07.01.2019 - 12:51 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Pensionierter Pfarrer spendet Trost, wenn der geliebte Vierbeiner stirbt

Haustiere gehören wie selbstverständlich zur Familie. Wie kann der Abschied gestaltet werden, wenn das Leben der geliebten Katze oder des treuen Hundes zu Ende ist? Manfred Hanglberger hat einen Ritus für Tierbestattungen entwickelt.

Manfred Hanglberger in seinem Garten am Grab seines verstorbenen Katers „Kaiser Franz Joseph“.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Dass Manfred Hanglberger ein echter Tierfreund ist, wird in seinem Haus und Garten in Münchshofen (Kreis Schwandorf) schnell klar. Ein Kratzbaum und Katzenspielzeug stehen im Wohnzimmer. Der terrassenförmig angelegte Garten bietet unzählige gemütliche Schlafplätze für die drei Hauskatzen Angelo, Sissi und Clausi. Überall dekorieren Katzenfiguren die Bepflanzungen. Zwischendrin liegen ganz besondere Orte: Liebevoll gestaltete Gräber für die vier verstorbenen Katzen des pensionierten Pfarrers.

„Der Tod unserer ersten Hauskatze, die meine Haushälterin mit ins Pfarrhaus gebracht hatte, hat mir bewusst gemacht, wie wichtig es ist, die seelischen Schmerzen der Menschen beim Tod eines vierbeinigen Familienmitglieds seelsorgerisch ernst zu nehmen“, sagt Hanglberger. Der Abschiedsschmerz habe ihn ganz gewaltig getroffen, als die Katze im Alter von 18 Jahren starb. Es war einer der Gründe, warum Hanglberger einen Ritus für Tierbestattungen entwickelt hat. Es ist seines Wissens nach der erste derartige Text im deutschsprachigen Raum. Der Ritus besteht aus verschiedenen von Hanglberger formulierten Gebeten und Abschiedsgesten wie dem Besprengen mit Weihwasser oder dem Aufsteigenlassen von Weihrauch. Angehängt ist der Text in Hanglbergers Buch „Trauergebete, Traueransprachen“, das 2017 in einer Neuauflage im Regensburger Pustet-Verlag erschienen ist.

In der Kirche gebe es durchaus Lehraussagen über die Theologie der Tiere, betont der 66-Jährige. Sie seien nur wenig bekannt. In einem gemeinsamen Dokument der katholischen und evangelischen Kirchen in Deutschland sei 1985 unter dem Titel „Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung“ Folgendes festgehalten worden: „Die Schöpfungsgeschichte erkennt das Tier als beseeltes Lebewesen an. Der Mensch ist gehalten, den Eigenwert seiner Mitgeschöpfe zu achten. Die Erlösungstat Jesu Christi erstreckt sich nicht nur auf den Menschen, sondern auf alle Kreaturen. In die Hoffnung der Auferstehung ist die nichtmenschliche Kreatur mit einbezogen.“ Frischen Wind für die Theologie der Tiere erhofft sich Hanglberger von Papst Franziskus. Dieser habe in seiner Enzyklika „Laudato si“ ähnliche Glaubensaussagen getroffen, unter anderem rufe er darin auf, „zu erkennen, dass die anderen Lebewesen vor Gott einen Eigenwert besitzen“.

Tierfreund Manfred Hanglberger mit Kater „Angelo“.

Die besondere Verbindung von Menschen und Tieren ist für Hanglberger schon länger ein Thema. In seiner Zeit als Pfarrer in Pirkensee (Kreis Schwandorf) fiel ihm auf, wie sehr die Kinder, die er unterrichtete, an ihren Vierbeinern hingen. Kurzerhand lud er sie ein, mit ihren Haustieren in die Kirche zu kommen. „Bei den Liedern fingen alle Vögel in ihren Käfigen an zu singen“, erinnert sich Hanglberger. In den Folgejahren hielt er regelmäßig Segensgottesdienste für Tiere in einer Waldlichtung ab, zu der sogar Pferde kamen.

Eines Tages stand dann einer Frau mit ihrem toten Hund vor seinem Pfarramt und bat um ein letztes Segenswort. „Ich war sehr berührt von ihrer Bitte und habe ihren Wunsch natürlich erfüllt“, erzählt Hanglberger, der auch als Familientherapeut arbeitet und eine Reihe von Lebensberatungsbüchern veröffentlicht hat. Nochmal zwei Jahre später, mittlerweile war er Pfarrer in Wörth an der Donau (Kreis Regensburg), besuchte ihn ein kinderloses Ehepaar, das ihn um einen Abschiedsritus für ihren verstorbenen Hund bat. Auch diese Erlebnisse führten dazu, dass Hanglberger begann, sich mit dem Thema Tiere und Tod im christlichen Glauben zu beschäftigen.

Immer wieder höre er, dass Tierbesitzern, die um ihren Vierbeiner trauern, wenig Verständnis entgegengebracht wird, bedauert Hanglberger. Es sei doch nur ein Tier, heiße es dann. Für tröstende Worte und Gebete seien die Betroffenen umso dankbarer.

Info:

Tierbestattungen

Kleinere Haustiere dürfen im eigenen Garten bestattet werden. Für die Beerdigung größerer Tiere bedarf es einer Genehmigung des zuständigen Veterinäramtes. Daneben gibt es die Möglichkeit einer professionellen Tierbestattung auf einem Tierfriedhof.

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