
Jedenfalls erschließt sich dieses Verständnis für einen Komponisten nicht durch das gelegentliche oder noch so häufige Hören weniger bekannter Werke, und seien sie von noch so prominenten Künstlern präsentiert. Ich habe daher immer Künstler eingeladen, die für das jeweilige Genre spezialisiert sind und dieses Wissen auch vermitteln können. Nur eine gründliche Kenntnis ist der Schlüssel zum Musikverständnis und die Basis für Musiker, aber auch für das musikinteressierte Publikum, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Dies war mein Credo als Künstler und Hochschullehrer.

ONETZ: Gab es Höhepunkte, an die Sie sich besonders gern erinnern?

Ich finde, jedes dieser Festivals hatte seine eigenen Höhepunkte. Manchmal waren es Konzerte prominenter Gäste, nicht selten aber auch tolle Leistungen junger Künstler und Studenten.

ONETZ: Inzwischen gibt es ja zwei Festivals in der großen Kreisstadt: den „Klavierfrühling“ und den „Goldenen Oktober“. Ist hier auch an eine Zusammenarbeit gedacht?

Das kann eigentlich nur der Veranstalter des „Goldenen Oktobers“, die Leitung des Oberpfälzer Künstlerhauses, beantworten. Ich ziehe mich ja in diesem Jahr ohnehin zurück. Grundsätzlich denke ich, dass, so weit ich das beurteilen kann, beide Festivals durchaus unterschiedliche Konzeptionen verfolgen, dass es immer gut ist, wenn Konzerte stattfinden und dass natürlich unterhalb einer engen Zusammenarbeit Absprachen hilfreich sein könnten. Es gibt ja sehr viele gute freischaffende Künstler und wenig Auftrittsmöglichkeiten.

ONETZ: Was können Sie bei Ihrem „Abschieds-Festival“ besonders empfehlen?

Wenn ich nicht alles gleichermaßen empfehlen könnte, würde ich nicht so viele Veranstaltungen anbieten.

ONETZ: Das Abschluss-Konzert gestalten Sie gemeinsam mit Ihrem Sohn Christian Seibert. Sie spielen Werke von Brahms und Reger. Warum haben Sie sich gerade für diese beiden Komponisten entschieden?

Diese Werke gehören zu unserem festen Repertoire, mit dem wir schon viele Konzerte – unter anderem eine große Tournee durch Südkorea – bestritten haben. Davon abgesehen gehört sowohl die Brahms-Sonate und auch Reger großartiges op. 96 zu meinen Lieblingsstücken. Dass mit Max Regers „Introduktion Passacaglia und Fuge“ 1998 die Weidener Max-Reger-Tage eröffnet wurden – ich spielte es damals mit einem meiner Studenten – ist ein Zufall, schließt aber irgendwie den Kreis!

ONETZ: Ihr Sohn wird den Klavierfrühling fortführen. Was will er anders machen?

Das kann ich natürlich nicht sagen, und ich werde mich da auch nicht einmischen. Er hat ja mittlerweile viel Erfahrung als Festivalleiter, ist ein hervorragender und vielseitiger Künstler. Ich bin überzeugt, dass er das Festival erfolgreich weiterführen und ihm neue Impulse geben kann.

Info:

Programm

Sonntag, 10. März (16 Uhr): Kurt Seibert (Klavier) spielt Werke von Johann Sebastian Bach (Concerto nach italienischem Gusto, Sechs kleine Präludien aus dem Klavierbüchlein für Wilhelm Friedmann Bach, Partita 6) und Johannes Brahms (Chaconne von J. S. Bach, Vier Duette, Chromatische Fantasie und Fuge, d-Moll ).

Dienstag, 12. März (19.30 Uhr): Konzert der Hochschule für Musik und „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Leitung Hanns-Martin Schreiber und Hobin Yi (Violone), Nil Kocamangli (Violoncello), Anil Büyükikiz (Klavier, Hansol Cho (Klavier) mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Donnerstag, 14. März (19.30 Uhr): Stephan Möller (Klavier) spielt Werke von Robert Schumann (Davidsbündlertänze op. 6; Fantasie C-Dur für Klavier op. 17).

Sonntag, 17. März (16 Uhr): Christian und Kurt Seibert spielen auf zwei Klavieren Werke von Johannes Brahms (Sonate f-Moll op. 34 bis) und Max Reger (Tannhäuser-Ouvertüre, Introduktion Passacaglia und Fuge op. 96).

Informationen und Karten gibt es unter Telefon 09431/9716.

www.oberpfaelzer-kuenstlerhaus.de

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