21.08.2018 - 16:38 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Oberpfalz ist Fischland

22. August: Tag des Fisches. Grund genug einen Blick auf die Teichwirtschaft in der Region zu werfen. Die Zahlen sind gut. Etwa jeder vierte Speisekarpfen kommt aus der Oberpfalz.

Etwa ein Viertel der deutschen Speisekarpfen kommen aus der Oberpfalz.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

(msh) "Der Karpfen ist Oberpfälzer Kulturgut", davon ist Alexander Flierl, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberpfalz (TEGO) und CSU-Landtagsabgeordneter, auch 2018 noch überzeugt. "Der Speisefisch hat immense Bedeutung in der Region. Bereits seit 1000 Jahren werden Teiche bewirtschaftet. Die Voraussetzungen sind gut, neben Mittel- und Oberfranken ist die Oberpfalz der Hauptstandort der Speisefischproduktion. Bei uns sind die Landkreise Schwandorf und Tirschenreuth führend", erklärt Flierl.

"Die Teiche prägen die Landschaft und übernehmen viele Aufgaben. Neben der Produktion von Speisefisch dienen sie als Habitat für andere, teils seltene Arten. Sie sind Kulturlandschaft und sind ein Faktor bei Tourismus und Erholung, ein gutes Beispiel dafür ist der Rußweiher in Eschenbach", erläutert Dr. Thomas Ring, Fachberater im Bereich Fischerei des Bezirks Oberpfalz. Auch der Politik sollte es ein Anliegen sein, das "Land der 1000 Teiche" zu erhalten. "Da gibt es sowohl für Politik als auch die Naturschutzverbände schon eine gewisse Verpflichtung, dem gerecht zu werden", mahnt Ring.

Die Zahlen sprechen für sich: 1439 Tonnen Speisefisch produzierten die 614 Oberpfälzer Betriebe im Jahr 2017. Auch wenn die Betriebe in den letzten Jahren weniger geworden sind (2013 noch 1495), nimmt die Menge der Produktion in den letzten Jahren wieder zu. "Natürlich gibt es immer weniger Betriebe und für über 90 Prozent der Oberpfälzer Teichwirte ist die Fischzucht ein Nebenerwerb. Es gibt allerdings auch einige Haupterwerbsbetriebe in der Region", erklärt Ring. Gerade deswegen sei es nicht zu unterschätzen, was Teichwirte, die die Zucht nebenbei betreiben, für die Allgemeinheit und die Natur leisten. Hilfen bekommen sie unter anderem von der TEGO, zum Beispiel durch Förderungen.

Speisefischproduktion in der Oberpfalz

"Die Absatzmöglichkeiten sind gut", sagt Flierl. Experte Ring stimmt zu, sagt aber auch: "Die Oberpfälzer essen zu wenig regionalen Fisch." Dabei gehe es kaum ökologischer. Im September beginnt die Karpfen-Saison. Flierl und Ring setzen sich dafür ein, dass die Speisefische aus der Oberpfalz ein besseres Image bekommen. "Die Attraktivität des Karpfen steigt, das zeigen auch die Produktionszahlen", sagt Ring. Dazu muss auch die heimische Teichwirtschaft gestärkt werden.

"Die Oberpfalz ist Fischregion und das wird sie auch in Zukunft bleiben", sagt Flierl. Ring gibt zum Tag des Fisches einen Vorsatz mit auf den Weg: "Einheimische Fische zu essen, stärkt die Region und die Ökologie."

Probleme der Teichwirte:

- Fressfeinde: Vor allem der Fischotter, der Kormoran sind ein Problem für die Teichwirte. Sie gehören zu den geschützten Tierarten. Ein Zaun bringt oft nicht den gewünschten Schutz. Der Fischotter darf inzwischen mit Sondererlaubnis gejagt werden. Dennoch beziffert Ring die Fischotterschäden 2017 in Bayern auf etwa eine Million Euro. „Und 2018 wird diese Summe sicherlich noch steigen“, prognostiziert er.

- Hitze: Auch die derzeitigen Temperaturen können zum Problem werden. Neben der hohen Verdunstung und Versickerung produzieren die Teiche zu wenig Sauerstoff. Dadurch verändern sich die Bedingungen für die Fische. Forellen sind dabei anfälliger als Karpfen. Außerdem wachsen dann mehr Algen. Die Teiche können dadurch zu regelrechten „Tümpeln“ verkommen und im Extremfall sogar umkippen.

- Finanzen und Bürokratie: Die Teichwirte beklagen Hürden bei ihrer Arbeit. Die teils komplizierten Förderanträge oder auch die Schwierigkeit einen Teich aufzugeben sind vor allem für Nebenerwerbsteichwirte ein Ärgernis. Denn ein unbewirtschafteter Teich droht zu verkommen und dadurch das Gleichgewicht in der Natur zu stören. Deshalb will die Politik durch Förderungen Anreize schaffen. 1,5 Millionen Euro Förderung gab es 2017 über die Teichgenossenschaft Oberpfalz (TEGO). Deren Vorsitzender und CSU-Abgeordnete Flierl setzt sich auch für eine Art von Flächenprämie für Teichwirte ein. Dafür seien aber noch einige Hürden zu nehmen, sagt er.

- Generationswechsel: Über 90 Prozent der Teichwirte betreiben die Fischzucht nebenbei. Doch die nächste Generation scheint nicht mehr viel Interesse an der Teichwirtschaft zu haben. „Auch deshalb verschwinden immer mehr Betriebe“, erklärt Ring. Die Zahl der Oberpfälzer Betriebe hat sich in den letzten vier Jahren mehr als halbiert (von 1495 auf 614).

Tirschenreuther Teichpfanne.

Zwei Teichwirte beim Abfischen.

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